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Spannung in Dannewerk und Busdorf : Endspurt in Richtung Welterbe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Unesco entscheidet im Juni 2015 in Bonn über die Auszeichnung für Haithabu und das Danewerk. Die „Wikinger-Bewerbung“ hat die meisten Prüfungen schon überstanden.

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erstellt am 16.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Haithabu und das Danewerk in einer Reihe mit der Bergfestung Machu Picchu in Peru, den Grenzanlagen des römischen Reiches und dem Wattenmeer? Im Juni kommenden Jahres entscheidet die Unesco in Bonn, ob die historischen Stätten an der Schlei zum Weltkulturerbe ernannt werden – oder nicht. Matthias Maluck vom Archäologischen Landesamt beschäftigt sich seit 2008 hauptamtlich mit der Bewerbung, die zusammen mit Dänemark, Island Norwegen und Lettland als „Viking Ages Sites in Northern Europe“ eingereicht wurde – und er ist vorsichtig zuversichtlich, dass die Arbeit mit dem prestigeträchtigen Titel gekrönt wird.

Der Optimismus speist sich nicht zuletzt aus den Prüfungen, denen sich die Bewerbung in den vergangenen Wochen unterziehen musste. Eine der wichtigsten war der Besuch einer Spezialistin aus der Schweiz, die sich anderthalb Tage in Haithabu und am Danewerk umschaute, ehe die Kontroll-Reise in Dänemark und auf Island fortgesetzt wurde. Dabei ging es auch um die Akzeptanz der Menschen in den Dörfern und der Landeigentümer. Nach Malucks Einschätzung müsste die Bewertung überaus positiv ausfallen. „Wir sind ja schon seit Jahren im Gespräch mit den Bürgern – und das hat sich jetzt in einer wirklich beeindruckenden Resonanz niedergeschlagen.“ Der Fachmann verschweigt nicht, dass es auch Vorbehalte gegeben hat – vor allem, was eventuelle Einschränkungen durch den Welterbetitel betraf. „Das ist allerdings nicht der Fall“, sagt Maluck, „denn diese Einschränkungen gibt es bereits durch den nationalen Denkmal- und Naturschutz. Durch den neuen Titel kämen keine weiteren hinzu.“

Die Prüfungen sind nun fast abgeschlossen – von der formalen Betrachtung der Bewerbung bis hin zur Frage, ob gesichert ist, dass Haithabu und das Danewerk auch wirklich nachhaltig gepflegt und weiterentwickelt werden. „Zurzeit haben wir lediglich noch einige inhaltliche Fragen auf dem Tisch, die beantwortet werden müssen“, sagt Maluck.

Alle Daten und Fakten werden im Dezember auf einer Sitzung des Internationalen Rats für Denkmalpflege zusammengetragen. Ende Juni geht es dann zur Sache, wenn das Welterbe-Komitee in Bonn zusammentritt. Der Kongress dauert zwei Wochen und hat in diesem Jahr über 40 Anträge zu befinden. Zunächst informiert der Internationale Rat über die Stärken und Schwächen – und gibt schließlich eine Empfehlung ab. „Das ist dann zumindest eine Vorentscheidung“, erläutert Matthias Maluck, der das Prozedere 2009 live miterlebte, als das Wattenmeer Welterbe wurde. Allerdings ist das Komitee, das mit Vertretern aus 21 Ländern besetzt ist, in seiner Entscheidung völlig unabhängig. Die Mehrheit von elf Stimmen entscheidet – so sind Überraschungen zumindest nicht ausgeschlossen.

Maluck geht davon aus, dass eine größere Delegation aus dem norddeutschen „Wikingerland“ zur Entscheidung nach Bonn reisen wird. Schließlich würde der begehrte Titel nicht nur die Arbeit des Archäologischen Landesamts adeln, sondern sich nach Ansicht von Maluck auch als Wachstumsmotor für die gesamte Region erweisen. „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich wunderbar werben ließe.“

Matthias Maluck warnt allerdings vor übertriebenen Erwartungen, was den Rahmen in Bonn betrifft. „Das ist eigentlich eine ziemlich trockene Angelegenheit, die mit einer Oscar-Verleihung oder der Vergabe von Olympischen Spielen herzlich wenig zu tun hat. Da gibt es die Abstimmung, die sogar geheim sein kann, die Verkündung, einen Stempel und fertig.“

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