Helios-Klinikum Schleswig : „Endlich wird es öffentlich gemacht“

Hunderte Leser-Reaktionen auf SN-Bericht über Mängel im Krankenhaus.

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13. Januar 2015, 11:45 Uhr

Die Wellen schlagen hoch, nachdem Patienten aus dem Schleswiger Helios-Klinikum am Sonnabend in den SN über dreckige Zimmer und unzureichende medizinische Versorgung berichtet haben. Zahlreiche Schleswiger riefen uns an, schrieben E-Mails oder kamen direkt in die Redaktion, um von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Krankenhaus zu berichten – von guten wie von schlechten. Im Internet gab es auf den Facebook-Seiten der Schleswiger Nachrichten und des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) bis gestern Nachmittag mehr als 200 Leserkommentare.

Viele persönliche Schicksale werden dort berichtet. In der Regel lässt sich kaum überprüfen, ob ein ungünstiger Krankheitsverlauf oder gar der Tod eines Angehörigen mit der Behandlung im Helios-Klinikum in Zusammenhang steht. Angel Clausen schreibt zum Beispiel: „Ich musste voriges Jahr zwei Monate dort liegen und ich weiß, dass ich nie wieder in Schleswig in die Klinik will.“ Norbert Hansen sagt zum SN-Artikel: „Ich finde es gut, dass es endlich einmal öffentlich gemacht wurde. Hätten die betreffenden Personen nur die Klinikleitung angesprochen, dann wäre es doch wieder unter den Teppich gekehrt worden.“ Es wird aber auch deutlich, dass die Patienten die Situation nicht in allen Abteilungen des Krankenhauses ähnlich beurteilen. Ausdrücklich gelobt wird immer wieder die Entbindungsstation. „Ich würde jedes weitere Kind dort zur Welt bringen“, sagt Svenja Hansen.

„Als Bauernopfer wird sicherlich schnell das unterbezahlte Pflegepersonal ausgemacht“, fürchtet Nadine Jensen. „Früher war der Betrieb der Krankenhäuser in staatlicher Hand. Es gab damals sicherlich auch Mängel, aber es war sauberer und es war genügend Personal vorhanden.“

Dem widerspricht ein Leser mit dem Pseudonym „Errätst du nie“, der das Helios-Klinikum vehement verteidigt. „Ich finde es immer ziemlich lustig, dass Leute, die grundsätzlich wenig Ahnung haben, meinen, sich über Unternehmenspolitik äußern zu müssen“, schreibt er und meint: „Man sollte mal betrachten, was aus vielen städtischen Krankenhäusern geworden wäre, wenn diese nicht durch Krankenhaus-Konzerne wie Helios aufgekauft worden wären: Dann muss das Krankenhaus geschlossen werden und alle Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.“

Indes berichten zahlreiche Leser, dass sie inzwischen lieber ins Rendsburger Krankenhaus gingen – das nach wie vor in kommunaler Trägerschaft ist. „Freundlichkeit wird dort ganz groß geschrieben, Sauberkeit ist dort auch gegeben – und alles was man sonst noch braucht, wenn man krank dort liegt“, schreibt Susanne Wagner.

Ist die Lage im Schleswiger Krankenhaus also dramatischer als anderswo? Regina Klingsporn, die unabhängige Patienten-Ombudsfrau für das nördliche Schleswig-Holstein, sieht das nicht so. „Die Situation ist in vielen Krankenhäusern schwierig“, sagt sie. „Da ist Schleswig keine Ausnahme.“ Insbesondere das Pflegepersonal leide fast überall unter sehr hoher Arbeitsbelastung. Die Patienten-Ombudsfrau ist im Auftrag eines Vereins tätig, dem unter anderem mehrere Krankenkassen, Ärztekammer, Apothekerkammer sowie eine Reihe von Pflegeeinrichtungen und Kliniken – nicht aber das Schleswiger Helios-Klinikum – angehören.

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