Kinder aus Angola im Helios-Klinikum : Endlich wieder laufen können

In etwa drei Wochen können Ledi (links) und Luki die Heimreise nach Angola antreten. Bis dahin setzten Dr. Volker Stein und Britt Pieplau alles daran, dass die Kinder gesund werden.
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In etwa drei Wochen können Ledi (links) und Luki die Heimreise nach Angola antreten. Bis dahin setzten Dr. Volker Stein und Britt Pieplau alles daran, dass die Kinder gesund werden.

Zwei schwer kranke Mädchen aus Angola werden zurzeit in Schleswig behandelt.

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08. Juni 2014, 07:45 Uhr

Als Luki vor gut einem Monat nach Schleswig kam, bot das dreijährige Mädchen ein Bild des Jammers. Sie war so schwach, dass sie nicht einmal essen mochte – geschweige denn konnte. Der achtjährigen Ledi, die sie begleitete, ging es nicht besser. Beide waren ausgezehrt von schweren Entzündungen ihrer Unterschenkel, die jahrelang nicht behandelt worden waren. „Und die über kurz oder lang lebensbedrohlich für die Kinder gewesen wären“, wie Dr. Volker Stein, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie am Helios-Klinikum, betont.

Mit Luki und Ledi sind nun zum zweiten Mal schwer kranke Kinder über den Verein „Friedensdorf International“ nach Schleswig gekommen. Erst Anfang des Jahres wurden hier zwei afghanische Jungen über Wochen behandelt. Schon damals war Stein, wie auch jetzt, Initiator der Hilfsaktion gewesen. „Wir können diesen Kindern hier die medizinische Versorgung anbieten, die sie in ihren Heimatländern nicht bekommen können“, sagt Stein, der selbst vierfacher Vater ist. „Aber ich weiß auch, dass wir damit nur das Sandkorn am Strand aufsammeln.“

Während der Verein, der allein von Spenden finanziert wird und seinen Sitz in Oberhausen hat, für den Transport der Mädchen nach Deutschland zuständig war, übernimmt Helios die Kosten für die Behandlung. Diese erweist sich in beiden Fällen als durchaus schwierig. Luki hat bereits vier Operationen hinter sich, eine fünfte steht ihr bevor. „Als sie hier ankam, war ihr linker Unterschenkel dicker als der Oberschenkel“, sagt Stein. Aufgrund einer schweren Infektion habe man Gewebe, Knochenmengen und Eiter entfernt und dazu Antibiotika-Träger ins Bein eingelegt. Ledi hat bereits fünf OPs hinter sich. Bei ihr war der Unterschenkel um 90 Grad fehlgestellt, hinzu kamen mehrere Infektionskrankheiten – Diphterie, Streptokokken, Salmonellen. Dass das Mädchen zudem an Sichelzellenanämie, einer Erkrankung der roten Blutkörperchen, leidet, machte ihre Behandlung noch komplizierter. „Das alles sind Krankheitsbilder, die man hier sonst nicht zu Gesicht bekommt. Wir sind ja alle durchgeimpft“, sagt Dr. Stein und fügt an: „Wir holen uns ein Stück weit die Leiden Afrikas ins Haus. Da wird man schon ein wenig demütig, weil einem noch einmal ganz bewusst wird, wie gut wir es eigentlich haben.“

Das wiederum merken auch nach und nach die beiden Mädchen. Nach einer Woche der Eingewöhnung hatten sie sich langsam an ihr neues Umfeld gewöhnt. „Sie sind beide angekommen – und auch nicht nachtragend, wenn wir sie mal festhalten, weil wir ihnen etwa mal wieder Blut abnehmen müssen. Sie haben schnell gemerkt, dass wir ihnen nichts Böses, sondern dass wir ihnen helfen wollen“, sagt Krankenpflegerin Britt Pieplau.

Die Leiterin der Kinderstation hat, gemeinsam mit der ehrenamtlichen Helferin Jutta Hartwig von der St.-Michaelis-Gemeinde, die Betreuung von Luki und Ledi übernommen und versucht, den beiden so viel Nestwärme wie möglich zu geben. Allerdings dürfen und wollen sie es dabei auch nicht übertreiben, wie Britt Pieplau betont. „Die Kinder sollen sich nicht zu sehr an das Umfeld hier gewöhnen, damit sie keinen Kulturschock bekommen, wenn es zurück zu ihren Familien geht.“ Denn das ist das Ziel, worauf alle im Krankenhaus – im Sinne des Vereins „Friedensdorf“ – hinarbeiten. Dr. Volker Stein: „Es sind viele Mitarbeiter aus vielen Fachabteilungen des Hauses an der Behandlung der Mädchen beteiligt. Das ist eine schöne Aufgabe, die uns auch als Team zusammenschweißt.“> Infos: www.friedensdorf.de

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