Endlich geht es bergauf

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Die Hartz-IV-Politik des Kreises stand neun Jahre lang unter keinem guten Stern – doch jetzt deutet sich eine Trendwende an

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07. Januar 2015, 15:07 Uhr

Der Arbeitsmarkt im Kreisgebiet zeigte sich im vergangenen Jahr robust. Diese Erkenntnis der zuständigen Agentur für Arbeit in Flensburg ist angesichts der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wenig überraschend. Unter dem Strich endete das Jahr 2014 mit einer Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent, das sind 0,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Dass dieser Rückgang allerdings allein auf das Konto des Fachdienstes Regionale Integration des Kreises geht, kann angesichts der Vorgeschichte von Pleiten, Pech und Pannen schon als faustdicke Überraschung gelten. Offenbar trägt das Umkrempeln der gesamten Hartz-IV-Verwaltung im Kreishaus endlich die Früchte, die die Politik seit Jahren erwartet.

Rückblick: Anfang 2009, als der Kreis noch vor der Frage stand, ob er die Option – das heißt die Zuständigkeit für die Betreuung Langzeitarbeitsloser in kommunaler Hand – wird fortsetzen können, erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen im Januar um 792 auf 8810. Die Arbeitslosenquote stieg von 8,6 auf 9,4 Prozent an, 5,6 Prozent gingen auf das Konto der Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Hartz IV). Ein Jahr später fiel die Entscheidung weiterzumachen, und in der Folge häuften sich die Probleme statt zügig gelöst zu werden. Die Organisationsstruktur im Fachdienst wurde immer wieder angepackt, Personal verschoben, neu eingestellt. Es wurden Konzepte geboren und wieder verworfen, doch an der Misserfolgsbilanz änderte sich wenig. Im Landesvergleich hielt der Kreis in nahezu allen Kategorien die rote Laterne in Händen.

Nur noch eine letzte Kugel war im Magazin, als die Kreispolitiker 2013 erneut eine Reformoffensive in Gang setzten – mit der klaren Erwartung einer Trendwende. Die Führungsebene im Kreishaus sowie in den Sozialzentren wurde noch einmal umstrukturiert, die Zahl der Fallmanager erhöht, drei „Werkakademien“ für die individuelle Betreuung der Klienten geschaffen und das Vermittlungsinstrument „Job Agent“ gestartet. Und langsam stellen sich die erhofften Erfolge ein.

Die Zahl der Erwerbslosen im Kreisgebiet sank im vergangenen Jahr um 576, davon 531 aus dem Rechtskreis des Sozialgesetzbuches II, also dem vom Kreis betreuten Hartz-IV-Klientel, und 45 aus dem klassischen Arbeitslosengeld-Bezug über die Agentur für Arbeit (BA). Damit waren im Kreis zum Jahrewechsel 7060 Arbeitslose registriert (6,9 Prozent). Das sind zehn Prozent weniger als vor einem Jahr, das ist gleichbedeutend mit der geringsten Arbeitslosenzahl in einem Dezember seit Einführung der Hartz-IV-Reformen 2005.

Als besonders erfreulich wertet Stephan Asmussen, Leiter des Fachdienstes Regionale Integration, die weitere Abnahme der Jugendarbeitslosigkeit (U25) auf 306 Betroffene. Das entspricht einer Reduzierung innerhalb eines Jahres um 171 oder 35,8 Prozent. Auch hier, so Asmussen, „sind das die besten Zahlen seit 2005“. Erstmals liegt der Kreis sogar unter dem Landesdurchschnitt. Trotz allem will Asmussen noch nicht von einer generellen Trendwende sprechen. „Schließlich kommen wir von einem hohen Niveau, da hatten wir durchaus noch Nachholpotenzial“, gibt er zu bedenken.

Neben den strukturellen Veränderungen zahlt sich offenbar auch aus, dass den Arbeitslosen im vergangenen Jahr mehr Freiraum für die eigene Zukunftsgestaltung gegeben wurde. Für klassische Eingliederungsleistungen standen im Jahr 2014 rund 5,7 Millionen Euro zur Verfügung. Diese wurden nicht nur für eigene Maßnahmen bei Bildungsträgern verwendet, sondern auch für sogenannte Gutscheinmaßnahmen, bei denen der Arbeitslose für das mit dem Fallmanager vereinbarte Ziel selbst die passende Maßnahme sucht. Schwerpunkte lagen in den Bereichen Metallverarbeitung, Berufskraftfahrer und Pflege. Diese Strategie soll in diesem Jahr nicht nur verfolgt, sondern auch noch intensiviert werden. „Dann“, so hofft Asmussen, „können wir vielleicht in zwei Monaten wirklich vom Turnaround sprechen.“

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