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Schleswig-Friedrichsberg : Ende eines Traditionsgeschäfts

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Immer weniger Umsätze: Inhaber Tim Arne Stöver schließt das Modehaus Postel und Diercks.

Es waren meist ältere Damen, die gestern Morgen vergeblich an der Tür von Postel & Diercks rüttelten. Das Modehaus in der Friedrichstraße hatte geschlossen, weil Inhaber Tim Arne Stöver und Ehefrau Bettina gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen alle Hände voll zu tun hatten, um sämtliche Preise radikal herunterzusetzen. Denn heute beginnt der Räumungsverkauf. Und wenn in einigen Wochen alle Waren weg sind, war’s das mit dem Traditionsgeschäft – nach 93 Jahren kommt das Aus.

„Nach zähem Ringen haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen“, sagt Tim Arne Stöver. Es habe ganz einfach die Perspektive gefehlt, erklärt der 46-Jährige, der das 1921 gegründete Familienunternehmen Postel & Diercks seit 1996 in dritter Generation führt. „Die Umsätze gingen in den letzten Jahren mehr und mehr zurück.“ Das Einkaufsverhalten der Menschen habe sich geändert, verweist er vor allem auf die immense Zunahme der Online-Shops. „Mitunter sind unsere eigenen Lieferanten zu unseren ärgsten Konkurrenten geworden, weil sie selber Online-Shops betreiben.“ Auch sei es immer schwerer geworden, gegen den Vormarsch der Filialisten sowie neue Einkaufszentren in Nachbarstädten anzukommen, so Stöver.

Für seine sechs Teilzeit-Mitarbeiterinnen versucht der Noch-Modehaus-Inhaber, neue Jobs zu finden. „Das liegt mir sehr am Herzen. Sie sind alle langjährig dabei.“ Wie es für ihn persönlich weitergeht, stehe noch nicht fest, sagt Stöver. Allerdings hat er schon vor einigen Jahren damit begonnen, sich ein zweites Standbein als Immobilienmakler aufzubauen. Für sein Haus mit den 426 Quadratmetern Werbefläche sucht Stöver eine Nachnutzung.

Reimer Witt, Vorsitzender des Friedrichsberger Bürgervereins, reagierte mit „großem Bedauern“ auf das nahende Ende von Postel & Diercks. „Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte im Friedrichsberg ist ja wirklich überschaubar. Ich hoffe auf irgendeine Nachfolge, bin aber nicht sehr optimistisch.“ Tatsächlich bricht mit Postel & Diercks ein sogenanntes Anker-Geschäft im Stadtteil weg. Schleswig-weit ist es zudem eines der wenigen verbliebenen Inhaber-geführten Bekleidungshäuser.

„Mir tut es um unsere treuen Kunden leid“, sagt Stöver. „Gerade ältere Leute werden es immer schwerer haben, einzukaufen.“ So wie die Damen, die gestern Morgen enttäuscht von dannen zogen.

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erstellt am 05.Nov.2014 | 13:00 Uhr

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