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Reiterhof : Ende einer Glücksburger Institution

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Martin Clausen gibt seinen Reiterhof zu Gunsten von Bauland und Naturschutzflächen auf – es fehlt ein Nachfolger

Glücksburg | Es ist ein traditionsreiches Stück Glücksburg, das vor seiner Umwandlung steht. Heerscharen von Kindern wurden hier mit Pferden vertraut gemacht oder zu Reitern ausgebildet. Derzeit gibt es zehn Schulpferde. Pferdeeigner haben hier aktuell 30 Tiere untergestellt. 150 Mitglieder hat der angeschlossene Reitverein. Noch bis vor sieben Jahren trafen sich viele Glücksburger beim Bier in der hauseigenen Gastwirtschaft „Zur Futterkrippe“. Das neigt sich dem Ende. Schluss, aus. Reiterhof-Chef Martin Clausen (59) stellte den Antrag, seinen Hof in Bauland umwandeln zu dürfen. Die Reithallen sollen abgerissen werden. Ein neues Wohngebiet soll entstehen.

Leicht ist Clausen die Entscheidung nicht gefallen, weil er seinen Beruf liebt und weil er wert auf Tradition legt. Vor 40 Jahren hatte er den Hof von seinem Vater übernommen, vorher eine Ausbildung zum Reitlehrer bei den Reitlegenden Josef Neckermann und Arndt Wiebus gemacht. „Mein Vater war schwer in Ordnung. Er hatte die Losung ausgegeben: Jedes Kind soll ungeachtet seiner finanziellen Herkunft reiten lernen können. Bei uns kostet die Reitstunden heute noch elf Euro“, sagt Martin Clausen.

Bei einem Rundgang über das hügelige Gelände und in die Reithallen, vorbei an Glaskästen mit ordentlich aufgereihten Medaillen, Fotos von Pferdeköpfen samt Namen darunter, stellt sich Martin Clausen den Tatsachen: „Ich habe keinen Nachfolger.“ Sohn und Tochter, 21 und 19 Jahre alt, streben Berufe im Gesundheitswesen an. Und die eigene Gesundheit macht teilweise nicht mehr mit.

Jahrzehntelang hat er mit Ehefrau Helga, eine ehemalige Reitschülerin, mit der er seit 37 Jahren zusammen ist, 25 Jahre davon verheiratet, den Reitstall betrieben. Wochentags Reitstunden gegeben, am Wochenende Stalldienst gemacht. Trotz zweier Angestellter ist er 13 Jahre nicht in den Urlaub gefahren. Viel Idealismus ist seiner Ansicht nach zum Führen des Reiterhofs notwendig. Den traut er niemandem zu – darum die Entscheidung gegen Verkauf oder Verpachtung des aktiven Reiterhofes.

Statt dessen der Gedanke mit dem Baugebiet, denn Martin Clausen möchte seine Familie langfristig absichern. Das, so glaubt er, wäre auch im Sinne seines Vaters gewesen. Rund sieben Hektar gehören zum Reiterhof. Drei Hektar sollen Bauland werden, der Rest für die Öko-Bilanz als Landschaftsschutzgebiet festgeschrieben werden. Martin Clausen beauftragte im Mai 2015 die Landschaftsplaner „Pro Regione“ in Flensburg und ließ sich von einem Immobilienmakler beraten. Außerdem führte er erste Gespräche mit der Stadt über die Machbarkeit seines Vorhabens. Auf der Sitzung des vergangenen Bauausschusses kam es zur ersten entscheidenden Abstimmung. Der Ausschuss stimmte einstimmig dafür, einen „vorhabenbezogenen Bauplan“ aufzustellen.

Grünes Licht für das Wohngebiet „Alter Reiterhof“. Es ist „das letzte schöne Bauland in Glücksburg“, findet Martin Clausen, der hier auch selbst bauen möchte. Es liegt äußerst ruhig am Ende des Ruhetaler Wegs, unmittelbar am Mühlenteich. Auf dem gegenüberliegenden Ufer sieht man die gelbe Villa von Marco Hahn.

Clausen möchte den Charme der Natur in großem Maß erhalten: Ein Uferstreifen von 50 Metern und der Wanderweg bleiben. Die grünen Randzonen des Bauplanes werden ausschließlich als Gartenland genutzt. Die Grundstücke sollen großzügige 800 bis 1000 Quadratmeter haben. „Ich möchte nicht das Maximum rausholen“, erklärt er. „Ich will es schön haben.“ Im Südwesten der geplanten Baufläche ist eine Anlage mit Mietwohnungen angedacht. Dafür sieht Clausen aktuell eine große Nachfrage. 

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