Nach 40 Jahren im Friedrichsberg : Emotionaler Abschied

Ein letztes Mal als Pastor in der Dreifaltigkeitskirche: Norbert Wilckens.
Ein letztes Mal als Pastor in der Dreifaltigkeitskirche: Norbert Wilckens.

Pastor Norbert Wilckens wurde gestern offiziell in den Ruhestand entlassen.

shz.de von
28. Mai 2018, 07:00 Uhr

Es war ein herzlicher Abschied für Pastor Norbert Wilckens. Viele Menschen kamen gestern Nachmittag, um seinen letzten Gottesdienst vor dem Ruhestand zu erleben. Schon vor Beginn versammelten sich zahlreiche Friedrichsberger in Gruppen vor der Dreifaltigkeitskirche. Es war für die meisten ein besonderer und auch ein wehmütiger Tag. Denn mit Wilckens ging nach vier Jahrzehnten im Amt nicht nur ein Pastor, sondern auch ein echter Friedrichsberger, der mit seiner Gemeinde und dem Stadtteil eng verbunden ist. Sein Weggang sei eine Zäsur, war in Gesprächen zu hören.

In seiner Predigt sprach Wilckens von „der guten Stube vom Friedrichsberg“, als die er die Dreifaltigkeitskirche immer wahrgenommen habe. Es sei eine echte Bürgerkirche, geschmückt und ausgeschmückt von den Friedrichsbergern. Alle Gegenstände bis hin zum Altar seien als Spende gekommen. Wilckens erinnerte an die zahlreichen gemeinsamen Feierlichkeiten an diesem Ort, den so viele Menschen mitgestaltet hätten. Schließlich machte er noch einmal deutlich, welche Symbolik die Dreifaltigkeitskirche für ihn hat. „Der Glaube ist die gute Stube eines jeden Menschen“, sagte Wilckens.

Pröpstin Johanna Lenz-Aude sprach in ihrem Grußwort Wilckens und seine Familie direkt an. „Für viele ist die Kirche im Friedrichsberg nur mit dir zu denken“, sagte sie. Selbstverständlich bedeute der Abschied aber auch Raum für Neues in der Gemeinde und neue Freiheit für Wilckens und seine Familie. Wilckens habe die Arbeit in der Kirche genutzt, um „Menschen zu begleiten und ihr Leben mit Gottes Plan zu verbinden“, sagte Lenz-Aude. Für den Pastor sei die Kirche niemals ohne starke Diakonie denkbar gewesen. So habe er eine liebevolle und gastfreundliche Kirche gestaltet, in der die Inklusion aller Menschen selbstverständlich gewesen sei.

Ganz persönlichen Dank sprach Lenz-Aude Wilckens dafür aus, dass er ihr in den vergangenen Jahren auch als kritischer und freundschaftlicher Berater zur Seite gestanden habe. „Gemeinsam haben wir schon manche knifflige Situation gemeistert“, erinnerte sich Lenz-Aude. So war es dann auch ein sehr emotionaler Moment, als sie schließlich die offizielle Entpflichtung von Wilckens vornahm. Dem formellen Ritual folgte eine innige Umarmung und auch viele Mitglieder der Gemeinde waren sichtlich gerührt.

Wilckens, der bereits umgezogen ist, will zukünftig mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und sich dem Studium der Kunst- und Kulturgeschichte widmen.

Im Gemeindehaus gab es nach dem Gottesdienst noch einen offiziellen Empfang. Viele der gut 400 erschienenen Friedrichsberger nutzten nach dem Gottesdienst die Möglichkeit, sich persönlich von ihrem Pastor zu verabschieden.

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