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Süderbrarup : Eltern zwischen Stress und Auszeit

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Projekt „Wellcome“ unterstützt Familien mit Neugeborenen und Belastungen wie Mehrlingsgeburten. Mareike Kipping aus Süderbrarup, Mutter von drei Kleinkindern, ist froh, dass Wencke Borngräber ihr ein- bis zweimal in der Woche unter die Arme greift.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 07:45 Uhr

Wenn man das Haus der Familie Kipping in Süderbrarup betritt, kann man nicht übersehen, dass hier Kleinkinder zuhause sind. Treppenaufgang und Ofen sind mit Gittern abgesperrt. Vom Laufstall aus verteilt sich buntes Spielzeug im ganzen Erdgeschoss. Zerbrechliche Dinge sind bereits in höhere Positionen verlagert. Die Zwillinge Kim und Lino, die gerade ihren ersten Geburtstag gefeiert haben, krabbeln mit mäßiger Geschwindigkeit aber großer Neugier heran. Ihr dreijähriger, große Bruder Jack hält sich zunächst noch im Hintergrund. Was in der Szenerie jedoch eindeutig fehlt, ist die genervte Mutter. Denn Mareike Kipping (25) ist alles andere als genervt. Sie strahlt die Ruhe und Gelassenheit aus, die man benötigt, um Kindern das zu geben, was sie brauchen, und sie von dem abzuhalten, was ihnen selbst oder anderen schaden könnte.

Diese Gemütsverfassung ist unter anderem auf das Projekt „Wellcome“ zurückzuführen. Es gehört zur Familienhilfe und ist im Fall der Familie Kipping bei der Familienbildungsstätte Kappeln angesiedelt. „Wellcome hilft Familien mit Neugeborenen, die sich subjektiv hilfebedürftig fühlen und besondere Belastungen – wie Mehrlingsgeburten – haben, jedoch keinen Anspruch auf weitere Hilfe besitzen“, erklärt Teamleiterin Antje Schümann.

Ein bis zwei Mal pro Woche komme eine ehrenamtliche Helferin in die Familie, leiste praktische Hilfe, höre zu und vermittle Sicherheit. „Wellcome ist aber kein Ersatz für Hebammen oder andere Fachkräfte, keine Vermittlung von Haushaltshilfen oder Reinigungskräften und kein Notruf“, betont Schümann ausdrücklich. Zudem erfolge eine Aufwandsentschädigung für die ehrenamtliche Hilfe, die sich je nach den Möglichkeiten der Familie richte.

Bei Familie Kipping heißt der gute Engel Wencke Borngräber. „Anfangs haben wir nur gemeinsam mit den Kindern gespielt“, erinnert sie sich. Dann habe sie mal mit dem Großen und mal mit den Kleinen im Wagen Spaziergänge gemacht. Und sonst habe sie einfach nur ausgeholfen, um Mutter Mareike Kipping zu entlasten.

Wellcome-Koordinatorin Antje Gloge betont, dass ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gut ausgesucht sind und sogar ein erweitertes Führungszeugnis bei der Bewerbung erbringen müssen. An Anwärtern für diese Stellen mangele es nicht. Was fehle, seien Familien, die solche Hilfe anfordern. „Das liegt zum einen am geringen Bekanntheitsgrad unseres Projekts“, erklärt Gloge. Bedürftige Familien würden frühestens beim Kinderarzt davon erfahren. Außerdem trauten sich hilfsbedürftige Familien nicht, „Wellcome“ anzufordern, da es ihnen das Image eines Sozialhilfeempfängers anhänge. Doch gelte das Angebot für alle Gesellschaftsschichten. „Es wird so viel von den Frauen erwartet, die einen Beruf ausüben, dass sie saubere und gesunde Kinder haben und das Haus in Ordnung halten“, klärt Gloge über die Bandbreite an Verpflichtungen für junge Mütter auf.

„Ich hätte das Ganze vermutlich auch alleine geschafft“, fasst Mareike Kipping ihre Erfahrung zusammen. Aber durch „Wellcome“ habe sie auch mal eine Auszeit, Zeit für sich allein.

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