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Kapazitätsgrenze an der Domschule Schleswig : Eltern ziehen jetzt vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Trotz freier Räume an der Domschule: Der Schulausschuss lehnt den CDU-Antrag ab, alle angemeldeten Kinder aufzunehmen.

von
erstellt am 14.Apr.2016 | 12:36 Uhr

schleswig | Am Ende der Sondersitzung verstanden die Eltern der abgewiesenen Domschulkinder die Welt nicht mehr. „Wir werden jetzt den Klageweg beschreiten“, sagten Dirk Asmussen aus Fahrdorf, Nicole Wegner und Heiko Jessen aus Langstedt sowie Hauke Eichner aus Schaalby gegenüber den SN. Denn gerade noch hatten sie am Mittwochnachmittag im Rathaus mit verfolgt, wie Domschulleiter Georg Reußner vor den Schulausschussmitgliedern die Rechnung aufmachte und erklärte: Ja, es gebe noch genügend freie Raumkapazitäten an seinem Gymnasium, um im kommenden Schuljahr fünfzügig starten zu können. Das bedeutet, dass die abgewiesenen Fünftklässler theoretisch doch wunschgemäß die Domschule besuchen könnten.

Die Hauptredner in der Debatte gestern: Holger Ley und Susi Ross von der CDU.
Die Hauptredner in der Debatte gestern: Holger Ley und Susi Ross von der CDU.

Und obwohl Holger Ley und Susi Ross von der CDU-Fraktion immer wieder auf die gesetzlich garantierte „freie Schulwahl“ hinwiesen, die zu gelten habe, wenn die räumliche Situation es zulasse, gab es auf der Gegenseite eine Liga aus Bürgermeister, SPD, SSW und Grünen. Die beharrte geschlossen darauf, keinen Deut von den einst im Schulausschuss festgelegten Kapazitätsgrenzen für die Schulen abweichen zu wollen – „wegen des Schulfriedens in der Stadt“, wie es hieß. Die Domschule darf nicht mehr als 116 Fünftklässler aufnehmen. Als dann schließlich der CDU-Antrag abgelehnt wurde, mit dem allen 26 abgewiesenen Kindern die Möglichkeit gegeben werden sollte, den G9-Weg an der Domschule zu gehen, standen etliche Eltern empört auf und gingen. „Das werden wir so nicht hinnehmen“, kündigte Dirk Asmussen an. Die zweistündige Debatte unter Leitung von Marion Callsen-Mumm (SPD) verlief stark CDU-lastig. Denn weder von SPD-Fraktionschef Stephan Dose noch von Harry Heide (SSW) oder von Dorothee Tams (Grüne) kam eine Meinungsäußerung zum Thema. Ein Großteil der betroffenen Eltern und sogar einige der abgewiesenen Fünftklässler saßen ihnen während der Sitzung im Rücken, auf den Zuhörerstühlen. Sönke Duncker erhielt als Vertreter der Lornsenschule Gelegenheit, die Sicht seiner Schule darzustellen. Dabei forderte er Verlässlichkeit ein, „damit wir rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres planen können“.

Im Schulausschuss: Sönke Duncker (stellvertretender Lornsenschulleiter) und Domschuldirektor Georg Reußner (v.li.).
Im Schulausschuss: Sönke Duncker (stellvertretender Lornsenschulleiter) und Domschuldirektor Georg Reußner (v.li.).
 

Susi Ross wiederholte mehrfach, dass es nicht darum gehe, G8 oder G9 zu bewerten oder einen Weg zu bevorzugen. „So wie viele Eltern und ihre Kinder gern zur Lornsenschule zu G8 wollen oder auch zur Gemeinschaftsschule, wollen diese Eltern eben ihr Kind gern auf der Domschule sehen, weil es neun Jahre Zeit bis zum Abitur hat.“ G8 und G9 seien eben komplett unterschiedliche Systeme, und so hätten auch beide Schulen unterschiedliche Profile anzubieten. Aber weder das eine noch das andere sei schlechter, sagte Ross. „Die Entscheidung liegt bei den Eltern und ihren Kindern. Und warum soll man es nicht möglich machen, eine zusätzliche Klasse für Domschul-Kinder einzurichten, wenn sie vorhanden ist“, sagte sie. Holger Ley betonte, es gehe der CDU gar nicht um die Kapazitätsgrenzen. „Da hat sich sowieso einiges überholt. Die sind 2013/2014 festgelegt worden, inzwischen wurde aber die Schulart-Empfehlung abgeschafft, Zensuren teilweise auch, und die freie Schulwahl gibt es ebenso.“ Außerdem habe zu dem Zeitpunkt damals noch nicht der neue Fachtrakt für die Domschule zur Verfügung gestanden. Nach seinen Informationen seien, wie Ley sagte, „in der Domschule mindestens drei Klassenräume fürs nächste Schuljahr leer“. Robert Kischkat, der Mann für Schulangelegenheiten im Rathaus, entgegnete: „Die freie Schulwahl hört aber an der Grenze der Kapazitäten auf.“ Zuvor hatte Domschuldirektor Georg Reußner die Raumsituation an seiner Schule eingehend geschildert und klargestellt: „Wir fühlen uns alle in der jetzigen Lage sehr wohl mit dem, was wir haben. Auf keinen Fall verfolgen wir irgendwelche Expansionsgelüste.“ Als Reußner dann die Raumfrage detailliert auflistete und zu dem Schluss kam, dass Klassenräume für dieses Schuljahr vorhanden seien, reagierte Bürgermeister Arthur Christiansen unerwartet scharf mit folgendem Satz: „Ich muss Ihnen formal widersprechen: Sie haben keinen Klassenraum frei.“ Es folgte ein Hin und Her, was nun in welcher Quadratmeterzahl als Klassenraum oder was nur als Gruppenraum zu gelten hat.

 

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