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Schulkonzert im Schleswiger Dom : Ellingtons grandiose Kirchenmusik

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Oberstufenchor der Lornsenschule begeistert mit dem „Sacred Concert“ das Publikum im Schleswiger Dom.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 07:05 Uhr

Geistliche Musik aus der Feder eines legendären Jazzkomponisten. Das gibt es wirklich! Der Amerikaner Duke Ellington (1899-1974) schrieb in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gleich drei „Sacred Concerts“. Der Berühmtheit ihres Schöpfers zum Trotz ist sein frommes Werk allerdings in klassischen Konzertsälen und Kirchen äußerst selten zu hören. Dies mag daran liegen, dass Jazz hier wie dort immer noch mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen hat. Dabei ist Ellingtons Musik von einer faszinierenden Klang- und Stilvielfalt, in der sich europäische Chortradition und US-amerikanischer Bigbandswing zu einer großartigen Symbiose vereinigen. Ein wie in kaleidoskopischen Farben glitzerndes Stück Musik.


Schon der Auftritt in Köln war umjubelt


Der Oberstufenchor der Lornsenschule hat sich unter der Leitung von Musiklehrerin Wiebke Bauer an eine Zusammenstellung aus allen drei „Sacred Concerts“ getraut; gemeinsam mit dem renommierten Konzertchor Köln und seinem Dirigenten Jonas Pinto sowie der „Phoenix Foundation“, der Jugend-Bigband des Landes Rheinland-Pfalz unter Leitung von Frank Reichert. Nach einem umjubelten Konzert in der Kölner Philharmonie konnten sich jetzt am Montagabend auch über 600 Zuhörer im Schleswiger Dom davon überzeugen, wie großartig Ellingtons Kirchenmusik ist.

Großartig war aber auch die Ausführung durch das vielköpfige Ensemble. Wiebke Bauer und Jonas Pinto war es bestens gelungen, ihre beiden Chöre zu einem homogenen, rhythmisch präzisem und äußerst schlagkräftigem Ganzen zu verschmelzen. Da gelangen stimmgewaltige Nummern wie das Intro „Praise God“ oder „To be contended“, in denen sich die gut 70 Sängerinnen und Sänger gegen die kraftvoll aufspielende Bigband durchsetzen mussten, absolut überzeugend. Der synkopenreiche und für klassisch ausgebildete Ensembles ungewohnte Swing in Nummern wie „Freedom“ kam rhythmisch stets exakt. Und in stillen Stücken wie „Freedom is a word“ oder „Almighty God“ konnten sich die Chöre wunderbar zurücknehmen.

Kurzfristig konnte für die Solopartie die junge Sopranistin Leonor Amaral gewonnen werden. Ein Glücksgriff, denn die gebürtige Portugiesin passte mit ihrer hell leuchtenden Stimme bestens zum jugendlichen Ensemble und setzte in ihren Solonummern lyrische Glanzpunkte. Ihr „Heaven“ klang wie ein Liebeslied, und das ohne Text nur mit Melismen gesungene „To good to title“ wirkte geradezu überirdisch. Dass Leonor Amaral auch das bombastische Finale „Praise God and Dance“ mit virtuosem Skatgesang bereicherte, soll nicht unerwähnt bleiben. Ebenso wenig Ulrike Neth: Die Steptänzerin faszinierte das Publikum in „David danced“ mit einer atemberaubenden, rhythmisch hoch komplexen Einlage.

Die Musiker der „Phoenix Foundation“ hatten schon vor Ellingtons Werk mit drei Standards ihr hohes Niveau unter Beweis gestellt: Druckvolles Spiel, knackige Bläsereinsätze, faszinierende Soli und eine stets sichere Rhythmusgruppe sorgten für Stimmung in der Kirche. Im „Sacred Concert“ dann bewiesen die munteren Jung-Jazzer, dass sie sich auch mal zurücknehmen können. Um so kraftvoller ließen sie es knacken, wenn Dirigentin Wiebke Bauer sie von der Leine ließ. Das Gotteslob zusammen mit Chor und Solistin im Finale dürfte also oben angekommen sein. Bei den Zuhörern sowieso: Die feierten Musiker und Sänger mit stehenden Ovationen. Ein wunderbarer Abend!

 

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