Schleswig : Elias-Oratorium im voll besetzten Dom

Die rund 100 Sänger  von Domchor und Domkantorei hielten die Spannung über zwei Stunden hinweg aufrecht.
Die rund 100 Sänger von Domchor und Domkantorei hielten die Spannung über zwei Stunden hinweg aufrecht.

Begleitet von der Kammersinfonie Bremen, gaben Domchor und Domkantorei ein umjubeltes Konzert unter der Leitung von Rainer Selle.

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19. November 2013, 18:06 Uhr

– Ein großes Ereignis lockte so viele Zuhörer in den Dom, dass fast alle Plätze besetzt waren: die Aufführung des Oratoriums „Elias“ von Felix Mendelssohn–Bartholdy (1808 bis 1847). Vor 13 Jahren, im Jahre 2000, ist dieses Werk bereits einmal im Dom erklungen. Jetzt waren andere Mitwirkende am Zuge, dieses großartige Werk darzubieten. Davor gab es Aufführungen des gleichen Oratoriums unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Karl Helmut Herrmann in den Jahren 1980 und 1992.

Domkantor Rainer Selle hatte den Domchor und die Domkantorei bestens auf diese Aufführung vorbereitet. Zum wiederholten Male war die Kammersinfonie Bremen verpflichtet worden, und die vier Solisten gaben mit ihren unterschiedlichen Interpretationen der Aufführung Farbe und Substanz. Für die erkrankte Andrea Bogner in der Sopranpartie war kurzfristig Susanna Martin aus Köln eingesprungen. Vor allem ist dem großen, fast 100-köpfigen Chor hohes Lob auszusprechen: Er konnte bis zum Ende der zweistündigen Aufführung die Spannung durchhalten. Eine deutliche Aussprache und interpretatorische Differenzierungen zeichneten die Darbietung aus.

Hochdramatisch waren die Rufe zum Gott Baal und die Stelle „Das Feuer fiel herab“. Eine große Geschlossenheit zeichnete die Wiedergabe durch den Chor aus – nur der Augenkontakt zum Dirigenten war bei manchen Sängerinnen und Sängern nicht optimal.

Von den Gesangssolisten hatte der Bassist Maximilian Lika den wichtigsten und umfangreichsten Part übernommen, nämlich die Rolle des Propheten Elias. Mit voluminöser Stimme beeindruckte er schon zu Anfang die Zuhörer. Er lieferte großartige Interpretationen des Textes und war gestalterisch, künstlerisch und insgesamt stimmlich hervorragend. Lika brachte das Kunststück fertig, auch im Pianissimo noch den Dom zu füllen. Die Sopranistin Susanna Martin hat eine klangvolle Stimme, mit der sie ihre Passagen ausgezeichnet bewältigen konnte. Sie benutzt eine deutliche Aussprache und führt eine dramatische Interpretation. Auch ihre Stimme, die in der Höhe gelegentlich etwas scharf wirkte, konnte den Dom bis zum letzten Platz füllen.

Eine warme, weiche Alt-Stimme besitzt Anne-Beke Sontag. Ausdrucksstark gestaltete sie den Text, sauber und sicher brachte die Künstlerin die dramatischen und lyrischen Passagen – sie gelangen hervorragend. Auch ihre Stimme war bis in die letzten Reihen deutlich zu vernehmen.

Jin-Hak Mok, festes Ensemblemitglied des Landestheaters, hat eine strahlende, metallene Tenor-Stimme, die sich der Akustik des Domes bestens anpasste. Tief bewegend gelangen ihm seine Passagen, so zum Beispiel „So ihr mich von ganzem Herzen suchet“ und „Ihr werdet leuchten wie die Sonne“.
Die Stimme des „Knaben“ war der jungen Sopranistin Dorothea Cornelius anvertraut worden; sie sang sicher und ausgesprochen klangschön von der Kanzel aus – eine passende Position!
Das Orchester musizierte sauber, sicher, sehr exakt und einfühlsam – gelegentlich deckte der Orchesterklang den Chorgesang zu. Domkantor Rainer Seller leitete den großen Apparat mit sicherer Hand – ihm gelang eine hervorragende Aufführung, die mit minutenlangem Beifall bedacht wurde.

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