Kreis Schleswig-Flensburg : Elias kann dank neuer Lunge wieder spielen

Endlich kann der zehnjährige Elias (links) wieder mit seinem Bruder Simeon spielen, ohne dass Sauerstoffschläuche ihn behindern.  Foto: Hamisch
Endlich kann der zehnjährige Elias (links) wieder mit seinem Bruder Simeon spielen, ohne dass Sauerstoffschläuche ihn behindern. Foto: Hamisch

Für Familie Taube aus Loit-Muschau im Kreis Schleswig-Flensburg war es ein glückliches Weihnachtsfest: Der zehnjährige Elias erhielt eine Spenderlunge.

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02. Januar 2013, 05:20 Uhr

Loit | Familie Taube war einfach nur glücklich an diesem Weihnachten in ihrem Haus in Loit-Muschau. "Ein Weihnachten ohne Sorgen", stellte Monja Taube fest. Elias, der zehnjährige Sohn, konnte mit ihr, mit seinen Brüdern Kilian und Simeon sowie Vater Frank gemeinsam Weihnachten feiern. Elias freute sich mit seinen Geschwistern über die Weihnachtsgeschenke, konnte endlich wieder einmal unbeschwert sein.
Das war vor einem Jahr noch völlig anders. Eine lange Schlauchleitung zog sich durch Flur und Räume der Familie Taube. An einem Ende war ein Sauerstoffgerät angebracht und das andere Ende des Schlauches führte Elias Sauerstoff durch die Nase zu. Aus dem Kinderzimmer war ein Krankenzimmer geworden. Neben Sauerstoffflaschen standen ein Beatmungsgerät, Medikamente und weitere Utensilien, um Elias am Leben zu erhalten.

Es fing an mit einer Grippe

Vor zwei Jahren hatte es angefangen. Elias, ein kerngesunder Junge, der es liebte draußen zu spielen, mit seinem Fahrrad zum Freibad in Süderbrarup zu fahren, wurde krank. Die eigentlich harmlose Grippe entwickelte sich für das Kind zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung der Atemwege. Von Tag zu Tag bekam Elias schlechter Luft. Weltweit wurde über die Uni Kiel in ärztlichen Foren nach ähnlichen Krankheitsverläufen gefahndet. Aus England schließlich gab es Klarheit: Elias litt unter einer Broncholitis Obliteranus. Die Symptome konnten gelindert werden, aber die Lunge wurde irreparabel geschädigt, sein Lungenvolumen sank auf zwölf Prozent. Elias benötigte ein Ersatzorgan.
Den Januar und Februar verbrachte der Junge in der Uni-Klinik Kiel. Als sich sein Zustand stabilisiert hatte, durfte er nach Hause, musste aber weiter Sauerstoff zugeführt bekommen. Durch intensive krankengymnastische Behandlung, Physiotherapie, medikamentöse Versorgung und viel Willenskraft konnte Elias seine Situation stabil halten - immer in der Hoffnung, dass bald der Anruf der Medizinischen Hochschule aus Hannover eintreffe mit der Botschaft, dass eine Ersatzlunge gefunden sei.

Warten auf die neue Lunge

Doch die Zeit ging dahin. Eine Zeit voller Angst, denn immer wieder verschlechterte sich der Zustand von Elias. Der damals Neunjährige fing an zu zweifeln. Tag und Nacht ging der bange Blick zum Telefon. Rief jemand an, zunächst die Frage: "Ist das die Uniklinik?" Familie Taube schaffte sich ein zweites Telefon an, dessen Nummer nur die Klinik kannte. "Ich hatte manchmal das Gefühl wahnsinnig zu werden", erinnert sich Monja Taube an die qualvollen Wochen und Monate. Unterstützung gab es von der Familie, Freunden und Bekannten, aber auch von vielen Unbekannten, die der Familie mit Tankgutscheinen und Spenden halfen, die trösteten.
Ende April meldet sich gegen 2 Uhr in der Nacht die Klinik. "Wir haben ein Organ für Elias, wollen Sie es annehmen?" Die Antwort kam sofort: "Ja!" Doch eine halbe Stunde später der Schock. Die Spenderlunge war infiziert, für Elias nicht zu gebrauchen. "Wir waren völlig fertig", erinnert sich Elias Mutter.

Im Krankenwagen nach Hannover

Am 8. September, kurz nach Mitternacht, klingelte das Ernstfall-Telefon erneut. Für Elias stand ein Ersatzorgan bereit. Bis acht Uhr musste Elias in Hannover in der Medizinischen Hochschule sein. Alles, was im Kopf bereits oft durchdacht worden war, begann nun beinahe automatisch abzulaufen. Die Großeltern Ingrid und Hartmut Altmann kamen ins Haus, um die beiden Jungs zu versorgen. Ein Krankenwagen brachte Elias und seine Eltern nach Hannover.
Zunächst die Aufregung. Dann kroch die Angst langsam hoch. Wird Elias den schweren Eingriff überleben? Nur gut, dass Elias in den Monaten vor dem entscheidenden Eingriff durch ärztliche Kunst und die Therapeuten so fit war, dass er sofort operiert werden konnte. Acht lange Stunden, acht Stunden Angst um das Kind. Immer wieder kam eine Ärztin aus dem Operationssaal und konnte beruhigen. "Es läuft alles gut, Elias ist stabil." Abends um halb neun fielen sich die Eltern mit Tränen in den Augen in die Arme. Die Operation war erfolgreich verlaufen.

Elias wird schnell gesund

Das neue Organ begann zu arbeiten, Elias Körper mit Sauerstoff zu versorgen. 24 Stunden weiter wurde Elias geweckt und vorsichtig der Sauerstoffschlauch entfernt. Elias atmete alleine, das Organ funktionierte. Woher die Ersatzlunge stammt, wissen die Eltern und Elias nicht, nur, dass sie einen weiten Weg hatte, um Elias Sauerstoff zu spenden. Nach drei Wochen kehrte Elias nach Loit-Muschau zurück, vom ganzen Dorf begrüßt, Fahnen schmückten die Straßen.
Elias’ behandelnden Ärzte waren überrascht über die schnelle Genesung. Heute ist das Kinderzimmer des Jungen wieder ein Kinderzimmer - und kein Krankenzimmer mehr. Im Haus spielt der Junge wieder mit seinen Geschwistern und geht auch schon wieder an die frische Luft. Dennoch, die Krankheit wird ihn ein Leben lang begleiten. Mehr als 20 Tabletten muss er täglich schlucken. Aber das ist alles nichts gegen die Zeit davor, gegen die Angst, nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten zu können. Familie Taube ist dankbar, den Ärzten, die ihren Sohn gerettet haben, den Menschen im Dorf, die sie unterstützten, dem Arbeitgeber von Frank Taubes und den vielen ungenannten Menschen, die selbstlos halfen. "Ja, es war eine schwere Zeit", sagt Monika Traube, "aber sie hat uns stärker gemacht, die Familie noch enger zusammen geschweißt".

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