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Bürgermeisterwahl in Glücksburg : Eklat bei der Kandidaten-Vorstellung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Björn Goos fühlt sich von einem CDU-Mitglied verunglimpft und blieb der Veranstaltung in der Rudehalle fern – auch Kristina Franke ging

Mit einem völlig unerwarteten Paukenschlag begann die Vorstellung der Kandidaten für das Amt des hauptamtlichen Glücksburger Bürgermeisters. Auf dem Podium in der Rudehalle fehlte Björn Goos, der einzige männliche Bewerber. Die Erklärung lieferte sein Schreiben, das Dagmar Jonas, noch amtierende ehrenamtliche Bürgermeisterin und Moderatorin des Abends, verlas. Darin teilte Goos mit, dass er zivil- und strafrechtliche Schritte gegen ein CDU-Mitglied eingeleitet habe, das in Glücksburg eine öffentliche Schmutzkampagne gegen ihn fahre, die „die Grenzen des Zulässigen und Hinnehmbaren“ deutlich überschreite. Vor dem Hintergrund des laufenden Verfahrens werde er nicht mehr an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen, auch wenn er an seiner Kandidatur festhalte. Auch werde er freitags und sonnabends ab 10 Uhr an seinem Info-Stand auf dem Schinderdam anzutreffen sein.

Im Wahlkampf könne und solle hart in der Sache gefochten werden, ließ Goos mitteilen. Auch eine gewisse Polemik gehöre zum Wahlkampf und sei keineswegs unüblich. Das nicht näher genannte CDU-Mitglied jedoch verbreite über ihn Unwahrheiten und Gerüchte, die „unter die Gürtellinie“ gingen, seine Integrität in Frage stellten und Erinnerungen an den äußerst unschönen Bürgermeister-Wahlkampf 2001 hervorriefen. Der Kriminalpolizist und Diplomverwaltungswirt spricht von „absurden Behauptungen, die Straftaten darstellen“, konkretisiert diese jedoch nicht.

Später von Jonas dazu aufgefordert, erklärte der Glücksburger CDU-Vorsitzende Timo Petersen, er verurteile abfällige Äußerungen über einen Kandidaten und habe weder Kenntnis hinsichtlich der Geschehnisse noch der Person. Vom Publikum kamen daraufhin einzelne Pfiffe. Aus dem Kreis der Zuhörer teilte dann Marcus Dechange, Vorsitzender der SSW-Fraktion in der Stadtvertretung, mit, auch ihm sei nichts bekannt. Nach der Veranstaltung räumte Michael Schulz, SPD-Vorsitzender, ein, er kenne die Person und wisse auch von dessen Äußerungen. Dazu werde er allerdings wegen des laufenden Verfahrens keine Aussage machen.

Durch diesen Eklat lief der geplante Ablauf der Kandidatenvorstellung vollkommen aus dem Ruder. Die von der CDU unterstützte Kandidatin Kristina Franke setzte dann noch eins drauf: Sie hatte sich als zweite Kandidatin kurz vorgestellt, erklärte sich dann aber mit Goos solidarisch und verließ unter großem Beifall die Halle. Zuvor hatte sie ihre Unzufriedenheit an einigen Zuständen in Glücksburg geäußert, insbesondere am Weihnachtsmarkt. Zudem hatte sie hinhaltende oder ausbleibende Reaktionen der Stadt bei Anfragen sowie eine mangelnde Gesprächskultur in den städtischen Gremien bemängelt. Sie möchte für den Fall ihrer Wahl die Freude am Gestalten wecken und eine neue Vertrauenskultur einführen.

Zunächst hatte sich die Flensburger Rechtsanwältin und Mediatorin Simone Kuhlmann vorgestellt. Ihr Ziel ist es, den städtischen Haushalt zu sanieren, die Therme auf gesunde wirtschaftliche Füße zu stellen, für mehr Zuzug zu sorgen und die Jugendarbeit zu fördern. Als jemand, der von außen kommt, wolle sie neue Sichtweisen einbringen.

Die dritte Kandidatin Sussi-Anne Ruppert verwies auf viele Jahre Verwaltungserfahrung. In Glücksburg aufgewachsen, kenne sie die Stadt von innen und außen. Die intransparenten, verkrusteten Strukturen gehörten auf den Prüfstand. Betätigungsfelder sieht sie beim Leerstand im Zentrum und am Strand sowie bei Infrastruktur und Nahversorgung. Auch die Verwaltungsgemeinschaft mit Flensburg gehöre auf den Prüfstand.

Angesprochen auf den Ablauf des Abends, sahen Kuhlmann und Ruppert keine Nachteile für sich, bedauerten aber die anwesenden Bürger. Ihnen und ihrem Informationsbedürfnis gegenüber empfanden sie die Abwesenheit ihrer Mitbewerber als „respektlos“. Den Vorschlag aus dem Publikum, die Vorstellung zu wiederholen, dann aber mit allen vier Kandidaten, will Jonas aufgreifen und hat dafür den 19. September ins Auge gefasst.

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erstellt am 13.Sep.2013 | 07:00 Uhr

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