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Bürgermeister Thorsten Dahl : Einzelkämpfer mit einem dickem Fell

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Nachrichten porträtierten die fünf Schleswiger Bürgermeister-Kandidaten. In Teil 2 der Serie geht es um Amtsinhaber Thorsten Dahl.

von
erstellt am 11.Sep.2013 | 17:45 Uhr

Der Bürgermeister wohnt nicht in seiner Stadt. Das Häuschen, in dem Thorsten Dahl zu Hause ist, steht ungefähr einen halben Kilometer außerhalb der Stadtgrenzen an einem schmalen, von Knicks umsäumten Weg im Außenbereich von Dannewerk. Dort treffen wir ihn an einem der letzten Spätsommerabende des Jahres. Er hat gerade seinen Aufsitzrasenmäher zurück in den Schuppen gefahren. Der Schuppen – das ist sein Stück Stadt, das er sich in den Garten geholt hat. Eine alte Festbude der Interessengemeinschaft Ladenstraße (IGL). Auf die Bretter ist die Fassade eines Hauses auf dem Holm gemalt. Dahl ersteigerte sich das Stück vor mehr als zehn Jahren.

Am anderen Ende des frisch gemähten Rasens, auf der Terrasse, stehen ein paar Wahlplakate, die er noch nicht aufgestellt hat. Auf ihnen ist er auf dem Dach des Schlei-Centers zu sehen – im Hintergrund das Verwaltungsgebäude der VR-Bank. „Das Gelände war eine Brache, als ich vor zwölf Jahren Bürgermeister wurde.“ Das neue Bankgebäude, der Supermarkt und das Spielzeuggeschäft. „Das hab ich damals mit angeschoben.“

Das Foto hat seine Lebensgefährtin Karen Matthiesen gemacht. Sie ist seine einzige Wahlkampfhelferin. Die Druckkosten für Plakate und Infomaterial, die hölzernen Plakatständer – Dahl zahlt alles aus eigener Tasche. 5300 Euro koste ihn der Wahlkampf, sagt er. Wie schon 2001 und 2007 unterstützt ihn keine der im Rat vertretenen Parteien. Diesmal jedoch sei der Wahlkampf „noch intensiver“, was vor allem daran liege, dass es statt drei Kandidaten fünf gibt. Dass dabei seine Gegner seine Amtsführung kritisieren, das ist er gewohnt. „Für den Job braucht man ein dickes Fell“, sagt er. „Ich persönlich habe ein sehr gutes Verhältnis zu allen Mitgliedern der Ratsversammlung.“ Dabei ging es in den vergangenen Jahren oft hoch her in den Sitzungen im Rathaus. Wenn er sich über einen Angriff aus der Politik ärgert – oder auch über einen Zeitungsartikel – dann schreibt er seine eigene Sicht der Dinge in seinen privaten Internet-Blog. Danach ist die Sache meist erledigt.

Schafft er es ein drittes Mal, sich in der Direktwahl gegen das gesamte politische Establishment der Stadt durchzusetzen? Dahl ist zuversichtlich, aber keineswegs siegesgewiss. „Wenn ich gewinne, werde ich noch mal einen Zahn zulegen“, verspricht er. Aber er hat sich auch Gedanken darüber gemacht, was er tut, wenn er im Januar sein Büro im Rathaus räumen muss. Die Pension, die er dann erhielte, sei nicht so üppig, dass er sich auf die faule Haut legen könnte. Außerdem: „Hobbys habe ich eigentlich nicht. Wir kochen auch nicht – außer wenn am Wochenende die Kinder da sind.“

Zuletzt hat er viel Freizeit damit verbracht, sein 70 Jahre altes Haus zu renovieren, das seiner Familie seit Generationen gehört. Zwei Rollen Dämmmaterial liegen noch zwischen den Wahlplakaten und der Hollywoodschaukel auf der Terrasse. Und das Dannewerker Dorfleben? „Daran nehme ich eigentlich überhaupt nicht teil,“ sagt Dahl. „Wir gehen zum Osterfeuer, wendet Karen Matthiesen ein. „Aber“, betont Dahl, „hinterher fahren wir weiter zum Schleswiger Feuer.“

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