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Kultur-Tafel in Schleswig : Eintrittskarten für Bedürftige

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kostenlos ins Kino, Konzert oder Theater: Eine Gruppe Schleswiger Bürger plant eine Art Tafel für Kultur-Angebote.

Die Schleswiger Lebensmitteltafel existiert inzwischen seit 17 Jahren. Bundesweit gibt es nahezu 1000 ähnliche Tafeln für Menschen, die wenig Geld haben. Wenn es jedoch um geistige Nahrung geht, dann sind die Angebote rar. In Schleswig gibt es jetzt gleich mehrere Initiativen, die das ändern wollen.

Den Anfang machte Mario Hoff von der „Heimat“ auf der Freiheit. Seit dem vergangenen Dezember gibt er über die Suppenküche im Jugendzentrum Eintrittskarten für ausgewählte Veranstaltungen zum extrem rabattierten Preis von fünf Euro aus. Parallel dazu arbeitet die SPD-Ratsfraktion an der Idee für einen Sozialtarif, also günstige Eintrittspreise für Kulturveranstaltungen in der Stadt. „Wir können uns vorstellen, dass das Landestheater zum Beispiel für Aufführungen, die ohnehin nicht ausverkauft sind, Restkarten verbilligt ausgibt“, sagt der Fraktionsvorsitzende Stephan Dose.

Am ehrgeizigsten aber ist das, was sich eine fünfköpfige Gruppe aus dem Kreis der „Seniortrainer“ vorgenommen hat, die sich regelmäßig im Rathaus treffen und auf den verschiedensten Ebenen in der Stadt ihren reichhaltigen Erfahrungsschatz ehrenamtlich einbringen möchten. Ihr Konzept trägt den Arbeitstitel „kulturelle Teilhabe“. „Wir suchen noch nach einem griffigeren Namen“, sagt Gruppensprecherin Beate Schummann. Ihr Ziel ist es, möglichst alle Schleswiger Kulturveranstalter zum Mitmachen zu bewegen. „Und es gibt viel mehr Veranstalter, als wir am Anfang dachten“, sagt Schummann. Sie hat bereits eine Liste mit 61 Adressen. Noch sind längst nicht alle kontaktiert. Aber diejenigen, mit denen Beate Schummann und ihre Mitstreiter gesprochen haben, reagierten aufgeschlossen. Erst vor wenigen Tagen zum Beispiel meldete sich Gruppen-Mitglied Christa Jochims beim Capitol-Filmpalast – und stieß auf offene Ohren. „Das hatten wir gar nicht unbedingt erwartet“, sagt sie. „In anderen Städten, wo es solche Angebote bereits gibt, machen die Kinos oft nicht mit.“

Besonders viele Vorbilder gibt es ohnehin noch nicht. 28 sind es in ganz Deutschland. In Schleswig-Holstein wäre Schleswig nach Neumünster erst die zweite Stadt mit einer Kultur-Tafel. Im Sommer soll es losgehen. Die Gruppe möchte dann eine regelmäßige Sprechstunde in der Stadtbücherei anbieten.

Noch haben die Initiatoren nicht mit möglichen Interessenten für ihr Angebot gesprochen. Sie wissen deshalb auch nicht, wie groß die Resonanz sein wird. In einer ersten Kalkulation geht Beate Schumanns Ehemann Rudolf, der auch in der Gruppe mitarbeitet, von 60 bis 85 regelmäßigen Gästen aus. Die Erfahrungen aus Neumünster zeigten, dass die Zielgruppe sich nur in geringem Umfang mit der Zielgruppe der Lebensmitteltafel überschneide. Dabei soll in jedem Einzelfall überprüft werden, ob die Interessenten tatsächlich bedürftig sind. Die Gruppe orientiert sich dabei an der Definition der Stadt Schleswig für „Menschen mit geringem Einkommen“. Sie umfasst neben Hartz-IV-Empfängern auch andere Arbeitslose, „Aufstocker“, Senioren mit geringer Rente und allgemein Menschen mit einem Monatseinkommen unter 962 Euro.

Zur Finanzierung haben die Gruppenmitglieder bereits mit potenziellen Sponsoren gesprochen, hoffen aber auf noch mehr Unterstützung.
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Kontakt über Beate Schummann:

E-Mail beate.schummann@web.de,

Tel. 04621/3823938,

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erstellt am 02.Mär.2016 | 16:30 Uhr

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