Postkarten-Geschichte(n) : Einst "Kaufhaus Angeln" - heute Ort der Begegnung

Die Karte stammt aus der Sammlung von Berndt Lassen (AG Baupflege Angeln).
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Die Karte stammt aus der Sammlung von Berndt Lassen (AG Baupflege Angeln).

Historische Postkarten erzählen überraschende Geschichten - und Geschichte. Sie zeigen, dass manche Örtlichkeit im Kreisgebiet einst verblüffend anders ausgesehen hat als heute. In einer Serie begibt sich unsere Zeitung auf Spurensuche und vergleicht damals mit heute. In Folge 4 geht es um das ehemalige "Kaufhaus Angeln" in Sterup.

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18. August 2009, 07:14 Uhr

Sterup | Als die aus Westfalen stammende Zahnärztin Dr. Manuela Peters und ihr Ehemann Rolf vor 15 Jahren den Entschluss fassten, sich in Sterup niederzulassen und eine große Praxis einzurichten, da war ein Gesichtspunkt ausschlaggebend: Das von ihnen bevorzugte altehrwürdige Gebäude war ein ortsbildprägender Blickfang, mitten im Dorf in der unmittelbaren Nähe der St.-Laurentius-Kirche gelegen. Weithin bekannt geworden war diese Immobilie in der so genannten "guten alten Zeit" als "Kaufhaus Angeln".

Chronist Hermann Hinrichsen und der "Alt-Steruper" Erwin Koch, zugleich ein Nachbar der "Peters-Burg", wissen, dass dieses Geschäftshaus früher eine große Bedeutung zur Versorgung der Einheimischen hatte. "Es war so etwas Ähnliches wie ein erster Supermarkt", sagt Hinrichsen. Hier habe man alles Nützliche kaufen können: von Schnürsenkeln bis zum Stacheldraht. Als Schüler in Sterup hat sich Erwin Koch dort oft "eingedeckt".

In der 2006 erschienenen Neuauflage der Steruper Chronik ist zu lesen, dass bereits 1867 der Einwohner Johann Lausen "hinter dem Dorfteich" ein kleines schiefergedecktes Haus mit Laden bauen ließ. Nachdem dieses Anwesen 1903 in Schutt und Asche fiel, entstand an gleicher Stelle das "Kaufhaus Angeln", das ab 1908 von Höker Asmus Lausen betrieben wurde. 1919 folgte ihm Hugo Börger, der das Warensortiment erheblich vergrößerte: Pötte und Pfannen, Lebensmittel und Schulhefte lagen für die Kunden in den Regalen - und dazu die neuesten Spielsachen. Aus Altersgründen schloss Börger Ende 1975 sein "Angelner Kaufhaus", sehr zum Leidwesen von vielen Alteingesessenen. 1984 erbte Tochter Ingrid Börger das Gebäude, das in der Folgezeit von Mietern genutzt wurde.

Zehn Jahre später fand Rolf Peters auf dem Dachboden noch die alten Regale mit etlichen Ladenhütern, darunter vergessene Gummistiefel und Kaffeetassen.

"Das Gebäude hat bis heute eine positive Ausstrahlung", versichert die Hausherrin. Von Anfang an habe sie sich vorstellen können, nach gründlicher Innensanierung eine moderne Stätte des Heilens und der Begegnung zu schaffen.

"Das Kaufhaus Angeln übte auf mich eine geradezu magische Anziehung aus", merkt Manuela Peters an. Da sich die Gewerbeflächen nicht für eine Pacht eigneten, einigte sie sich mit der Vorbesitzerin Ingrid Börger auf den Erwerb des Hauses.

In der Folgezeit erhielt das Gebäude ein neues Dach.Die ehemalige 240 Quadratmeter große Kaufhausfläche wurde in elf Praxisräume umgewandelt. In drei weiteren Räumen werden Exponate der Handwerkskunst ausgestellt. Das sich nach Süden anschmiegende ehemalige Lagergebäude wurde kernsaniert und zu einem Einfamilienhaus umgewandelt. Dort, wo ehemals die Geschäftsleute des Kaufhauses wohnten, befindet sich seit 2005 eine große Ferienwohnung. Insgesamt finden fünf Urlauber in drei Wohnungen Platz.

Geplant ist im Haus ein Projekt "Internetzugang 50 plus". Das heißt: Bürger ohne eigenen Internetanschluss können dort surfen.

Berndt Lassen, Vorsitzender der IG Baupflege Angeln, zeigte sich beim Besuch des neuen alten Kaufhauses beeindruckt, mit welchem Sachverstand und unter Verwendung von schönen Holzelementen dieses Gebäude genutzt und erhalten wird. Was das äußere Erscheinungsbild solcher markanter Häuser betreffe, so könne man alle stilistischen Veränderungen anhand alter Postkarten überprüfen. "Die alten Ansichtskarten sind darüber hinaus nützliche Helfer für heimatkundliche Forschungen", so Lassen.

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