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Umweltschutz-Projekt aus Schleswig : Einsatz gegen Plastikmüll: Stoffbeutel für Afrikas Dörfer

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Es begann mit einer Wohnmobil-Reise: Edeltraut Benecke hat auf eigene Faust ein ungewöhnliches Umweltschutz-Projekt ins Leben gerufen.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 18:00 Uhr

Schleswig | Elf Jahre lang reisten Edeltraut Benecke und ihr Mann regelmäßig im Wohnmobil durch Marokko. Sie begeisterten sich für die Landschaften und die Menschen im Norden Afrikas. Eines aber störte Edeltraut Benecke immer mehr: der Müll. An Zäunen, im Gebüsch, überall hingen leere Plastiktüten herum.

Die 67-Jährige beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. Sie wollte die Marokkaner für Stoffbeutel begeistern. Und das scheint zu funktionieren. Sie sammelt Stoffreste in Schleswig und Umgebung und schenkt sie afrikanischen Frauen – unter der Bedingung, dass sie daraus Beutel nähen. In ihren langjährigen Freundinnen Ingrid Adler und Hannelore Schultz hat sie inzwischen Mitstreiterinnen gefunden.

„Natürlich ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Edeltraut Benecke. Aber sie freut sich über jeden kleinen Erfolg – und das inzwischen nicht mehr nur in Marokko, sondern auch in mehreren anderen afrikanischen Ländern und in der Türkei.

Inzwischen arbeitet sie mit verschiedenen Hilfsorganisationen zusammen. Zeitweise war sie Mitglied im Verein „Schule im Herzen“ von Mathias Montcho aus Schaalby, der eine Grundschule in Togo finanziert hat. In die Türkei reiste sie gemeinsam mit Muazzez Demiryürek, die regelmäßig Hilfstransporte mit medizinischen Geräten organisiert.

Angekommen in Afrika: Wie hier in einem Krankenhaus in Ghana werden die Schleswiger Stoffspenden zu Beutel verarbeitet.
Angekommen in Afrika: Wie hier in einem Krankenhaus in Ghana werden die Schleswiger Stoffspenden zu Beutel verarbeitet. Foto: Privat
 

In Marokko fragte sich Edeltraut Benecke am Anfang ganz alleine durch. „Wir sind gezielt in Dörfer gefahren, die sonst kaum ein Tourist besucht“, sagt sie. „In den touristischen Küstenorten hätte sich wahrscheinlich niemand für meine Stoffe interessiert.“ In den entlegenen Ecken Marokkos aber, da marschierte die Schleswigerin einfach los und fragte sich durch, bis sie jemanden fand, der Englisch sprach. Dem erklärte sie, was sie vorhatte, und meistens dauerte es nicht lange, bis sich ein paar Frauen fanden, die sich auf ihren Vorschlag mit den Beuteln einließen. Die Stoffreste in den unterschiedlichsten Farben hatte Edeltraut Benecke zu Hause bereits in die richtige Form geschnitten – und sie hatte Muster im Gepäck. Manche Frauen haben die Beutel für sich selbst behalten, andere haben sie verkauft. „Mir ist beides recht“, sagt Benecke, „Hauptsache, sie werden benutzt.“

Als sie vor drei Jahren mit Mathias Montcho nach Ghana und Togo reiste, lief es ganz ähnlich. Sie begriff, dass auch die Einheimischen den Plastikmüll längst als Problem wahrnehmen. In manchen afrikanischen Ländern sind Plastiktüten inzwischen verboten. Allerdings halten sich viele Bürger nicht daran. „Sie haben keine Alternative“, meint Benecke. „Viele junge Menschen sind mit der allgegenwärtigen Plastiktüte aufgewachsen und haben noch nie einen Stoffbeutel gesehen.“

Mehrere tausend Beutel, die Benecke, Ingrid Adler und Hannelore Schultz zugeschnitten haben, sind inzwischen in Afrika in Gebrauch. Und es sollen noch viel mehr werden. Edeltraut Benecke freut sich deshalb stets über Stoffspenden, über Garn – und auch über Knöpfe („Zum Verzieren!“). Sie ist telefonisch zu erreichen unter 04621/52872.

Viel Stoff wird demnächst in ein Krankenhaus in Ghana gehen. Die Leiterin war von der ersten Stoff-Lieferung aus Schleswig so begeistert, dass sie Nachschub geordert hat. Sie plant, jeder Frau, die ihr Kind im Krankenhaus zur Welt bringt, einen Beutel mit nach Hause zu geben.

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