Einsatz für Sandkiste wird zur Behördenposse

Nur eine Kuhle ist von der Sandkiste geblieben. Sie wurde zur 'Hunde- und Katzentoilette'. Foto: Kirsch
Nur eine Kuhle ist von der Sandkiste geblieben. Sie wurde zur "Hunde- und Katzentoilette". Foto: Kirsch

Seit einem Jahr versucht der Schleswiger Widukind Glodeck die Stadtverwaltung zu bewegen, eine Sandkiste im Flattenberg wieder aufzubauen. Sie war nach mehr als 30 Jahren abgebaut worden. Doch niemand scheint zuständig zu sein.

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18. Juni 2009, 10:11 Uhr

Schleswig | Er setzt sich für die Kinder in seinem Wohngebiet ein - und wird zum Spielball der Behörden: Widukind Glodeck kämpft dafür, dass die Sandkiste im Flattenberg des Friedrichsbergs wieder aufgebaut wird. Nach mehr als 30 Jahren wurde sie 2007 entfernt, seitdem erinnert nur noch ein Sandloch an sie. "Die Sandkiste war optimal platziert. Mütter konnten ihre kleinen Kinder nach draußen zum Spielen schicken und sie vom Balkon aus beobachten", sagt Glodeck und zeigt auf die umliegenden Mehrfamilienhäuser.

Er möchte etwas tun, ruft bei der Stadtverwaltung an und fragt nach. Dort sei man nicht zuständig, so die Antwort. Sandkisten seien Sache der Umweltdienste. Das sei nicht der Fall, lassen diese verlauten. Sie würden lediglich ausführen, was von der Stadt entschieden werde. Glodeck fühlt sich hin- und hergeschoben. Ein erneuter Versuch im Rathaus bringt Glodeck immerhin folgende Erklärung: Die Stadt habe nun einmal den Auftrag, Kosten zu sparen. "Kosten sparen an Kindern? Durch den Abbau einer Sandkiste?" Glodeck ist empört. Ein großer Kostenfaktor für die Stadt sei die Sandkiste sicherlich nicht gewesen. Einmal im Jahr sei der Sand ausgetauscht worden.

Der Abbau steht auch dem Anspruch der Politiker entgegen: "Im Kommunalwahlkampf warben alle mit Familienfreundlichkeit, allen voran die SPD. Ratsherr Karsten Reimer habe ich mehrmals direkt angesprochen. Er sagte mir, er wolle sich persönlich für die Sandkiste einsetzen." Geschehen ist seitdem nichts. Auf Anfrage unserer Zeitung wies Reimer auf die Zuständigkeit der Stadtverwaltung hin, bei der das Thema wohl "versackt" sei. Er selbst habe nie auch nur ein Foto der Sandkiste gesehen und könne nichts an Sparmaßnahmen der Stadt ändern.

Eine SN-Anfrage bei der Stadtverwaltung bringt auch nicht mehr Licht ins Dunkel: Seit 2001 habe man keine Sandkiste mehr im Flattenberg betreut. Vor acht Jahren sei in der Straße ein Spielplatz wegen eines besser ausgestatteten in der Nachbarschaft entfernt worden, so die Pressestelle des Rathauses.

"Auf diesem Spielplatz, im Ellerndiek, spielen aber vor allem ältere Kinder", hat Glodeck festgestellt. "Allein können die Eltern ihre Kleinkinder dort nicht zum Spielen hinschicken." Und: "Die Aussage der Stadtverwaltung, dass im Flattenberg seit 2001 kein Spielplatz betreut wurde, ist unwahr. Ich habe dort immer meinen Streusand geholt. Bis 2007 kamen einmal jährlich die Umweltdienste und haben den Sand erneuert. Bis heute mähen diese auch den Rasen dort." Das bestätigt Mathias Frahm von den Umweltdiensten: "Wir pflegen den Bereich zwischen den Wohnblöcken. Die Sandkiste wurde 2007 in Absprache mit der Stadtverwaltung entfernt, weil sie für den Sandwechsel zu schlecht zu erreichen war."

Die Reste der Sandkiste verkommen inzwischen zur Hunde- und Katzentoilette. "Kinder können hier jedenfalls nicht mehr spielen", meint Glodeck. Angesichts der geplanten Großprojekte in Schleswig - Therme, Neubaugebiet am Berender Redder, der neue Stadtteil auf der Freiheit - vermutet er: "Die Stadtverwaltung spricht über Familienfreundlichkeit, spart aber an denen, die sich kaum wehren, nämlich Hartz-IV-Empfängern und Migranten, von denen es hier viele gibt."

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