Familientag auf Gottorf : Einmal ein richtiges Kindermuseum

Bei Reinhard Erichsen (rechts) erfahren Enzo und seine Mutter Charlotte, wie die Wikinger einst lebten.
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Bei Reinhard Erichsen (rechts) erfahren Enzo und seine Mutter Charlotte, wie die Wikinger einst lebten.

Der dritte Familientag lockte am Sonntag rund 3000 Besucher auf die Gottorfer Schlossinsel.

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26. Februar 2018, 07:12 Uhr

Zwei Männer in Rüstung halten Wache am Portal des Gottorfer Schlosses. Sie begrüßen alle Gäste und geben mit ihren Hellebarden den Weg frei. So stimmen sie ein auf den gestrigen Gottorfer Familientag. Drinnen dürfen sich alle Kinder dann selbst in mittelalterliche Kostüme kleiden und sich als Ritter oder Burgdame fotografieren lassen. Anschließend können sie bei einer der zahlreichen Museumsführungen mitlaufen. „Wir wollen an diesem Tag einmal ein richtiges Kindermuseum sein“, erklärte Pressesprecher Frank Zarp. Gemeinsam mit ihren Eltern wolle man die ganz jungen Besucher für die Angebote der Landesmuseen begeistern.

Auch beim mittlerweile dritten Familientag geht diese Rechnung auf. Im Laufe des Tages kommen rund 3000 Besucher. Schon am Vormittag sind alle Parkplätze rund um die Schlossinsel gefüllt, und bunt durchmischte Besuchergruppen drängen sich in den Ausstellungsräumen. Dort präsentieren sich Vertreter aller Bereiche der Landesmuseen mit Ideen, die vor allem die jungen Besucher ansprechen sollen. Reinhard Erichsen vom Wikingermuseum etwa hat ein altes Brettspiel namens „Hnefatafl“ mitgebracht, das einst im gesamten skandinavischen Raum bekannt war.

Auch seine authentische Kleidung und Ausrüstungsgegenstände wie Schilde und Schwerter kommen gut an. Der kleine Enzo mit seiner Mutter Charlotte aus Rendsburg etwa ist fasziniert von der Aufmachung des Wikingers. Nur wenige Meter entfernt bietet Anke Thomsen vom Freilichtmuseum Molfsee Spiele an, die schon vor etwa 400 Jahren bei der Landbevölkerung beliebt waren. Dazu gehören zum Beispiel Diavolo, Sackhüpfen und Stelzenlaufen. Entstanden seien diese Spiele aus Mangel an materiellen Dingen und aufgrund eines Alltags, der durch harte Arbeit geprägt war, so Thomsen. Der Reiz dieser Spiele liege im Ausprobieren und im Erfolgserlebnis. Sogar Jugendliche seien noch angetan von den Klassikern.

Die Führungen durch Kulturgeschichte und Archäologie auf dem Gottorfer Schloss richten sich dann an Erwachsene wie Kinder gleichermaßen. „Wir vermitteln die gleichen Inhalte wie immer, allerdings präsentiert unser Personal in seinen Kostümen sie sehr kindgerecht“, erläutert Jorge Scholz, der den Bereich Bildung und Vermittlung leitet. Entsprechend tragen die Führungen klangvolle Titel wie „Schlossdrache Fiete & Friends“, „Märchen aus aller Welt“ oder „Geheimnisvolle Moorleichen“. Ziel sei es, an diesem Tag ein möglichst vielseitiges „Schloss-Erlebnis“ zu bieten, sagt Scholz. Dazu gehören auch Mitmach-Aktionen wie „Schieferplatten ritzen“ oder die „Experimentierstrecke zur Eisenzeit“. Während die jüngsten Besucher häufig zum ersten Mal mit dem kulturellen Angebot in Kontakt kommen, kehren manche ihrer Eltern nach langer Zeit wieder zurück nach Gottorf. „Manche erzählen mir, sie wären das letzte Mal als kleiner Knirps hier gewesen“, berichtet Scholz. Auch Frank Zarp ist zufrieden mit der Resonanz. „Wir erreichen unser Klientel und erfüllen auch einen Bildungsauftrag.“

 

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