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Nachrücker aus Dollrottfeld : Einmal Bundestag und zurück

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der CDU-Kreistagsabgeordnete Thomas Jepsen rückt bis zur Bundestagswahl für Sabine Sütterlin-Waack in den Bundestag ein.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 07:01 Uhr

Wer würde das schon machen? Einen guten Job wechseln, um für nicht einmal drei Monate in eine fremde Stadt in einen Job zu wechseln, den man danach direkt wieder aufgibt? Thomas Jepsen aus Dollrottfeld wird genau das machen und sagt: „Das ist schließlich meine Verpflichtung.“ Denn der 44-Jährige rückt für seine Parteifreundin Sabine Sütterlin-Waack als Abgeordneter in den Bundestag nach, die seit dieser Woche Mitglied des Kabinetts von Daniel Günther in Kiel ist. Nun wird Jepsen, der für die CDU im Kreistag sitzt, für zwölf Wochen Parlamentarier im Bund – dann wird neu gewählt und Jepsen scheidet wieder aus. Das steht schon fest.

„Ich werde jetzt keine großen inhaltlichen Schwerpunkte setzen können“, sagt Jepsen lachend. Er ist schon froh, dass er eine Sitzung mitbekommt – am 4. und 5. September wird der Bundestag ein letztes Mal in dieser Legislatur tagen. „Ich hoffe, dass ich viele Leute kennenlerne“, sagt Jepsen. Und dann? Ein Selfie mit der Kanzlerin? Oder ein kurzer Plausch mit Wolfgang Schäuble? Jepsen lacht: „Wenn ich mal im Parlament eine Rede halten könnte, wäre das ein Traum. Ich glaube aber nicht, dass er in Erfüllung geht.“

Ähnlich sieht das Marion Herdan. Sie hat das Mandat von Ingbert Liebing übernommen, der Staatssekretär geworden ist. Seit Mittwoch ist die 58-Jährige aus Molfsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) nun Mitglied des Bundestages – und kann deshalb schon an der laufenden Sitzung teilnehmen. „Das ist ein schöner Zufall“, sagt die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, die bei ihrem Mann in der Kanzlei beschäftigt ist. Sie wird ebenso wie Jepsen das Vorgängerbüro übernehmen. „Und auch wenn es nur kurz ist: Ich werde mich voll reinhängen und hoffe, dass meine Kollegen hinterher sagen: ,Das hat sie gar nicht schlecht gemacht.‘“

Doch für sie wie für Thomas Jepsen wird der Auftritt in Berlin ein „Gastspiel“ bleiben. Jepsen will Kommunalpolitiker bleiben, auch Sabine Sütterlin-Waack nicht als Direktkandidat für den Bundestag nachfolgen – aus persönlichen Gründen. Jepsen hat zwei kleine Kinder und scheut den Wechsel in die Berufspolitik. „Aber ich will nicht ausschließen, dass sich das noch mal ändert.“ Das sieht auch Herdan so, die auf der Liste für die Bundestagswahl nur einen hinteren Platz belegt. Jepsen steht gar nicht drauf.

Bis zum Ende der Legislatur werden die beiden aber monatlich 9327,21 Euro Entschädigung bekommen – plus Zulagen. Allerdings: Für eine Pension reicht es nicht – die bekommen nur Abgeordnete, die mindestens ein Jahr lang dem Parlament angehören.

Für den Kurzaufenthalt in der Hauptstadt lohne es sich nicht, eine Wohnung zu beziehen, sagt der selbstständige Immobilienmakler Jepsen. Sein Geschäft wird seine Frau, die bei ihm angestellt ist, in seiner Abwesenheit weiterführen. Und können ehrenamtliche Kommunalpolitiker etwas von den Bundespolitikern lernen? Jepsen lacht, und sagt dann: „Fragen Sie mich in drei Monaten nochmal – vielleicht mache ich dann eine 100-Tage-Bilanz.“

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