Aus der SN-Jugendredaktion : Einkaufen ohne Plastik – geht das?

Auf dem Wochenmarkt kann man plastikfrei einkaufen. Achtung bei der Leberwurst! Die gibt es oft zwar in Echtdarm, manchmal aber auch in Kunstdarm – aus Plastik.
Auf dem Wochenmarkt kann man plastikfrei einkaufen. Achtung bei der Leberwurst! Die gibt es oft zwar in Echtdarm, manchmal aber auch in Kunstdarm – aus Plastik.

Die Jugendredakteurinnen Sarah Klettke und Joana Becke haben den Selbstversuch gemacht.

shz.de von
30. Juni 2018, 07:00 Uhr

Der Weg zum Supermarkt ist einfach und schnell. Der Einkauf meist routinemäßig erledigt. Wer achtet da schon auf das Verpackungsmaterial? Immerhin ist Plastik leicht, billig, überall erhältlich und vertraut. Deutsche verbrauchen laut Statistiken rund 37 Kilogramm Plastik im Jahr – und sind damit nicht mal der Spitzenreiter. Bei über 82 Millionen Deutschen kann man sich nur ansatzweise vorstellen, wie viel das ist.

Wir haben uns auf die Suche begeben, um herauszufinden, ob man in Schleswig überhaupt plastikfrei einkaufen kann.

Antwort: Im Supermarkt ist dies praktisch unmöglich. Konservendosen sind gewöhnlich mit Plastik beschichtet, die Tüten für den Backshop enthalten Plastik, Gewürze findet man nur vereinzelt plastikfrei verpackt, Fleisch und Milchprodukte dürfen aufgrund der Hygienevorschriften nicht einfach in einer eigenen Dose mit nach Hause genommen werden. Denn sollten in dem Behältnis noch Bakterien sein, könnte der Supermarkt zur Verantwortung gezogen werden, obwohl ihn gar keine Schuld trifft.

Plastik gibt es inzwischen in so vielen Varianten, dass man manchmal gar nicht weiß, ob man nun eine Plastik- oder Metallverpackung vor sich hat.
Ebenso enthalten oft auch Klamotten und Haushaltsgegenstände Kunststoff, so ist Wolle oftmals zu 100 Prozent aus Polyacryl und der klassische Holzlöffel wurde schon längst von seinem Plastikkollegen überholt. Auch in Kosmetikartikeln ist oft Mikroplastik enthalten.

Doch es gibt Hoffnung.

Der Wochenmarkt in Schleswig bietet einige Möglichkeiten, ohne das aus Erdöl hergestellte Material einzukaufen. So können zum Beispiel Karotten oder Äpfel in einer eigenen Tüte, Käse und Wurst in einer eigenen Dose mitgenommen werden. Diese darf allerdings nicht hinter die Theke gelangen, um den Hygienevorschriften gerecht zu werden.

Wer am Sonnabend keine Zeit hat, um auf den Wochenmarkt zu gehen, kann auf das Reformhaus zurückgreifen. Hier gibt die es Möglichkeit, eigene Behälter für Brot, Nüsse und Getreide mitzubringen. Allerdings gibt es sonst auch hier nur wenige plastikfreie Verpackungen. Dies ist augenscheinlich auch im Biomarkt der Fall.

Andernorts erfreuen sich verpackungsfreie Supermärkte, die weitestgehend auf Kunststoffe verzichten, immer größerer Beliebtheit. Hier kann man seine eigene Verpackungen mitbringen, sich welche leihen oder kaufen. Selbst Pflegeprodukte sind plastikfrei und unverpackt erhältlich. Im Norden gibt es solche Läden zum Beispiel in Kiel, Lübeck und Hamburg. Wer einen solchen Laden nicht gleich um die Ecke hat, kann auf Onlineshops zurückgreifen.

Aber auch in Schleswig gab es schon Schritte in die richtige Richtung: So haben viele Geschäfte Plastiktüten ganz aus dem Sortiment genommen, sie kostenpflichtig gemacht und alternative Tüten angeboten. Doch mit Blick auf die fatalen Auswirkungen von Plastik für die Umwelt und die Zukunft (wie etwa der Plastikskandal in der Schlei), wäre es schön, wenn es auch in Schleswig künftig noch mehr Möglichkeiten für eine Reduzierung des Verbrauchs geben würde. Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr Fragen tun sich auf. Zum Beispiel ob das Kaugummi, das man gerade kaut, Plastik enthält (und ja, das tut es) Deshalb lautet unser Fazit: Ein Leben ohne Plastik praktisch unmöglich, eine starke Reduzierung aber machbar!

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