Schleswig : Eingemeindung – ein heißes Eisen

Mit dem Zirkel rund um die Stadt – im Schleswiger Einzugsbereich leben rund 50  000 Menschen.
Mit dem Zirkel rund um die Stadt – im Schleswiger Einzugsbereich leben rund 50 000 Menschen.

Einige Ratspolitiker könnten sich Dörfer wie Schuby oder Neuberend gut als Ortsteile von Schleswig vorstellen.

von
31. Januar 2015, 15:30 Uhr

Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) hat in dieser Woche für viel Aufregung gesorgt mit seinem Vorstoß, seine Stadt mit 20 Umlandgemeinden zur „Großkommune Flensburg“ zusammenzuschließen. Dabei ist das Thema so neu nicht. Auch im Schleswiger Rathaus wird seit Jahren darüber gesprochen, das Stadtgebiet zu vergrößern. Aktuell möchte aber kaum jemand dieses heiße Eisen anfassen.

„Es ist ein ganz sensibles Thema“, sagt zum Beispiel der SPD-Ratsfraktions-Vorsitzende Stephan Dose. Grundsätzlich sei eine Gebietsreform kein falscher Gedanke. „So wie Flensburg das betreibt, geht es aber nicht.“ Als in Kiel eine Große Koalition aus CDU und SPD regierte, wäre eine große Kommunalreform politisch durchsetzbar gewesen, meint er. „Derzeit ginge es nur auf freiwilliger Basis.“ Freiwillig, das ist klar, wird sich aber keine Gemeinde aus den angrenzenden Ämtern Haddeby, Arensharde und Südangeln dem großen Nachbarn anschließen.

Die Bürgermeisterin von Lürschau, die CDU-Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack, spricht für viele ihrer Amtskollegen, wenn sie die Vorzüge kleiner Verwaltungseinheiten preist. „Wir haben sehr viel ehrenamtliches Engagement. Die Feuerwehr, der DRK-Ortsverein, die Gilde – ich weiß nicht, ob all das in der bisherigen Form fortbestehen würde, wenn wir nur noch ein Ortsteil von Schleswig wären.“ Auch teilt sie nicht die Einschätzung, dass kleine Gemeinden ohnehin kaum noch Entscheidungsspielräume hätten. „Unsere Gemeindevertretung tagt einmal im Monat, und wir sitzen oft bis zu vier Stunden zusammen und diskutieren über wichtige Dinge, die Lürschau betreffen.“

Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen äußert Verständnis für diese Sicht der Dinge. „Es gibt auf den Dörfern eine große kulturelle Vielfalt, die auch identitätsstiftend ist“, sagt er. Vor seiner Schleswiger Zeit hat er als Bürgermeister den Zusammenschluss der Gemeinden Handewitt und Jarplund-Weding gestaltet. Dort seien einige Wunden bis heute nicht verheilt. Statt über Eingemeindungen spricht Christiansen nun lieber über intensivere Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungen. „Alles, was darüber hinausgeht, werde ich sicherlich in meiner Amtszeit nicht mehr erleben – auch wenn ich wiedergewählt werden sollte“, meint er und nennt einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren.

Zu den Befürwortern einer Gemeindefusion gehört Alt-Bürgermeister Klaus Nielsky. „Ich spreche ausdrücklich nicht von Eingemeindungen, sondern von einem Zusammenschluss“, betont er. „Die klugen Köpfe aus dem Umland würden das Niveau in der Schleswiger Ratsversammlung sicherlich nicht senken“, fügt er hinzu und erklärt auch, welche Dörfer er dabei im Blick hat: Das gesamte Amt Haddeby und die früheren Ämter Schuby und Tolk, also ein Gebiet von Jagel im Süden bis Idstedt im Norden, von Schuby im Westen bis Brodersby im Osten. Diese Gemeinden zusammen haben beinahe genauso viele Einwohner wie Schleswig – die Stadt würde ihre Einwohnerzahl also auf fast 50  000 verdoppeln. Dieses Gebiet umfasse diejenigen Orte, in denen die Menschen sich im täglichen Leben nach Schleswig orientieren, sagt Nielsky.

Auch einige aktive Ratspoltiker teilen diese Einschätzung, zum Beispiel die Fraktionschefs der Grünen und des SSW, Johannes Thaysen und Otmar Petersen. „Auf jeden Fall darf es keine isolierte Flensburger Lösung geben“, fordert Petersen, der wie sein Parteifreund Faber auf das Beispiel Dänemark mit seinen Großkommunen verweist.

Vehementer Gegner von Eingemeindungen ist hingegen CDU-Ratsfraktionschef Holger Ley. „Ich bin im Gegenteil dafür, die kleinen Gemeinden, in denen wertvolle Arbeit vor Ort geleistet wird, noch zu stärken“, sagt er. Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den Nachbarkommunen habe sich in jüngster Zeit sehr positiv entwickelt, zum Beispiel beim Gewerbegebiet an der Autobahnauffahrt in Schuby. „Diesen Weg sollten wir weiter gehen.“ Sollte eines Tages eine Nachbargemeinde von sich aus auf die Stadt zukommen, werde man sich Gesprächen über einen Zusammenschluss nicht verschließen, so Ley. „Aber dass das geschieht, kann ich mir im Moment nicht vorstellen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen