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christlich-islamische Gesprächsreihe : Einen Monat als Moslem leben?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Beim christlich-islamischen Gesprächsabend im Schleswiger Gemeindehaus auf dem Michaelisberg kam es zu lebhaften Diskussionen.

Dompastor Michael Dübbers hatte es nicht leicht, das Publikum in seiner Diskussionsfreude zu bremsen. Dabei hatte sein Kollege Joachim Thieme-Hachmann beim Auftakt der christlich-islamischen Gesprächsreihe im Gemeindehaus Michaelisberg zu Beginn erklärt, angesichts aufgeheizter Debatten um Pegida und Paris, „geht es darum, aufeinander zu hören“.

Die zentrale Frage des Abends lautete: „Was ist uns heilig?“ „Heilig ist Gott allein“, sagte Ibrahim Yazici vom islamischen Verband Schura. Die 17-jährige Suheda Asil aus Schleswig warf ein: „Mekka ist uns heilig.“ Yazici sprang ihr zur Seite: „Mekka ist von Gott gesegnet und nur für Gottesfürchtige zugänglich.“ Das sei ihm neu, erklärte Thomas Zahrnt. Als Christ „bin ich auch gottesfürchtig – ich möchte nach Mekka gehen“. Daraufhin lud ihn ein Mann aus dem Publikum ein, einen Monat als Moslem zu leben: „Dann können Sie nach Mekka pilgern.“ Ob er das Angebot annimmt, verriet Zahrnt nicht, aber er wollte zumindest über das Gelernte nachdenken.

Ihr sei jeder Ort heilig, sagte Julia Ahmed. Die angehende Pastorin aus Bad Oldesloe ist mit einem Moslem verheiratet. Ihr Sohn, erklärte sie auf Nachfrage, sei christlich getauft, werde aber nicht religiös erzogen: „Wir bringen ihm Werte bei – viele wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit sind gleich.“ Auf die Frage einer Zuhörerin, ob ihr Mann theoretisch Imam werden könnte, sagte Ibrahim Yazici: „Selbst Mohammed hat eine Jüdischstämmige geheiratet.“ Muslimische Frauen dagegen dürften keine Nicht-Muslime heiraten: „Wenn ihr Mann Dinge von ihr verlangt, die ihre Religion verbietet, müsste sie sich zwischen Mann und Gott entscheiden.“

Dieses Rollenverständnis und seine Aussage, er könne an allem zweifeln, außer am Koran – das wäre Gotteslästerung – führte zu einem geteilten Echo. So sagte Julia Ahmed, dass Hinterfragen sinnvoll sei, zumal sie nicht glaube, „dass das Buch vom Himmel gefallen ist und Mohammed als einziger Mensch das Privileg hatte, das Wort Gottes zu empfangen“. In ihrer Liebe zu Gott wiederum sind sich Christen und Muslime ganz nah. So glaubt Ahmed zwar an Jesus, aber auf die Schöpfung bezogen seien Gott, Jahwe und Allah eins. Suheda Asil stellte fest: „Nicht jeder, der sich Muslim nennt, lebt auch so.“ Daraufentgegnete Ahmed lachend: „Ich weiß, das ist mein Mann.“


Die Gesprächsreihe wird am nächsten Mittwoch, 11. März, ab 19.30 Uhr im Bibelzentrum am St.-Johannis-Kloster fortgesetzt.

 

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