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Konzert im Schleswiger Dom : Eine würdige Johannes-Passion

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bach-Tage im Dom enden mit großem Konzert der Domkantorei und des Ensembles Concerto Bremen.

Die Bach-Tage im St.-Petri-Dom, die mit dem Motto „Bach mit allen Sinnen“ mit einem breiten Publikumsangebot aufwarteten, haben am Sonntagabend einen würdigen Abschluss gefunden. Während bereits am Freitag und Sonnabend dem 330. Geburtstag von Johann Sebastian Bach musikalisch gedacht wurde, erklang am Sonntagabend nun dessen Johannes-Passion im etwa zu zwei Dritteln gefüllten Dom.

Unter der Leitung von Domkantor Rainer Selle führten die Domkantorei Schleswig sowie das mit historischen Instrumenten ausgestattete Ensemble Concerto Bremen das 1724 entstandene Werk auf. Mit von der Partie waren Hanna Zumsande mit ihrer hellen und tragfähigen Sopranstimme, Cornelia Lanz (Alt), Manuel König (Tenor) in der Gestalt des Evangelisten, Matthias Horn (Bass) sowie der Bassist Egbert Junghans als Jesus.

Anders als Bachs berühmtere Matthäus-Passion ist in der Johannes-Passion der biblische Bericht des erzählenden Evangelisten umfangreicher und anspruchsvoller, da er daneben noch Arien zu singen hat. Die Rolle war mit einem herausragenden Manuel König bestens besetzt. Ihm oblag beinahe die gesamte Dramaturgie. Dafür ist die Anzahl der die Handlung reflektierenden, also nicht in das Geschehen eingreifenden Arien (Nr. 32 „Erwäge, wie sein blutiger Rücken“ war leicht gekürzt) und kürzeren Ariosi relativ klein. Insbesondere die Besetzung der weiblichen Partien zu Beginn und zum Ende hin sowie die Partie des Basses mit je zwei geschmeidig vorgetragenen Arien gestaltet sich als relativ übersichtlich.

Selle bewies ein gutes Händchen für die bestmögliche Auswahl an Gesangssolisten, die ihren Part mit den zum Teil anmutigen Koloraturen bravourös und überzeugend zu Gehör brachten, wenn sich auch die Altistin in Nr. 11 „Von den Stricken meiner Sünden“ mit ihrer samtigen Stimme und einem Hauch zu viel Vibrato gegenüber dem Orchester nicht immer durchsetzte. Sinnlicher dafür ihre Arie „Es ist vollbracht“ (N. 58). Die nur marginal daherkommende, in der Aufführung trotzdem gut besetzte Rolle des angeklagten Jesus findet kaum ariose Wendungen, sondern rezitativischer Text zusammen mit dem Evangelisten und Pilatus.

Dafür sind die Chorpartien größer: Allein elf zum Teil ausdrucksstark harmonisierende Choräle sorgen an sich für einige reflektierenden Ruhepunkte. Selle allerdings nahm die Tempi frisch und versuchte, die innere Dramatik zu steigern. Der Chor als Volkes Stimme agierte überzeugend und glänzte mit den dramatischen Inhalten, auch bei den Fugati, bei denen er gleich volle Fahrt aufnahm. Nur während des gemütlichen und nicht enden wollenden „Ruh wohl“ (Nr. 67) zum Schluss schien der Chor den Text wörtlich zu nehmen. Das barock besetzte Orchester aus Bremen vermittelte mit Gambe, Theorbe und den historischen Instrumente in ihrer spezifischen, fragil klingenden Tonsprache einen Hauch des damaligen Lebensgefühls inniger Religiosität, wenn auch eine Oboe ihr bestes Rohr anscheinend nicht dabei hatte.

 

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