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Bahn schliesst Güter-Verladestation : „Eine traurige Nachricht für Jübek“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Gemeinde nimmt durch den Warenumschlag bislang noch fünfstellige Beträge ein.

von
erstellt am 21.Mai.2016 | 07:52 Uhr

Diese Meldung hat Herbert Will unvermittelt getroffen. Aus der Zeitung musste Jübeks Bürgermeister gestern erfahren, dass sich die Deutsche Bahn von der Güter-Verladestation in seiner Gemeinde trennen will. „Das ist eine traurige Nachricht für Jübek“, befindet Will auf SN-Nachfrage.

Jübek steht in einer Reihe von bundesweit mehr als 200 Güterbahnhöfen, die als unrentabel gelten und deshalb stillgelegt werden sollen. Die Bahntochter DB Cargo hat im vergangenen Jahr rund 180 Millionen Euro Verlust eingefahren.

Will hat für die Entscheidung der Bahn nur bedingt Verständnis. „In den vergangenen beiden Jahren wurde in Jübek mindestens einmal pro Woche Holz auf Waggons verladen“, berichtet er. Holz, das noch von den großen Herbststürmen „Christian“ und „Xaver“ herrührte. 2014 wurden nach Auskunft des Amtes Arensharde 1090 Waggons in Jübek be- und entladen. Im vergangenen Jahr waren es immerhin noch 731. „Sogar die Landesforsten haben direkt in Jübek verladen, weil der Bahnhof so zentral zwischen Neumünster und Flensburg liegt“, erklärt Lutz Schnoor, Teamleiter Bauwesen in der Amtsverwaltung. Er kann das Vorgehen der Bahn nicht nachvollziehen. „Es ist ja nicht so, dass wir in Jübek nur vom Holz abhängig sind“, betont er. Auch Baustoffe und Düngemittel würden dort regelmäßig umgeschlagen, so zum Beispiel von der an der Ladestraße ansässigen Raiffeisen HaGe. Im vergangenen Jahr seien immerhin 210 Güterwaggons allein mit diesen Materialien be- und entladen worden. Der Transport auf der Schiene sei schließlich eine sinnvolle Alternative zum Lkw-Verkehr auf der Straße. Auch könne er sich nicht vorstellen, dass die Instandhaltung des einen Gleises der Bahn unverhältnismäßig hohe Ausgaben bereitet. Die Wartungskosten für eine Weiche, weiß Schnoor, lägen bei etwa 3000 Euro im Jahr.

Für Jübek hat die Stilllegung der Verladestation nicht unerhebliche finanzielle Folgen. Die Ladestraße ist im Besitz der Gemeinde. „Jedes Mal, wenn etwas verladen wird, wird von den Unternehmen ein Entgelt an uns entrichtet“, sagt Bürgermeister Will. „Das ist ein nettes Zubrot für die Gemeinde.“ 2014 flossen so 20  000 Euro in die Kasse. Im vergangenen Jahr waren es trotz weniger Verladetätigkeiten sogar 21  800 Euro, nachdem man die Gebührensätze angehoben hatte. Geld, das nun im Haushalt fehlt – auch bei der für dieses Jahr anstehenden Sanierung der Ladestraße.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das viele Sturmholz den Warenumschlag in den vergangenen beiden Jahren überdurchschnittlich stark nach oben getrieben hat und die lange Betonfläche entlang des Güterzug-Gleises an den meisten Tagen des Jahres verwaist ist. Auch räumt Herbert Will ein: „Natürlich haben sich einige Anlieger durch die Holzlaster auch belästigt gefühlt.“ Doch einen Bahnhof ohne die Verladestation, die früher auch die Schleswiger Pioniersoldaten auf dem Weg ins Manöver nutzten, kann sich der Bürgermeister nicht vorstellen.

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