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Kulturkonferenz gegründet : Eine Stimme für die Kultur in Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein neues Gremium soll Stadtverwaltung und Kommunalpolitik beraten. Die Regeln für Zuschüsse an Vereine als eines der ersten Themen.

Verglichen mit der ersten Kulturkonferenz vor einem Jahr im Stadtmuseum war die zweite Auflage am selben Ort fast ein Selbstgänger. Hatten damals noch unterschiedliche Erwartungen dafür gesorgt, dass zahlreiche Besucher in der voll besetzten Ausstellungshalle etwas ratlos zurückblieben, so war diesmal von Anfang an klar, worum es gehen sollte: Es sollte ein „Sprecherrat“ gewählt werden, der in Zukunft der Kultur in Schleswig eine Stimme verleiht. Das Interesse war deutlich geringer als beim letzten Mal. Zwischen den Bildern des amerikanischen Naturfotografen Art Wolfe, die derzeit im Stadtmuseum zu sehen sind, saßen rund 25 Männer und Frauen, die meisten von ihnen waren Vertreter von Vereinen und Institutionen in der Stadt.

Nach weniger als zwei Stunden war alles erledigt, und zwischendurch war sogar noch Zeit für eine ausgedehnte Pause. Julia Pfannkuch, die unter anderem für die Kultur zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus, hatte das Strukturmodell vorgestellt, das eine Arbeitsgruppe in den vergangenen Monaten entwickelt hatte. Kurz debattiert wurde über die Frage, ob der Sprecherrat – also quasi der Vorstand der Kulturkonferenz – für drei Jahre oder erst einmal nur für einen kürzeren Zeitraum gewählt werden sollte. Man entschied sich mehrheitlich für die drei Jahre, die die Arbeitsgruppe vorgeschlagen hatte. Alle waren damit einverstanden, dass Vertreter von Einrichtungen mitarbeiten dürfen, die ihren Schwerpunkt in Schleswig haben, und zwar unabhängig davon, ob die handelnden Personen ihren Wohnsitz in der Stadt haben oder im Umland. Dies war nicht von vornherein selbstverständlich, denn schließlich sollen die Mitglieder ihre Interessen insbesondere gegenüber der Stadtverwaltung und dem Kulturausschuss der Schleswiger Ratsversammlung vertreten. Man habe sich aber darauf verständigt, die Regeln möglichst schlank und unkompliziert zu halten, sagte Pfannkuch. Das Gremium soll einen ähnlichen Stellenwert bekommen wie der Seniorenbeirat oder die Jugendkonferenz.

Die sechs Mitglieder des Sprecherrats waren schnell gefunden. Die Künstlerin Susanne Pertiet, die an diesem Abend verhindert war, hatte ihr Interesse bereits im Vorwege per E-Mail mitgeteilt. Sie vertritt die Initiative „Offene Ateliers“. Alsdann meldeten sich Ex-Bürgermeister Thorsten Dahl als Vertreter des Stadtmuseums-Fördervereins und Ex-Bürgervorsteherin Anke Carstens-Richter als Vertreterin des Stadtbücherei-Fördervereins. Wulf Schady, der frühere Vorsitzende des Musikclubs, warf seinen Hut in den Ring, außerdem Petra Neumann von den Theaterfreunden und Lutz Schnoor von der Schleswiger Speeldeel. Alle wurden einstimmig gewählt. Aus ihrer Mitte werden sie jetzt einen Vorsitzenden bestimmen.

An der Kulturkonferenz kann jeder Kulturschaffende teilnehmen. Sie soll künftig einmal im Jahr tagen. Der Sprecherrat wird – je nach Bedarf – häufiger zusammentreten und auch Vertreter in den städtischen Kulturausschuss entsenden – allerdings ohne Stimmrecht.

Eines der ersten Themen, mit denen er sich zu beschäftigen hat, ist die bevorstehende Reform der Zuschussvergabe für Kulturveranstaltungen. Das bisherige System steht seit langem in der Kritik. Viele Vereinsvertreter halten es für zu kompliziert. Das liegt nicht nur daran, dass die Stadt exakte Verwendungsnachweise für ihr Geld verlangt, sondern auch an den langen Vorlaufzeiten. Anträge müssen bisher bereits im September des Vorjahres im Rathaus vorliegen. Insbesondere kleinere Vereine planen oft nicht so lange im Voraus.

Bürgermeister Arthur Christiansen wertete die Kulturkonferenz auch als Zeichen der Wertschätzung für die Kulturschaffenden, von denen einige es nicht gut fanden, dass sich die Stadt von ihrem langjährigen Slogan „Die freundliche Kulturstadt“ getrennt hat. „Auch wenn wir nun Wikingerstadt heißen, sind wir doch weiterhin eine Kulturstadt“, betonte er.

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erstellt am 09.Jun.2016 | 13:00 Uhr

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