Eine Rettungswache für vier Kreise

Die Rettungsassistenten Stephen Burmeister (l.) und Stefan Rautenberg vor dem neuen Einsatzfahrzeug der Norderstapeler Wache.
Die Rettungsassistenten Stephen Burmeister (l.) und Stefan Rautenberg vor dem neuen Einsatzfahrzeug der Norderstapeler Wache.

In Norderstapel ist nur ein Fahrzeug stationiert / Hilfsfristen-Zeiten können dadurch nicht immer eingehalten werden

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07. Januar 2015, 15:58 Uhr

„Leitstelle Nord für Rettung Schleswig 70/83/1....“ – der Ruf aus dem Lautsprecher lässt keine Zweifel aufkommen. Es wird ernst. Und während Rettungsassistent Stefan Rautenberg ein „Hört“ in das Funkgerät spricht, spielt sein Kollege Stephen Burmeister hinter dem Lenkrad in Gedanken schon mal durch: „In welche Richtung wird es gehen....?“ In diesem Fall nach Westen, nach Seeth in Nordfriesland. Von der DRK-Rettungswache in Norderstapel kann es in vier Richtungen und damit in vier verschiedene Kreise gehen. Der Rund-um-die-Uhr-Stützpunkt Norderstapel nimmt eine Sonderstellung ein.

Acht hauptamtliche Rettungsassistenten und eine Auszubildende arbeiten hier . Der Rettungswagen absolvierte 2013 1003 Einsätze – davon 770 Notfälle. Die Wache wurde als Folge der Verkürzung der so genannten Hilfsfrist eingerichtet und nahm im Juli 1999 ihren Betrieb auf. Diese Frist wurde zum 1. Januar 2000 von 15 auf zwölf Minuten herabgesetzt. Vorher mussten Patienten teilweise fast eine halbe Stunde warten, bis Hilfe eintraf – die Rettungswagen aus den Wachen Kropp, Husum, Heide oder Rendsburg hatten einfach zu lange Anfahrtstrecken. Träger des Rettungsdienstes ist grundsätzlich der zuständige Kreis oder die Stadt. Er kann die Aufgaben – wie in Nordfriesland – mit eigenem Personal und Fahrzeugen wahrnehmen oder Dritte damit beauftragen.

Beim aktuellen Fall, dem Einsatz in Seeth, arbeitete die Rettungswagen-Besatzung mit dem Notarzt aus Tönning zusammen. Dieser begleitete im Norderstapeler Rettungswagen auch die anschließende Verlegung des Patienten ins Heider Westküstenklinikum. Zwei Stunden später ist Rettungswagen zurück in Norderstapel. In der Zwischenzeit hatte es glücklicherweise keinen weiteren Notfall gegeben – innerhalb der vorgeschriebenen zwölf Minuten wäre der Wagen sicher nicht zur Stelle gewesen. Die Norderstapeler Wache verfügt nur über ein Fahrzeug. Rückt das aus, ist die Wache leer – mit allen Konsequenzen.

Stephen Burmeister und Stefan Rautenberg arbeiten schon seit den 1990er Jahren im Rettungsdienst. Beide sind ein eingespieltes Team. Das ist wichtig in einem ländlich strukturierten Gebiet, in dem die Anfahrtzeiten häufig länger sind. Gearbeitet wird auf der Wache in einer Tagschicht von 7 bis 19 Uhr und in einer Nachtschicht von 19 bis 7 Uhr. Die beiden sind sich einig: „Zwölf-Stunden-Schichten sind angenehm. Wir haben hier ein gutes Betriebsklima.“ Der DRK-Rettungswagen versorgt in Nordfriesland beispielsweise alle sechs Orte des Kirchspiels Schwabstedt, Friedrichstadt und die Besatzungen sind häufig zu Einsätzen auf der Bundesstraße 5 dabei. Im Kreis Schleswig-Flensburg werden unter anderem Wohlde, Erfde, Bergenhusen Dörpstedt oder Hollingstedt versorgt. Auch angrenzende Teile der Kreise Dithmarschen und Rendsburg-Eckernförde gehören zumEinsatzggebiet. Alarmierungsprobleme gibt es nicht, originär wird der Wagen über die Leitstelle Nord in Harrislee eingesetzt. Die Einsatzverteilung? „Die meisten Einsätze fahren wir für Nordfriesland“, sagt Stephen Burmeister – und schätzt den Anteil auf 70 Prozent.

Ende November 2014 kam der nagelneue Rettungswagen – der fünfte seit Bestehen der Wache. Wenn tagsüber der Notarzt aus Rendsburg oder Niebüll per Hubschrauber einfliegt, dann wartet auf dem Landeplatz vor der Wache ein einsatzbereites Fahrzeug der Süderstapeler Feuerwehr, der den Mediziner an Bord nimmt und zum Einsatzort bringt. Das klappt seit einigen Monaten gut.

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