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Erdmanns Lebenserinnerungen : „Eine Reise mache ich noch“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Weltumsegler Wilfried Erdmann stellt heute seine Memoiren unter dem Titel „Ich greife den Wind“ vor. Der Abenteurer aus Goltoft berichtet aus fast 50 Jahre auf den Weltmeeren und gibt auch Blicke in sein Privatleben.

Wilfried Erdmann bekommt noch einen großen Auftritt: Deutschlands bekanntester Segler stellt ab heute auf der Düsseldorfer Messe „Boot“ sein neues Buch vor. Mehr als ein Dutzend Bücher hat der Abenteurer schon geschrieben und es waren echte Bestseller darunter. Fast immer handeln sie von den Höhen und Tiefen einer spektakulären Schiffsreise – allein und nonstop mit einem 10-Meter-Boot gegen den Wind um die Welt, eine dreijährige Hochzeitsreise mit Ehefrau Astrid oder eine Reise entlang der Küsten in Mecklenburg-Vorpommern.

In seinem neuen Buch mit dem Titel „Ich greife den Wind“ dagegen bündelt Erdmann Erinnerungen aus fast 50 Jahren Streben nach Abenteuer, Freiheit und Einsamkeit. „Wenn es etwas im Leben gibt, das ich mehr liebe als alles andere, so ist es das Segeln übers Meer“, schreibt er in seinem Vorwort. Diese Einstellung schimmert durch jede Zeile.

Der Autor hat sich vier Jahre Zeit genommen für seine Memoiren – und gibt zu, dass er sich zeitweise gequält hat. Dennoch ist ihm ein Buch gelungen, das dem Leser einen guten Einblick in ein verrücktes, spektakuläres und in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Leben bietet.

Was Wilfried Erdmann antreibt, zeigen schon die ersten Kapitel. Mit 17 Jahren verließ er mit seinem Diamant-Fahrrad die Familie in Mecklenburg-Vorpommern um sich seinen Kindheitstraum zu erfüllen und nach Indien zu radeln – kaum Geld in der Tasche und ziemlich unbedarft, aber neugierig und voller Tatkraft, Optimismus und Sehnsucht nach Ergebnissen. Über Italien, Ägypten, Libanon, Syrien, Irak, Persien und Pakistan erreichte er sein Traumziel. „Heute könnte man so etwas nicht mehr machen“, sagt Erdmann im Rückblick auf die Mitte der 1950-er Jahre. Damals aber wurde er fast überall herzlich aufgenommen, bekam Schlafplätze angeboten und genügend zu essen, um zu überleben.

Bei einer Bootstour mit zwei hübschen englisch-indischen Mädchen wurde zudem Erdmanns Wunsch geboren, allein um die Welt zu segeln. Es dauerte allerdings einige Jahre, bis er auf Handelsschiffen genügend Geld verdient hatte, um sich seine erste „Kathena“ zu kaufen. Die anschließende Reise dauerte fast drei Jahre und endete im Hafen von Helgoland, wo dem jungen Weltumsegler zunächst niemand glauben wollte, dass er auf direktem Weg aus Kapstadt gekommen war.

Es folgten die Hochzeit mit Astrid, die Geburt des Sohnes Kym, der Hauskauf in Goltoft an der Schlei – und viele weitere Reisen.

Die letzte große Reise hat Wilfried Erdmann vor mehr als zehn Jahren unternommen, das Buch darüber wurde zu einem Bestseller. Jetzt sind die faszinierenden Memoiren auf dem Markt. Was kommt noch? „Goltoft ist eine goldene Wiese“, schreibt Erdmann. Aber es ist eben eine Wiese.

Wilfried Erdmann ist 73. Aber auf der Wiese neben dem Haus in Goltoft steht immer noch gut verpackt die „Kathema nui“. „Die ist noch gut in Schuss – und ich bekomme sie schnell wieder klar“, sagt Erdmann. Was ihm vorschwebt, ist eine Reise ohne alle Verpflichtungen – ohne Sponsoren, ohne Verlage, die ein Buch erwarten, ohne die Materialsammlung für Vorträge im Hinterkopf. Einfach frei und unbelastet. Und wo geht es hin? „Die Schlei ist ein tolles Segelrevier“, sagt Erdmann, der jedoch immer noch den Traum hat, eine große Atlantikschleife zu segeln. So oder so: Von der See kommt er nicht los. „Eine Reise mache ich noch.“



 

„Ich greife den Wind“ von Wilfried Erdmann, Verlag Delius Klasing, 640 Seiten, 24,90 Euro.

ISBN 978-3-7688-3769-9.

 

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erstellt am 19.Jan.2014 | 13:00 Uhr

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