Noch bis Sonntag : Eine pulsierende Wikingerstadt

Edles Kunsthandwerk gab es auch schon bei den Wikingern. Vor den Augen der Besucher wird gehämmert, geschliffen und poliert. Foto: dj
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Edles Kunsthandwerk gab es auch schon bei den Wikingern. Vor den Augen der Besucher wird gehämmert, geschliffen und poliert. Foto: dj

Sommermarkt in Haithabu öffnete gestern seine Pforten / Bis Sonntag werden insgesamt mehr als 5000 Besucher erwartet

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11. August 2011, 10:28 Uhr

Schleswig | Wikinger sind nicht auf den Mund gefallen. "Was kochen Sie da für eine Suppe?" will ein Tourist von der Wikingerfrau Polle Widmaier wissen. "Wollen Sie mal probieren?" fragt diese und warnt: "Schmeckt schlecht und ergibt Durchfall". Der Besucher hat es nicht mit einer Köchin, sondern mit einer Stofffärberin zu tun. Und die dampfende Flüssigkeit im großen Kessel ist eben keine Suppe, sondern eine Beize - zwar aus natürlichen Zutaten angerührt, aber dennoch ungenießbar.

Es ist wieder Sommermarkt in Haithabu. Die Wikingerstadt am Haddebyer Noor erwacht zum Leben - so vielseitig, anspruchsvoll und vor allem authentisch, wie dies nur an diesem, von einem Halbkreiswall umgebenen Ort realisiert werden kann. So mag es gewesen sein vor 1000 Jahren, als die Wikinger Haithabu zu einer Metropole machten: Vor jedem Haus sitzen Handwerker und gehen konzentriert ihrer Arbeit nach, dazwischen wuseln neugierige Besucher herum, stellen Fragen, sichten das Warenangebot und gehen manchen Handel ein: Holzschwerter für die Kinder, edles Tuch für die Mama, ein Glas Met für den Papa. Der Sommermarkt bietet vieles von dem, was schon zur Wikingerzeit viele Händler aus ganz Europa in den Norden lockte.

Mittendrin befindet sich Ute Drews. Die Leiterin des Wikingermuseums und "Erfinderin" des Sommermarkts, kennt den Namen jedes einzelnen haupt- und ehrenamtlichen Mitwirkenden. Sie motiviert und organisiert - das Mobiltelefon stets in Griffnähe. Ihre Hauptaufgabe hat sie allerdings schon vor der gestrigen Eröffnung des Marktes erledigt: Ute Drews ist diejenige, die für die Qualität des Besuchermagnetes Haithabu verantwortlich ist. Und das bedeutet: Ein Handwerker, der in Haithabu mitmischen will, muss zuerst die Museumschefin von der Qualität seiner Arbeit überzeugen. "Und wenn seine Werkzeuge sich an den Originalfunden aus Haithabu orientieren, ist das für uns optimal", sagt sie.

Ute Drews will nichts Aufgesetztes, nichts Oberflächliches, nichts Künstliches. "Wir wollen nichts hochpuschen. Die Wikinger mochten es klein, fein und bescheiden." Drews toleriert eine moderne Uhr am Arm eines Wikingers, aber keine schlampige Arbeit. Und das bezieht sich auf alle Bereiche, auch auf die Gastronomie. Wer eine Pommesbude sucht, wird in Haithabu nicht fündig, dafür aber werden Lamm- und Hühnerfleisch serviert, frisch zubereitet am Spieß.

Das Konzept des Sommermarktes kommt offenbar gut an. Allein gestern wollten mehr als 1000 Menschen in die Wikingeratmosphäre eintauchen. Bis inklusive Sonntag (Öffnungszeiten: 9 bis 17 Uhr ) werden insgesamt mindestens 5000 Besucher erwartet. Mancher Museumsdirektor wird bewundernd (oder neidvoll) nach Haithabu blicken: An der Kasse gabs gestern sogar Warteschlangen.

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