Probenhaus auf der Freiheit : "Eine neue Musik-Szene"

'Besser als im Kieler Bunker'   finden'Brown Orange'-Sängerin Vivian Voss, Schlagzeuger Tobias Höhne  und Bassist Kevin Lehmann die Probe-Möglichkeiten in der früheren Bundeswehr-Fahrschule. Foto: schmidt
"Besser als im Kieler Bunker" finden"Brown Orange"-Sängerin Vivian Voss, Schlagzeuger Tobias Höhne und Bassist Kevin Lehmann die Probe-Möglichkeiten in der früheren Bundeswehr-Fahrschule. Foto: schmidt

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14. Februar 2011, 10:24 Uhr

Schleswig | Das Haus ist nicht leicht zu finden: Am östlichen Ende des früheren Kasernengeländes auf der Freiheit ist zwischen Schutthalden und Bauzäunen ein Treffpunkt für Musiker entstanden, wie er in der ganzen Region seinesgleichen sucht. Ein Gebäude, in dem früher die Bundeswehr-Fahrschule untergebracht war, dient seit gut einem Jahr als Probenhaus für inzwischen 24 Bands mit rund 120 Musikern. Überwiegend sind es junge Leute, teilweise Anfänger ohne jede Bühnenerfahrung. Aber auch die Profis der bundesweit erfolgreichen Punkband "Turbostaat" aus Flensburg steuern mit ihrem Tourbus regelmäßig die Schleswiger Freiheit an, um zu proben.

"Turbostaat" waren zwar nicht dabei, als der Verein Kulturnetz Schleswig jetzt zum Tag der offenen Tür ins Probenhaus eingeladen hatte, dafür präsentierten sich zahlreiche Bands aus Schleswig und Umgebung wie zum Beispiel "Stanley Hobo": Katharina Oye (20) beschreibt ihre Stilrichtung als "Gypsy Folk Rock". Sie und ihre Bandkollegen nutzen ihren Proberaum zweimal in der Woche für mehrere Stunden. Bevor es soweit war, mussten sie einiges leisten: Wände streichen, Teppich verlegen und das Türschloss auswechseln. "Zu Beginn war hier alles Rohbau. Wir haben die Räume selber gestaltet und renoviert. Ich hatte mir dafür sogar extra eine Woche frei genommen," sagt Daniel Carstensen (22) aus Lürschau. "Einige Löcher in der Wand mussten wir erst noch verputzen, und die Heizung funktionierte auch nicht."

Auch die Musiker von "Brown Orange" mussten Kälte aushalten bei den Renovierungsarbeiten im vergangenen Winter. "Wir haben in Thermo-Unterwäsche und Winterpelz Eierpappen an die Wand geklebt", erinnert sich Kevin Lehmann aus Dannewerk. Die Mühen haben sich gelohnt: Der Proberaum ist so gemütlich, dass der von Partybekanntschaft zum Schlagzeuger "aufgestiegene" Hamburger Tobias Höhne nach Proben schon mal da bleibt und auf dem Band-Sofa schläft. Sängerin Vivian Voss findet die Probemöglichkeiten jetzt "richtig gut" - gerade auch im vergleich zum Kieler "Bunker". Dort sei es kalt und feucht, und regelmäßig kämen dort Dinge abhanden.

Einmal in der Woche hat jede Band Klodienst. Das ist zwar nicht sehr beliebt, muss aber auch gemacht werden, da sind sich alle einig. Es herrscht ein freundliches Miteinander, die Musiker kennen sich, und man pflegt einen offenen Austausch. "Durch dieses Projekt ist eine richtige kleine Musikszene in Schleswig entstanden, die es in dieser Form vorher gar nicht gab", sagt Oke-Lukas Möller (18). "Man hilft und unterstützt sich gegenseitig und fährt auch zu Konzerten der anderen Bands mit."

Die Besucher beim Tag der offenen Tür, die nicht so zahlreich erschienen waren, wie die Veranstalter es sich erhofft hatten, zeigten sich von der kreativen Energie begeistert: "Wir sind total davon überrascht, was hier alles passiert. Für Schleswig ist das super", meinten Anette und Volker Lück aus Idstedt. Auch die "Skaterfreunde" stellten den Besuchern die Aktivitäten in ihrer Halle auf der Freiheit vor. Der Verein hat rund 150 Mitglieder, berichtete Vorstandsmitglied Arne Jöhnk. In der Skaterhalle bieten Rampen, Halfpipe, Rails und "perfekter Boden" Möglichkeiten, die Skater sonst erst wieder in Hamburg fänden, so Jöhnk.

Und wie lange wird das Ganze weitergehen? Volker Schlüschen, Geschäftsführer des Gelände-Eigentümers "Team Vivendi", spricht von einer "grundsätzlich temporären Geschichte" in den aktuellen Räumlichkeiten, stellt aber in Aussicht, dass das bestehende Angebot über eine Stiftung langfristig auf dem Gelände aufrecht erhalten werden könne, auch wenn der neue Stadtteil auf der Freiheit fertig gestellt ist.

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