Landrat Buschmann nach der Wiederwahl : „Eine neue Form des Umgangs“

Landrat Wolfgang Buschmann in seinem Büro – er leitet die Kreisverwaltung mit 850 Mitarbeitern.
Landrat Wolfgang Buschmann in seinem Büro – er leitet die Kreisverwaltung mit 850 Mitarbeitern.

Zwischen Schuldenab- und Vertrauensaufbau: Landrat Wolfgang Buschmann zieht Bilanz seiner ersten Amtszeit und schaut in die Zukunft.

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20. Dezember 2017, 16:59 Uhr

Dass Landrat Wolfgang Buschmann für den Rück- und Ausblick auf seine Arbeit ausgerechnet die Tage zwischen seiner Wiederwahl und Weihnachten wählte, ist kein Zufall – so vermied er den Verdacht, „Wahlkampf“ zu betreiben und konnte gleichzeitig Geschenke in Form von guten Nachrichten verteilen.

Die Vorzeichen für seine erste Amtsperiode, die im Mai 2012 begann, seien voller „Herausforderungen“ gewesen, wie Buschmann in freundlichen Worten formuliert. „Ich war überrascht, wie viele Themen es zu bearbeiten gab. Es war eine schwierige Situation.“ Der Haushalt des Kreises wies damals rund 90 Millionen Euro Schulden aus, die aus der Struktur der Verwaltung resultierten. „Bei diesen Zahlen war klar, dass der Haushalt konsolidiert werden musste“, so Buschmann im Rückblick. Keine einfache Aufgabe, zumal der Verhältnis zwischen der Kreisverwaltung und der Kreispolitik einerseits und den Gemeinden andererseits nicht ideal, sondern eher von Misstrauen geprägt war, wie der damals neue Landrat feststellen musste. Es sei ihm klar gewesen, dass dieses Misstrauen nur durch Transparenz zu beseitigen sei, sagt Buschmann heute. Den besten Beweis dafür sieht er in der Zustimmung der meisten Gemeinden zu der Erhöhung der Kreisumlage, die in engem Zusammenhang mit dem Schuldenabbau steht. Der Landrat besuchte fast alle Gemeindevertretungen und erläuterte, warum diese Erhöhung notwendig sei, gewährte Einblick in die Zahlen des Kreises und machte Zugeständnisse. „Eine neue Form des Umgangs“, nennt Buschmann das. „Wir arbeiten mit dem Geld der kommunalen Familie, wir sind auf einander angewiesen. Das geht nur auf Augenhöhe.“

Rund 2,3 Millionen Euro benötigte der Kreis, um die Konsolidierungs-Bedingungen des Landes zu erfüllen und weiterhin jährlich 8 bis 10 Millionen Euro vom Land zu kassieren – eine der Voraussetzungen ist, dass der Kreis selbst rund 12 Millionen Euro einspart oder zusätzlich einnimmt. Um dieses Ziel zu erreichen, fehlten 2,3 Millionen Euro. Der Landrat überzeugte die meisten Gemeinden. Die Kreisumlage wird um 0,91 Prozentpunkte erhöht. Die Erhöhung wird 2020 wieder zurückgedreht, in der Verwaltung müssen zudem 22 Stellen eingespart werden.

Was die Schulden betrifft, ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. „Ende 2018“, so Buschmann, „werden wir bei 37,2 Millionen liegen – und das ist vornehmlich Geld, das wir in die Zukunft investieren. “ Der Landrat gibt zu, dass die gute Konjunktur mächtig mitgeholfen hat. „Das wäre sonst ungleich schwieriger geworden“, sagte er

Als wichtigste Aufgaben in der ablaufenden Amtszeit betrachtet Buschmann unter anderem die Neuorganisation der Verwaltung, die Regionale Integration, die Vogelgrippe, das Schleswiger Theater und die Flüchtlingsthematik. Als Fehler bezeichnet der Landrat im Nachhinein den Streit um das Danewerk. „Das ist zu früh in die Öffentlichkeit geraten. Ich habe mich mit Herrn Christiansen vom SSF in einen Rausch geredet. Und plötzlich ging es nur noch um Geld und das deutsch-dänische Verhältnis. Da habe ich die emotionale Seite unterschätzt. Das ärgert mich im Nachhinein.“ Inzwischen aber werde der Erhalt des Danewerk wieder unter dem musealen Aspekt diskutiert.

Insgesamt sieht Wolfgang Buschmann den Kreis in einer guten Ausgangslage: Es gebe unter den Akteuren wieder eine Vertrauensbasis und der Haushalt sehe auch ganz gut aus. Allerdings kaum gut genug, um beispielsweise die Kreisstraßen in Ordnung zu bringen. „Dabei brauchen wir Hilfe“, so Buschmann. Die nächsten Jahre wolle er nutzen, um zu gestalten. „Wir sind lange auf Sicht gefahren, jetzt geht es darum, in die weitere Zukunft zu blicken.“ Dafür aber ist in erster Linie Geld notwendig. Viel Geld. Nicht nur für die Straßen, auch für Projekte wie das Internat des Berufsbildungszentrums.

In den nächsten Jahren will sich der Kreis selbst sein finanzielles Polster verschaffen, um wieder wirklich handlungsfähig zu werden. Buschmann: „Das werden bestimmt keine Geldspeicher wie bei Dagobert Duck, aber hoffentlich genug, um wieder selbst gestalten zu können.“

Ganz oben auf der Liste der kommenden Aufgaben steht für Buschmann das „kommunale Integrationsmanagement“. „Wir können nicht die Fehler der 1970er und -80er Jahre wiederholen und die Flüchtlinge sich selbst überlassen. Da hat die Integration nicht funktioniert. Es geht darum, die jungen Menschen schnell in Ausbildung und Beruf zu bekommen.“

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