Zum Tode von Prof. Reimer Witt : Eine imposante Persönlichkeit

Historiker aus Leidenschaft und überzeugter Friedrichsberger: Professor Dr. Reimer Witt.
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Historiker aus Leidenschaft und überzeugter Friedrichsberger: Professor Dr. Reimer Witt.

Prof. Reimer Witt, der frühere Direktor des Landesarchivs, starb im Alter von 76 Jahren.

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12. Januar 2018, 07:59 Uhr

Wenn Professor Dr. Reimer Witt eine Rede hielt, dann hingen die Zuhörer förmlich an seinen Lippen. Der langjährige Direktor des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs war nicht nur ein Meister seines Faches, sondern auch ein glänzender Rhetoriker. Und vor allem konnte er eines vermitteln: Leidenschaft für eine Sache. Egal ob es dabei um wissenschaftliche Themen ging oder um „seinen“ Stadtteil Friedrichsberg, um den er sich nicht zuletzt als Vorsitzender des dortigen Bürgervereins große Verdienste erworben hat. Nun ist Witt am vergangenen Sonnabend im Alter von 76 Jahren gestorben.

Dass der 1941 in Heide geborene Reimer Witt eine wissenschaftliche Karriere einschlagen würde, das war alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Sein Vater war im Krieg gefallen, seine Mutter arbeitete als Hutmacherin. Da brauchte es schon die vehemente Fürsprache seines Grundschullehrers, damit der Junge aus bescheidenen Verhältnissen aufs Gymnasium gehen und 1961 sein Abitur machen konnte.

In Kiel studierte er anschließend Latein und Geschichte. 1967 kam er bei der Recherche für seine Examensarbeit über die Landschaft Norderdithmarschen in gottorfischer Zeit erstmals in engeren Kontakt mit dem Landesarchiv. Und diese Verbindung sollte fortan nicht mehr abreißen. Als Witt 1970 als Archivreferendar nach Schleswig kam, hatte er mit der Schleistadt zugleich eine neue Heimat gefunden. 1984 übernahm er die Leitung des Landesarchivs, den Direktorenposten behielt er bis zu seiner Pensionierung 2006. In seine Amtszeit fiel der Umbau des Schleswiger Prinzenpalais zum neuen Sitz des Landesarchivs samt Errichtung eines modernen Magazinbaus. Er organisierte durch Vorträge begleitete Ausstellungen im Haus, und auch der Aufbau eines Filmarchivs erfolgte auf seine Initiative hin.

Zudem wirkte er nach dem Mauerfall am Aufbau der Archive in den neuen Bundesländern mit, und auch international machte er sich um das Archivwesen verdient. 1999 verlieh ihm das Land Schleswig-Holstein den Ehrenprofessorentitel.

Auch im Ruhestand lag Reimer Witt die Erforschung, Bewahrung und Weitergabe der Geschichte des Landes am Herzen. Als Vortragsredner blieb er stets gefragt. Vor allem aber fand er nun auch Zeit, sich noch stärker für Schleswig und vor allem den Friedrichsberg einzusetzen. So übernahm er 2006 den Vorsitz im Bürgerverein. „Er war unsere treibende Kraft und wurde wegen seines Engagements und seines großen Wissens von allen geschätzt“, sagt sein Stellvertreter Tim Stöver. Und: „Er war ein überzeugter Friedrichsberger.“

Auf anderer Ebene brachte sich Witt ebenfalls zum Wohle der Gesellschaft ein. 36 Jahre lang gehörte er dem Lions-Club Schleswig an, wo er zum Beispiel federführend die Seniorennachmittage organisierte. Die Belange älterer Bürger hatte er zudem als Mitglied des Seniorenbeirates der Stadt im Blick.

„Reimer Witts Tod hat uns alle betroffen gemacht“, sagt Professor Dr. Dr. Rainer Hering, sein Nachfolger als Leiter des Landesarchivs. Viele der rund 40 Mitarbeiter seien bereits unter Witt im Prinzenpalais tätig gewesen.

Den Vorsitz im Friedrichsberger Bürgerverein wollte der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder aus gesundheitlichen Gründen im Laufe dieses Jahres abgegeben. Am kommenden Montag hätte er beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Stadt und der beiden Bürgervereine ein letztes Mal die Gäste begrüßen sollen. „Mit Reimer Witt haben wir eine imposante Persönlichkeit verloren“, sagt Tim Stöver.

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