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Schleswiger Dom : Eine Hochzeit wie im Mittelalter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Juliana und Falco Pirkstin feierten am Wochenende mit 75 Edelleuten im Schleswiger St. Petri-Dom.

Für 75 Hochzeitsgäste wurde die kirchliche Trauung von Juliana (25) und Falco Pirkstin (30) zu eine Zeitreise ins Mittelalter. „Seit 2010 sind Mittelaltermärkte unser gemeinsames Hobby“, erklärte das junge Brautpaar, das seit sechs Jahren zusammen ist. Und da sie sich von Dompastorin Christiana Lasch-Pittkowski in den Gewändern mittelalterlicher Edelleute trauen lassen wollten, wünschten sie sich, „dass sich auch unsere Gäste so kleiden“.

Diesem Wunsch kamen Familie und Freunde mit Freude nach. Besonders ins Auge stach die farbenfrohe Kleidung von Hans-Werner Pirkstin, dem Onkel des Bräutigams. Im pastellfarbenen Rüschenhemd samt lindgrünem Umhang mit kräftigen violetten Akzenten schien er sich rundum wohlzufühlen. „Ich habe die Kleidung im Internet bestellt und verkörpere einen Barden“, erklärte er und gab zu, dass er das Wort erst hatte googeln müssen. Die Dichter und Sänger hatten gerade im Mittelalter ihre Hochzeit. In ein dunkelgrünes wallendes Kleid gehüllt war dagegen Judith Pirkstin, die sich ein wenig an Fasching erinnert fühlte. „Aber es ist ja nicht nur ein Gag für heute, sondern das Hobby vom Brautpaar, daher ist es etwas Besonderes“, meinte sie.

Dabei hätte sich das Brautpaar für seine Hochzeitsgesellschaft wahrlich keinen passenderen Ort als den altehrwürdigen St. Petri-Dom aussuchen können. Schließlich prägte das Mittelalter den Bau des 900 Jahre alten Kirchenhauses, dessen Anfänge ebenfalls in diese Zeit fielen, wie Pastorin Christiana Lasch-Pittkowski betonte. Diese besondere Atmosphäre war einer der Gründe, warum sich das Brautpaar aus Oeversee für den Schleswiger Dom entschieden hatte. Eine mittelalterliche Hochzeit „bietet sich hier einfach an“, meinte auch Dieter Pirkstin, Vater des Bräutigams.

Beim anschließenden Umtrunk im Schwahl – ausgeschenkt wurde nicht etwa Sekt, sondern Met – freute sich der fünffache Vater: „Er ist der Vierte, der unter die Haube kommt.“ Dass sich die ganze Familie dafür besonders in Schale warf, hatte er mit großer Spannung erwartet: „Man kennt die Familienmitglieder ja sonst anders.“ Angesichts der Viefalt an Kleidern und Kostümen zeigte er sich begeistert: „Das ist richtig toll. Sonst tragen wir ja nur Schlips und Kragen, das hier ist mal was anderes.“ Sein eigenes Outfit hatte er im Schleswiger Stadtweg bei Thors Schmiede gekauft.

Dabei ging es nicht ums Verkleiden, sondern um das wirkliche Erleben des Mittelalters. Daher erhielten die Gäste eine Lehrstunde in Sachen mittealterlicher Etikette. Während das Brautpaar im sonnigen Innenhof des Doms fotografiert wurde – vor Digitalkameras hatte die Zeitreise ebenso Halt gemacht wie vor eleganten Sandaletten – gab das Quartett von „Pech und Schwefel“ im Schwahl Unterricht im Paartanz der etwas anderen Art. Nachdem sich die Tanzpaare in einer langen Reihe aufgestellt hatten, ermahnte sie Jens Nielsen zu Beginn: „Ich bitte euch alle, benehmt euch standesgemäß.“ Das hieß für die Herren Kopf hoch und Rücken gerade – die Damen hatten den Blick züchtig auf den Boden zu senken.

Dann ging der Tanz los: erst mehrere Schritte nach rechts, dann das gleiche zurück nach links. „Wenn es neben euch verdächtig quiekt, seid ihr eurem Nebenmann aufgesessen“, schmunzelte Nielsen. Schon beim dritten Tanz fingen einige zu schwitzen an. Nicht, weil im Mittelalter so ein flotter Tanzstil gepflegt wurde, sondern weil sie Schwierigkeiten hatten, der Erklärung zu folgen – auch das vornehme Schreiten sollte so mancher noch üben.

Doch die strahlenden Gesichter machten deutlich: Der Spaßfaktor war enorm hoch. Daran sollte auch die nächste Ankündigung von Jens Nielsen nichts ändern: „Und denkt daran, wir sehen uns im Laufe des Tages bestimmt nochmal wieder.“ Denn auch bei der Feier in der Wikingerschänke sorgte das Quartett für mittelalterliche Unterhaltung.

Nach der Feier traten Juliana und Falco Pirkstin die nächste Reise an: Die führt sie heute allerdings nicht ins Mittelalter, sondern in ihre Flitterwochen nach Rom.

 

 

 

 

 

 

 

 

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