Eine großherzige Wohltäterin

Halb lebensgroß und mit Witwenhaube auf dem Kopf - so ist Elisabeth Beling in einem Epitaph in der Friedrichsberger Dreifaltigkeitskirche dargestellt. Foto: bph
Halb lebensgroß und mit Witwenhaube auf dem Kopf - so ist Elisabeth Beling in einem Epitaph in der Friedrichsberger Dreifaltigkeitskirche dargestellt. Foto: bph

Elisabeth Beling (1595 bis 1679) stiftete die Friedrichsberger Kirche / Heute ist das Pastorat am Husumer Baum nach ihr benannt

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18. September 2012, 07:10 Uhr

SCHLESWIG | Das Pastorat der Kirchengemeinde Friedrichsberg im Husumer Baum trägt ihren Namen: Elisabeth Beling war eine großherzige Stifterin und Wohltäterin, die sich im 17. Jahrhundert im besonderen Maße im kirchlichen Bereich engagierte. Auch in der Angeliter Gemeinde Satrup ist eine Sozialeinrichtung, die ursprünglich auf ihre Initiative zurückgeht, nach ihr benannt: das Elisabeth-Beling-Stift. Ihre generösen Stiftungen widmete die vermögende Frau dem Andenken an ihren gestorbenen Mann Bonifacius Beling, einen in dänischen Diensten gestandenen Offizier und Rittmeister, und ihren Sohn Oswald, der - an Pocken erkrankt - früh verstarb.

Über die Herkunft von Elisabeth Beling liegen keine Informationen vor. Geboren wurde sie am 7. Januar 1595 an einem unbekannten Ort. Offenbar kam sie als junges, unbemitteltes Mädchen nach Schleswig. Im Friedrichsberg, damals noch "Cratzenberg" genannt, soll sie ihren Lebensunterhalt dadurch bestritten haben, dass sie bei Hofbeamten und Offizieren als Gesellschafterin Dienst tat. Sie heiratete den Offizier Bonifacius Beling und zog mit ihm nach Itzehoe, wo 1625 ihr Sohn Oswald geboren wurde. Der Junior schlug beruflich ebenfalls die militärische Laufbahn ein, besaß zudem ein literarisches Talent, das von dem Gottorfer Hofgelehrten Adam Olearius gefördert wurde.

Im Jahre 1630 starb Bonifacius Beling. Seine Witwe fand zunächst Aufnahme im Hause des Generalmajors Hieornymus Plesse auf Gut Beckhof bei Itzehoe. Elisabeth Belings Sohn wurde von dem Gutsherrn an Sohnes Statt angenommen. Oswald Beling wurde Soldat und kämpfte auf dänischer Seite im schwedisch-dänischen Krieg. Daraufhin trat er in hessische Dienste ein. 1646 starb er als erst 21-Jähriger in Kassel, betrauert auch von seinem Schleswiger Förderer Olearius, der seinem Schüler ein gedrucktes "Grab- und Ehrengedächtniß" widmete.

Die gottesfürchtige Elisabeth Beling, der ein großes Vermögen zugefallen war, entschied sich, dieses Kapital für Stiftungen und Legate zugunsten der Kirche und bedürftiger Menschen einzusetzen. 1650/51 ließ sie zur Erinnerung an ihren Mann und ihren Sohn die Friedrichsberger Dreifaltigkeitskirche errichten. Sie soll schon in jungen Jahren, veranlasst "durch den langen Kirchweg nach Haddebye", den sie sonntäglich machte, geäußert haben, wenn sie reich würde, wolle sie für Friedrichsberg eine eigene Kirche erbauen, wie es in einer 1841 erschienenen Beschreibung kirchlicher Einrichtungen im Herzogtum Schleswig heißt. Olearius legte den Grundstein für den Neubau. In der Stiftungsurkunde hatte sich Elisabeth Beling verpflichtet, die Kosten für das Baumaterial, die Löhne für die Mauer- und Zimmerleute, den Altar, den Predigtstuhl, den Beichtstuhl und zwei Glocken zu finanzieren.

Das Epitaph der Familie Beling an der Nordwand der Kirche - ein ornamentaler Knorpelwerk-Aufbau - wird der Werkstatt des Bildschnitzers Hans Gudewerdt dem Jüngeren zugeschrieben. Seitlich auf Konsolen stehen drei halb lebensgroße Freifiguren, die die Stifterin mit der Witwenhaube auf dem Kopf, ihren Mann und ihren Sohn, beide mit langen Allongeperücken, Rüstungen und Stulpenstiefeln, darstellen.

Elisabeth Beling stiftete ferner ein Legat "zur besseren Unterhaltung der Pastoren zu Friedrichsberg" und förderte weitere kirchliche Einrichtungen. Der Schleswiger Jurist und Schriftsteller Carl Friedrich Heiberg notierte 1835, dass sich Elisabeth Beling in der Nähe der Kirche ein Haus bauen ließ, "welches sie, so lange sie lebte, zu ihrer Wohnung, nach ihrem Tode aber zu einem Armenhaus für die Friedrichsberger Gemeinde bestimmte". Darin war Platz für fünf bedürftige Frauen.

Die Kirchengemeinde von Satrup beglückte sie mit einer nennenswerten Geldspende, verbunden mit der Auflage, "unfern der Kirche auf einem dazu bequemen Platz ein kleines Armenhaus, worin sich sechs Personen füglich aufhalten und wohnen können", zu errichten. Elisabeth Beling starb am 24. November 1679 in Schleswig. Bestattet wurde sie in "ihrer" Kirche im Friedrichsberg.

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