Offener Regenwasserschacht : Eine Fallgrube auf der Freiheit

Mit vereinten Kräften bugsieren Michael Mann, sein Vater Eddy und ein Passant (von links) den schweren Gullydeckel zurück an seinen rechten Platz.
Mit vereinten Kräften bugsieren Michael Mann, sein Vater Eddy und ein Passant (von links) den schweren Gullydeckel zurück an seinen rechten Platz.

Spaziergänger in Schleswig entdecken auf der Freiheit einen geöffneten Regenwasserschacht. Team Vivendi will Gelände trotz möglicher Gefahren nicht abriegeln.

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30. Dezember 2014, 07:42 Uhr

Ute Mann ist noch immer fassungslos, wenn sie an ihren Weihnachtsspaziergang denkt. Gemeinsam mit ihrem Mann Eddy und den Kindern samt Familien war die 74-jährige Schleswigerin am Freitag auf dem Gelände der Freiheit unterwegs. Als sie aus Richtung der Mühle kommend den kürzesten Weg zum Schleiufer wählte, bremste sie nur wenige Meter von der Straße entfernt abrupt ab. „Da sah ich plötzlich dieses Loch vor mir.“ Einen offenen Regenwasserschacht, mehrere Meter tief, der leicht zur Fallgrube für die drei, acht und zwölf Jahre alten Enkelkinder oder sonst jemanden hätte werden können. Der schwere Gullydeckel lag daneben – und das wohl schon länger, wie Eddy Mann (78) vermutet. „Der war ja schon ganz zugewachsen.“

Ohne Hilfsmittel war der Betondeckel nicht zu bewegen. Also zogen die Manns erst einmal von dannen. Doch das gefährliche Loch ließ ihnen keine Ruhe. „Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen“, sagt Ute Mann. Was, wann jemand in das Loch stürzt? Weil am Wochenende in der Regel ohnehin niemand zu erreichen sei, ergriffen ihr Mann Eddy und Sohn Michael (48) tags darauf vorsorglich selbst die Initiative. Sie packten Kuhfuß und Spaten ein, fuhren auf die Freiheit und hebelten den Deckel mit vereinten Kräften zurück auf den Gully. Dabei half ein zufällig vorbeikommender Passant tatkräftig mit.

Warum der Schacht geöffnet war – das bleibt derweil unklar. Ein Dumme-Jungen-Streich scheidet nach Ansicht von Eddy Mann aus. „Dafür ist der Gullydeckel zu schwer.“ Michael Radtke, Sprecher der Gesellschaft Team Vivendi, der die Freiheit gehört, schließt Vandalismus hingegen nicht aus. Im östlichen Teil des ehemaligen Kasernenareals hätten Unbekannte gelegentlich auf verschiedene Art und Weise ihr Unwesen getrieben. Radtke hält es jedoch auch für möglich, dass der starke Regen der vergangenen Tage der Verursacher ist. „Eine solche Wetterlage hat auch früher schon einmal zum Anheben von entsprechenden Kanalabdeckungen geführt.“

Der Team-Vivendi-Sprecher weist zudem darauf hin, dass das Gelände östlich der A.P.-Møller-Schule an beiden Hauptzufahrtswegen als „Privatweg“ und „Baustelle“ gekennzeichnet sei. „Der Zutritt zu einer Baustelle erfolgt bekanntlich turnusmäßig auf eigene Gefahr. Insofern trägt jeder, der dieses Privatgelände betritt, falls er Gelände-bedingt verunfallen sollte, zumindest eine Mithaftung.“ Dennoch werde das Gelände in unregelmäßigen Abständen durch Personal von Team Vivendi kontrolliert. Um mögliche Unfälle gänzlich auszuschließen, müsste der Eigentümer den Zugang zum östlichen Teil der Freiheit komplett abriegeln, so Radtke weiter. „Das aber will Team Vivendi den Schleswigern, die gerne und zahlreich mit Interesse das Gelände frequentieren, nicht zumuten.“

Ute und Eddy Mann sind zunächst einmal nur froh, dass sie den offenen Gully entdeckt und mit ihrem Handeln möglicherweise einen schlimmen Unfall verhindert haben. „Das war unsere letzte gute Tat in diesem Jahr“, sagt die 74-Jährige mit einem Augenzwinkern.

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