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Schleswiger Nachrichten

18. August 2017 | 09:22 Uhr

Frau Hauptmann : Eine Chefin für 164 Soldaten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Als erste Frau hat die 31-jährige Kathrin Schmidt beim Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ die Leitung einer Staffel übernommen.

Wie heißt es denn nun eigentlich? Frau Hauptmann, einfach nur Hauptmann oder gar Hauptfrau? Die letzte dieser drei Varianten fällt bei Kathrin Schmidt komplett durch: „Das geht gar nicht!“ Hauptmann sei sie, egal ob mit oder ohne Frau davor. So oder so ist die 31-Jährige zurzeit die Frau mit dem höchsten Offiziers-Dienstgrad im Taktischen Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ – und gleichzeitig die einzige weibliche Soldatin, die eine Chefposition inne hat. Obwohl sie erst seit wenigen Wochen im Norden stationiert ist.

Zum Jahreswechsel hat Kathrin Schmidt die Leitung der Nachschub- und Transportstaffel des Geschwaders übernommen. Keine leichte Aufgabe, wie sie betont. Denn die Staffel versteht sich als Dienstleister für das gesamte Geschwader. Entsprechend vielfältig sind die Aufgabenbereiche. Von der Ersatzteilversorgung und der Bestellung sowie Verteilung von Betriebsstoffen und Munition über die Bereiche Feldküche, Lager, Personal oder Reparaturen bis hin zum Schneeräumen der Start- und Landebahnen auf dem Jageler Flugplatz ist alles dabei. „Die Staffel ist über beide Standorte, Kropp und Jagel, verteilt. Man kommt also viel herum und hat vielfältige Aufgaben zu erledigen. Langweilig wird es nicht“, betont Kathrin Schmidt. Noch sei sie zwar in der Einarbeitungsphase. Aber nach und nach lerne sie ihren neuen Posten, bei dem sie 164 Soldaten und 30 zivile Mitarbeiter unter sich hat, kennen und schätzen. „Da ich hier super aufgenommen wurde, fällt mir das Einleben nicht schwer.“

Tatsächlich ist sie es gewohnt, sich neuen Aufgaben zu stellen und sich in neuen Teams zurecht zu finden. 2001, als die Bundeswehr sämtliche Laufbahnen für Frauen öffnete, war die im sächsischen Freiberg aufgewachsene Soldatin eine der ersten, die diesen Schritt wagte. Diese Entscheidung, die („trotz eines anfänglichen kurzen Zögerns“) auch von ihren Eltern mitgetragen wurde, habe sie bis heute nie bereut. Denn seit ihrem Eintritt in den Militärdienst ging es für die junge Frau auf der Karriereleiter stetig bergauf. Nach der Grundausbildung folgte ein Besuch der Offiziersschule in Fürstenfeldbruck. Dem schloss sich ein Wirtschaftsstudium an der Universität der Bundeswehr in München an. Über Stationen in Sachsen landete sie schließlich als Kompanie-Chefin bei einem Nato-Verband im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen. Nun wiederum hat sie – erstmals in ihrem Leben – die Zelte im Norden aufgeschlagen und in Schleswigs Innenstadt eine Wohnung bezogen.

Dort sei sie mittendrin im Leben, betont Kathrin Schmidt. Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Kino und die Schlei direkt vor der Haustür. „Perfekt“, wie sie sagt. Aber obwohl die Stadt eine lange (wenn auch inzwischen vergangene) Militärtradition hat, scheint auch hier der Anblick einer Frau in Uniform noch immer nicht alltäglich zu sein. „Der ein oder andere Nachbar hat sich schon gewundert“, erzählt Kathrin Schmidt, die sich selbst wiederum über diese Reaktionen wundert. „Ich bin jetzt seit 13 Jahren Soldatin. Für mich ist das längst ein ganz normaler Beruf“, sagt sie. Dass das Thema Frauen spätestens seit dem Dienstbeginn der neuen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, sei ihr zwar schon bewusst. „Aber für mich ist das recht unspektakulär. Wichtig sind die Dienstposten, nicht das Geschlecht.“ Auch habe sie als Frau bei der Bundeswehr bislang keine negativen Erfahrungen gemacht, „egal wo ich war“. „Und wenn mal ein Spruch kommt, muss man einfach dagegen halten“. Grenzen seien aber auch in solchen Fällen bislang nie überschritten worden.

Im Februar 2011 hatte zuletzt eine Frau als Mitglied des Jageler Luftwaffengeschwaders für großes öffentliches Aufsehen gesorgt. Damals hatte Oberleutnant Kirsten Blank als erste Tornado-Pilotin Schleswig-Holsteins ihren Dienst angetreten. Während sie jedoch nach Elternzeit und Wechsel des Dienstortes inzwischen einen Gang zurückgeschaltet hat, geht es für Kathrin Schmidt gerade erst richtig los. Und mit der Karriere soll mit dem Antritt des neuen Postens bei den „Immelmännern“ noch lange nicht Schluss sein. Läuft alles nach Plan, wird die junge Frau als nächstes zum Major befördert. Am Ende könnte der Dienstgrad des Oberstleutnants stehen. „Aber soweit will ich noch gar nicht denken“, betont Kathrin Schmidt.

 

 

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erstellt am 11.Feb.2014 | 12:45 Uhr

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