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Tankstellen-Räuber vor Gericht : Eine Brötchentüte für die Beute

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wie die Polizei dem Mann auf die Spur kam, der die Team-Tankstelle in Schleswig-St. Jürgen überfallen hat.

Vor dem Flensburger Landgericht müssen sich derzeit zwei Männer im Alter von 23 und 24 Jahren wegen eines Überfalls auf die Team-Tankstelle im Schleswiger Gewerbegebiet St. Jürgen verantworten. Das Urteil wird voraussichtlich erst im September fallen.

Wie die Tat abgelaufen ist, das ist nach den ersten Verhandlungstagen jedoch weitgehend klar. Gestern beschrieb Norbert Preuß, der Kripo-Beamte, der die Ermittlungen geleitet hatte, wie er und seine Kollegen den Verdächtigen auf die Spur kamen. Eine Hauptrolle bei der Aufklärung spielte das Fahndungsfoto, das am Freitag nach dem Überfall in den SN erschienen war. Eine Nebenrolle spielte ein Mann, der erst vor wenigen Wochen in demselben Gerichtssaal wegen eines anderen Überfalls auf der Anklagebank saß, in dem nun der Tankstellenüberfall verhandelt wird.

Es war ein Dienstagabend im Januar des vergangenen Jahres. Die Kassiererin in der Team-Tankstelle wollte um kurz vor 22 Uhr gerade Feierabend machen. Ein weiterer Tankstellen-Mitarbeiter hatte schon mit dem Aufräumen begonnen. Die Kassiererin hielt noch einen Plausch mit dem letzten Kunden, einem Bekannten von ihr, als plötzlich ein maskierter Mann den Raum betrat. Er hielt ihr eine Pistole vors Gesicht und verlangte das Geld aus der Kasse. Den Kunden und den anderen Tankstellen-Mitarbeiter forderte er auf, sich flach auf den Boden zu legen. Sie konnten nicht ahnen, dass der Räuber lediglich eine Schreckschusspistole hatte.

Er nahm dann das Geld aus der Kasse an sich. Es soll eine dreistellige Summe gewesen sein. Immerhin war es so viel, dass er es nicht einfach in die Jackentasche stecken konnte. Er verlangte einen Beutel – und bekam eine Brötchentüte. Dann lief er zu Fuß davon.

Die Polizei hatte zunächst keine heiße Spur. Zeugen sagten, sie hätten einen auffälligen weißen VW Polo beobachtet. Norbert Preuß: „Wir haben die Fahrzeughalterin überprüft. Es war eine ältere Dame, die vollkommen unverdächtig war.“

Aber es gab Bilder von der Überwachungskamera. Vom Gesicht des maskierten Täters war nichts zu erkennen, die Polizei entschloss sich dennoch zu einer Veröffentlichung. Und tatsächlich: Kaum war das Foto drei Tage nach dem Überfall in den Schleswiger Nachrichten erschienen, rief eine Leserin bei der Polizei an und berichtete, ihre Tochter habe den Täter an der auffälligen blau-schwarzen Jacke erkannt. Sie kam kurz darauf selbst in die Polizeistation und zeigte den Beamten ein Facebook-Foto, das den Mann, den sie in Verdacht hatte, in der gleichen auffälligen Jacke zeigte. Außerdem hatte sie kurz zuvor mitbekommen, wie er damit prahlte, dass er „etwas Größeres plant“ – und dass es dabei um eine Straftat gehen musste.

Norbert Preuß und seinen Kollegen war klar: Sie hatten eine heiße Spur. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte die Wohnung des Verdächtigen im Friedrichsberg. Dort fanden sie noch drei weitere Männer. Einer von ihnen wurde per Haftbefehl gesucht. „Den kannte ich noch aus meiner Zeit, als ich für jugendliche Intensivtäter zuständig war“, so Preuß. Der Mann mit der auffälligen Jacke stritt die Tat zunächst ab, nach ein paar Stunden legte er ein Geständnis ab. Er wurde wieder auf freien Fuß gelassen. Was er nicht wusste: Die Polizei überwachte von nun an sein Handy. Das erste Gespräch, das er führte, war auf Russisch. Danach rief er den Polizei-Notruf an. Er müsse seine Aussage dringend ergänzen, sagte er dem Mitarbeiter der Leitstelle in Harrislee, der den Notruf entgegennahm – und fragte nach Norbert Preuß. Preuß aber war schon im Feierabend und über die Leitstelle sowieso schwer zu erreichen.

Also meldete sich der Täter am nächsten Tag noch einmal bei der Kripo und erzählte: Sein per Haftbefehl gesuchter Kumpel, der in der Wohnung festgenommen wurde, sei der „Auftraggeber“ gewesen. Beim Überfall habe er unweit der Tankstelle – an der Einfahrt zur Wohneinrichtung Klappschau – Schmiere gestanden.

Inzwischen bekam Preuß auch eine Übersetzung des russischen Telefongesprächs auf den Tisch. Der Mann am anderen Telefon war jemand, der inzwischen selbst wegen Raubes verurteilt worden ist, nämlich wegen des Überfalls auf Mitarbeiterinnen des Fisch-Bistros Esch am Hafen. Man redete darüber, ob man den Komplizen, der Schmiere stand, verraten sollte. Der Angerufene war sehr dafür, was er gestern als Zeuge bestätigte: „Er selber hat auch schon oft andere verpfiffen, das weiß ich aus eigener Erfahrung.“

Mit einem anderen Tankstellenüberfall ebenfalls im Januar 2014 – in Jagel – haben die beiden Angeklagten vermutlich nichts zu tun. „Der Ablauf war zwar auffallend ähnlich“, sagte Norbert Preuß, „aber wir haben uns die Bilder von der Überwachungskamera genau angesehen: Der Täter hat eine völlig andere Größe und Statur.“

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erstellt am 12.Aug.2015 | 17:45 Uhr

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