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Auftritt in der „Heimat“ : Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Lydia Benecke – Straftäterpsychologin und Grufti – sprach über „Sadisten, Tödliche Liebe – Geschichten aus dem wahren Leben“.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2016 | 07:48 Uhr

Liebe, Sex, Gewalt und Mord: Bereits vor Beginn des einzigen Vortrages von Lydia Benecke in Schleswig-Holstein zu ihrem aktuellen Buch „Sadisten, Tödliche Liebe – Geschichten aus dem wahren Leben“ am Wochenende in der „Heimat“ war einen spannender Abend vorauszusehen. Ein Trailer stimmte dann zunächst auf die Thematik ein – mit verschiedenen Szenen von sadomasochistischen Handlungen bis hin zum festgenommenen Straftäter, der in einer Hündin seine unterworfene Gespielin sah. Den Unterschied von Sadomasochismus, einer sexuell geprägten Spielart (Benecke: „Eine sadistische Neigung kann etwas ganz normales sein“), und einem psychopathischen Sadismus machte die Straftäterpsychologin den rund 250 Gästen im Anschluss in Wort und Bild verständlich.

Benecke, die sich selbst als „Grufti“ bezeichnete, führte in ihrem mit Totenköpfen bedruckten Kleid mit ihrer sympathischen Art und einer Spur von schwarzem Humor kurzweilig durch das dreistündige Programm. Das Publikum selbst war Teil des Abends und konnte immer wieder Fragen stellen. Dabei beschäftigte es die Gäste, ob Mörder immer gleich Sadisten seien oder wie Leute therapiert werden könnten, die menschliches Fleisch essen. Ebenso kam die Frage danach, wann eine Neigung zu sadomasochistischen Handlungen entstehe. Die Therapeutin griff auf ihre langjährige, wissenschaftlich fundierten Studien zurück, in denen es sich nicht nur um Kriminalfälle handelte. Auch ihre Arbeit in einer Haftanstalt in Nordrhein-Westfalen mit schweren Straftätern bezog sie dabei ein. „Sie können den Leuten immer nur vor den Kopf gucken“, erklärte Lydia Benecke, „wenn man durch die Straßen geht, weiß man nicht, wer einem da entgegenkommt“.

Ein großer Unterschied zeige sich laut der Ermittlungsberaterin zwischen dem einvernehmlichen Sadomasochismus (SM) und dem nicht einvernehmlichen. Während die sexuelle Spielart für die freiwillig Beteiligten („Das sind oft ganz normale, nette Leute“) sich als völlig kontrollierte Vertrauenssache zeige, sei bei den Straftätern emotionale Kälte und unkontrollierter Realitätsverlust feststellbar. „Das Opfer ist für den Täter ein nutzloses Objekt“, erklärte Benecke. Vielen Serienmördern, von Karol Kot über Dennis Rader bis hin zu Johann „Jack“ Unterweger, hätte man nicht angesehen, was für psychopathische Fantasien sie hatten. Dennoch zeigten sich immer typische Lebensgeschichten bei den Straftätern. Emotionale, sexuelle sowie körperliche Misshandlungen waren laut Benecke bei den Straftätern selbst erfahrene Themen, die sie vom Opfer zum Täter machten.

Für die angehenden Psychologinnen Merle Haecker (21) und Marie-Luise Lenzner (21) war der Abend besonders durch das aufgezeigte Hintergrundwissen bei den vielen Fallbeispielen für ihr Studium interessant: „Wir haben vorher schon das Buch gelesen und viel darüber gesprochen. Durch den Vortrag hier ist alles noch greifbarer“, waren sich die beiden einig. Auch für Eva Kesting (47), die als Sekretärin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet, war die spontan besuchte Veranstaltung gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich (59) „ein Beitrag zum Verständnis der Thematik“.

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