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Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 06:15 Uhr

Schmid-Villa : „Ein wichtiges Signal“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Bauausschuss streicht das Wort „seniorengerecht“ und stimmt für einen Wohnkomplex auf dem Grundstück der Schmid-Villa am Stadthafen.

Der Busdorfer Projektentwickler Uwe Hahn ist seinem Ziel einen bedeutenden Schritt näher gekommen, auf dem Grundstück der Schmid-Villa am Stadthafen eine Anlage mit 50 seniorengerechten Wohnungen zu bauen. Der Bauausschuss empfahl gestern Nachmittag, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Nur der Grünen-Vertreter Steffen Hempel stimmte dagegen. „Die Pläne, die uns hier vorgelegt werden, sind völlig deplatziert“, sagte er, sprach sich dafür aus, das Gelände „für den boomenden Bereich des Fremdenverkehrs“ zu nutzen und erinnerte daran, dass sich der Ausschuss noch vor zwei Jahren einig gewesen sei, einen Wettbewerb ins Leben zu rufen, um Ideen für die Entwicklung des Uferbereichs am Hafen zu sammeln. Wenig später hatten dann die Stadtwerke die leer stehende Villa für 2,35 Millionen Euro gekauft.

Bürgermeister Arthur Christiansen verteidigte den Plan, das Haus samt Grundstück nun für einen noch nicht bezifferten Betrag weiterzuverkaufen: „Wir können dieses Grundstück nicht einfach ungenutzt liegen lassen. Wenn es in seiner jetzigen Form Entwicklungspotenzial hätte, wäre es von den Stadtwerken schon längst in Wert gesetzt worden.“

Dass das städtische Unternehmen die Villa unter diesen Umständen überhaupt gekauft hatte, verteidigte FDP-Ratsherr Jürgen Wenzel: „Der Wohnmobilplatz am Schleiufer hätte sich nicht entwickeln können, wenn sich die Eigentumsverhältnisse der Villa nicht geändert hätten.“ Er unterstützte den Plan, das erst vor 15 Jahren errichtete Gebäude abzureißen, plädierte aber dafür, sorgfältig zu überlegen, wie die geplante Wohnanlage in exponierter Lage zwischen Schlei und Dom aussehen sollte. „Vielleicht sollte man etwas bauen, was einen Architektenwettbewerb gewinnt.“

Eine solche Diskussion wollte der Ausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm (SPD) am liebsten noch gar nicht führen. Man stehe doch noch ganz am Anfang, betonte er immer wieder. „Zunächst einmal geht es nur darum, ob wir der Meinung sind, dass hier eine andere Bebauung möglich sein sollte als die bisherige. Darauf sollten wir uns in der Diskussion beschränken.“ In der Tat ist gestern noch keine Vorentscheidung über die genauen Ausmaße der Neubauten, über die Gestalt der Fassaden und andere Details gefallen. Auch die Denkmalschützer haben sich noch nicht geäußert.

Dass die Diskussion im Ausschuss dennoch nicht so allgemein blieb, wie es Bosholm erhofft hatte, das hatte auch damit zu tun, dass Hahn schon ganz konkrete Zeichnungen seines geplanten Wohnkomplexes vorgelegt hatte. Sie lagen der Beschlussvorlage bei, die die Verwaltung den Kommunalpolitikern an die Hand gegeben hatte. An dieser Vorlage nahm der Ausschuss nur eine einzige Änderung vor: Aus „50 seniorengerechten Wohneinheiten“ wurden schlicht „50 Wohneinheiten“. Die Idee, das Wort „seniorengerecht“ einfach wegzulassen, kam vom Bürgermeister. Es führe zu Missverständnissen, meinte er. Schließlich sei kein Altenheim geplant.

Uwe Hahn nahm die Streichung gelassen: „Solange die Leute einen Pflegedienst bestellen dürfen, ist es mir egal, ob es ,Seniorenwohnung‘ heißt.“ Auch möchte er weiterhin Fahrstühle einbauen. Auch Christiansen ließ keinen Zweifel daran, dass wohl in erster Linie ältere Menschen in den neuen Häusern wohnen werden. „Wir haben einen erheblichen Bedarf an Wohnraum für Personen, die nicht mehr ihr Einfamilienhaus mit Grundstück bewirtschaften wollen und die nah an den Versorgungseinrichtungen der Kreisstadt leben möchten.“ Schaffe man entsprechende Angebote, komme dies auch den Jüngeren zugute. „Denn die Häuser, die frei werden, weil die älteren Menschen in die Stadt ziehen, sind bei jungen Familien sehr gefragt.“

Dass der Ausschuss den Plänen mit großer Mehrheit zustimmte, registrierte der Bürgermeister mit Genugtuung: „Wir senden ein Signal, dass wir das Grundstück nicht einfach liegen lassen, nur weil der Widerstand zu groß ist und irgendwelche Leute rumquaken.“

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erstellt am 29.Okt.2014 | 07:36 Uhr

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