Strandsegeln : Ein Weltmeister auf Abenteuer-Tour

Bis kurz vor seiner Abreise nach Amerika werkeln Sven Kraja und seine Mitarbeiterin Diana Wagner an neuen Segeln. Hier schneiden sie Teile zu.
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Bis kurz vor seiner Abreise nach Amerika werkeln Sven Kraja und seine Mitarbeiterin Diana Wagner an neuen Segeln. Hier schneiden sie Teile zu.

Der Schleswiger Sven Kraja will seinen Titel bei der Strandsegel-WM in den USA verteidigen – und fährt mit einem alten Bus zu den Wettkämpfen.

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29. Juni 2014, 06:58 Uhr

In seiner Werkstatt am Wikingturm trifft Sven Kraja die letzten Vorbereitungen für das Abenteuer Amerika. Sorgfältig bastelt er gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Diana Wagner an einem neuen Segel. „Wir erwarten bei der Weltmeisterschaft starken Wind. Da brauchen wir kleine Segel. Die kommen noch mit ins Handgepäck.“

Sven Kraja ist Weltmeister im Strandsegeln. Vor zwei Jahren siegte der Schleswiger bei den Wettkämpfen an der französischen Atlantikküste in der „Miniyachtklasse“. Mitte Juli will der 43-Jährige nun seinen Titel im US-Bundesstaat Nevada verteidigen. Auf einem ausgetrockneten Fluss. In der Wüste statt auf einem Strand. Die Amerikaner sprechen deshalb auch von „Landsailing“.

„Es wird ein Abenteuer“, betont Kraja und fährt sich mit der Hand durchs lange, zottelige Haar. „Wir fahren sonst immer am Wasser, haben da auch weichen Sand.“ In Nevada erwartet ihn und seine 15 deutschen Teamkollegen eine knallharte Piste. „Das ist wie Beton. Da schaffen wir bis zu 120 Stundenkilometer. Und die großen Typen sind noch schneller“, sagt Kraja. „Ich hoffe, dass wir uns keine Knochen brechen.“ Eigentlich sei Strandsegeln ja keine besonders gefährliche Sportart. Aber in der Wüste ist nunmal alles anders als am Strand. „Es gibt stark drehende Winde und sogar Wirbelstürme. Dazu kommt die große Hitze.“ Absolut kein Vergleich zu seinem Trainingsrevier in St. Peter-Ording.

Ein Abenteuer ist schon die Reise zur WM. Kraja, seine Freundin Gitta Steinmann (Europameisterin in der Miniyachtklasse) und einige weitere Kollegen fahren mit einem umgebauten Linienbus zu den Titelkämpfen. Das 25 Jahre alte Gefährt ist samt Ausrüstung bereits per Schiff auf dem Weg in die USA, soll am Montag in Baltimore eintreffen. Am Donnerstag fliegen Kraja und seine Freunde nach Übersee. Von der Ostküste geht es dann in dem Bus 4000 Kilometer quer durch die Staaten bis nach Nevada, wo am 11. Juli auf dem Smith Creek der Startschuss zur ersten Regatta fällt. Auf dem Dachgepäckträger ist das Material verstaut: 13 Segelwagen, 60 Reifen, 40 Segel, sieben Meter lange Masten und sonstiges Zubehör mit einem Gesamtgewicht von anderthalb Tonnen. „Wir hoffen, dass der Bus in Amerika durch den Zoll geht“, sagt Kraja.

Strandsegler sind Freaks, sind Tüftler und Bastler. Im Winter hat sich Kraja seine neue Yacht aus Kohlefaser zusammengebaut. Die Räder – in der Miniklasse sind ganz normale Schubkarrenreifen vorgeschrieben – hat er mit aerodynamischen Kästen versehen. „Da kann man schon von Hightech sprechen.“ Und was kostet solch ein Strandflitzer? Kraja überlegt: „6000 Euro – oder mehr.“

Der Schleswiger bringt alle Voraussetzungen für sein Hobby mit. Auf seiner Heimatinsel Norderney hat er Bootsbauer gelernt und die Liebe zum Strandsegeln entdeckt. Als sein Arbeitgeber pleite ging, sattelte er um, absolvierte an der Schlei noch eine Segelmacher-Lehre. Vor drei Jahren machte sich Kraja mit der Firma „Frog Sails“ am Wikingturm selbstständig, fertigt dort Segel für Boote und Strandsegler. Kunden hat er mittlerweile in aller Welt, vor allem seit er Weltmeister ist. „Gerade erst haben Australier nach Segeln angefragt.“

Insofern ist die WM-Teilnahme auch eine prima PR-Tour für den Schleswiger – wenn auch eine kostspielige. Allein 14 000 Euro kostet das Verschiffen des Busses. „Das geht nur in der Gemeinschaft“, stellt Kraja klar. Denn Großsponsoren hätten die deutschen Strandsegler keine.

Und wie stehen die Chancen für die Titelverteidigung? Kraja, der zudem in einer weiteren der insgesamt fünf Klassen antritt, gibt sich zurückhaltend. „Die Franzosen haben die besseren Voraussetzungen. Die werden zum Teil sogar von Firmen bezahlt. Wir sehen das hingegen als Hobby.“ Verlieren aber könne er sowieso nicht, sagt Kraja, der im Anschluss an die neuntägige WM mit dem Bus noch einige Wochen durch den Westen der USA touren will. „Eine solche Reise – die macht man nur einmal im Leben.“


> Sven Kraja und seine Freunde schreiben während ihres WM-Trips durch die USA ein Online-Tagebuch unter: www.frogsail-ontour.de

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