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VW-Autohaus in Schleswig : „Ein Weltbild ist zusammengebrochen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Diesel-Affäre ist im VW-Autohaus Jordt allgegenwärtig – Auswirkungen auf den Fahrzeugverkauf sind bislang aber kaum zu spüren.

Christian Jordt war gestern auf einer VW-Händler-Konferenz in Hamburg. Der Termin stand schon seit Monaten fest, die Diesel-Affäre stand ursprünglich gar nicht auf der Tagesordnung. „Aber natürlich war es das bestimmende Thema“, sagte der Schleswiger Autohaus-Betreiber anschließend. Die Verunsicherung ist groß. Das spürt er an jeder Ecke. „Mir blutet das Herz, und meine Mitarbeiter sind von den Ereignissen der letzten Tage sehr mitgenommen.“ Jordt hat seit Tagen viel damit zu tun, seine geknickten Mitarbeiter wieder aufzubauen. „Ich habe einen Altgesellen, der seit 45 Jahren bei Volkswagen arbeitet, für den ist ein Weltbild zusammengebrochen. Manipulation und Volkswagen, das passt einfach nicht zusammen.“

Auswirkungen auf den Neu- und Gebrauchtwagen-Verkauf habe er bisher noch nicht beobachtet, sagt Jordt. Dennoch macht auch er sich Sorgen um die Zukunft. „Mit 60 Mitarbeitern sind wir einer der größten Arbeitgeber in der Stadt“, und welche Auswirkungen mögliche Straf- und Schadenersatzzahlungen insbesondere in den USA für den VW-Konzern – und damit auch für die Händler – haben, das sei noch gar nicht abzusehen.

Erst einmal aber wird im Autohaus mehr zu tun sein. Auch wenn Details noch nicht feststehen, ist seit gestern klar, dass demnächst die betroffenen Fahrzeuge in die Werkstatt zurückgerufen werden. Nicht nur zu Jordt, sondern auch zwei Straßen weiter ins Autohaus Lüttmer & Felske, das nicht nur Skoda-Vertragshändler ist, sondern auch Service-Partner für VW. Auch Autos der Volkswagen-Tochter Skoda fahren mit den manipulierten Motoren. „Wir wissen noch nicht, wie viele es sind“, sagt Mitinhaber Martin Felske. Der Anteil sei aber vermutlich deutlich geringer als bei der Hauptmarke VW. Dass die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen mittelfristig sinken wird, glaubt Felske nicht. „Vielleicht zögern manche Kunden jetzt, dann kommt es beim Autokauf höchstens zu zeitlichen Verschiebungen.“ Schließlich seien die Motoren ab rund 25  000 Kilometern Fahrleistung im Jahr nach wie vor wirtschaftlicher als Benziner. Seinen Kunden beruhigt Felske mit dem Hinweis, dass weder die grüne Abgas-Plakette noch die Kfz-Steuer-Ersparnis in Gefahr seien.

Und wenn – was manche Fachleute unken – die Diesel-Affäre den Volkswagen-Konzern so sehr ins Schlingern bringt, dass er sich von einigen seiner Marken trennen muss? „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Felske. „Das mag ich mir nicht vorstellen.“

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erstellt am 30.Sep.2015 | 07:06 Uhr

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