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Schleswiger Nachrichten

17. Oktober 2017 | 19:15 Uhr

Schleswig : Ein Vierteljahrhundert auf Papier

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen schenkt dem Landesarchiv Sammlung von Zeitungsartikeln mit regionalem Bezug.

von
erstellt am 10.Feb.2015 | 07:07 Uhr

Als gelernter Maurer weiß Wolfgang Börnsen, was körperliche Arbeit bedeutet. Und so machte es dem 72-jährigen ehemaligen Bundestagsabgeordneten gestern auch keine Mühe, mehrere schwere Kartons aus seinem Auto zu heben und sie die Anlieferrampe am Hintereingang des Landesarchivs hochzuwuchten. Die Kisten waren voll gepackt mit 39 Aktenordnern, die der CDU-Politiker während seiner 26-jährigen Laufbahn in Bonn und Berlin gefüllt hatte: mit Zeitungsartikeln über seine unterschiedlichen Tätigkeiten, Engagements und Initiativen. „Da ist einiges zusammengekommen bei meiner Arbeit für den Wahlkreis 1“, meinte er.

Tatsächlich, so Börnsen, hätten seine Mitarbeiter mehr als 4000 Artikel gesammelt, die sich allein mit Themen aus Schleswig-Holstein und speziell aus der Region befassen. Die meisten davon sind in den Schleswiger Nachrichten und im Flensburger Tageblatt erschienen. Dort war Börnsen einst selbst, bevor er seine bundespolitische Karriere startete, freier Mitarbeiter und berichtete unter dem Kürzel „bb“ von Gemeindevertretersitzungen und Kirchenkonzerten aus Grundhof oder Langballig. „Deswegen lag und liegt mir die Presse immer sehr am Herzen und ich sehe Zeitungsartikel als besondere Zeitdokumente“, meinte der Bönstruper, der unter anderem von 2005 bis 2013 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war.

Auch Landesarchiv-Leiter Rainer Hering sieht die Sammlung deshalb als einen „ganz besonderen Schatz“ an, der für die jüngere Geschichtsforschung in der Region von großem Interesse sein könne. „Denn so gebündelt sind viele lokal relevante Themen für die vergangenen 25 Jahre gar nicht greifbar. Vieles, was in diesen Jahren passiert ist, wurde historisch noch gar nicht richtig erfasst. Deshalb sind Zeitungsartikel als Quellen äußerst wertvoll“, betonte Hering. Gleichzeitig lobte er Börnsen, dass er seine Sammlung ans Landesarchiv und nicht – wie bei den meisten Politikern üblich – an eine Parteienstiftung übergeben hat. „Es ist oft sehr schade, wenn Abgeordnete aus der Region primär parteilich denken und nichts ans Land. Da geht eine ganze Ebene verloren.“

Börnsens Sammlung wird in Schleswig künftig öffentlich einsehbar sein. Nur etwa 1800 Artikel aus überregionalen Medien – zu überregionalen Themen – hat er der Konrad-Adenauer-Stiftung übergeben. Archivmitarbeiterin Bettina Dioum hat bereits, nachdem sie die Aktenordner zuvor durchgearbeitet hatte, ein entsprechendes Findbuch erstellt. Wer sich künftig im Landesarchiv über Themen wie den Duty-Free-Handel an der deutsch-dänischen Grenze, die Schließung der Bundeswehrstandorte in der Region oder den Kampf um den Erhalt der Flensburger Werft und des Kraftfahrtbundesamtes schlau machen möchte, der wird auch in diesen Akten fündig.

Im übrigen schließt sich mit der Übergabe der Sammlung an das Archiv auch ein Kreis für Börnsen. „Eigentlich kann ich mich nur schwer von Dingen trennen. Aber mit dem Prinzenpalais verbindet mich, neben einer guten Zusammenarbeit, auch eine schöne Erinnerung: Als junger Mann bin ich mal mit meiner Jazztruppe hier im Keller aufgetreten. Ich saß am Schlagzeug. Hier war damals vielleicht was los. Mein lieber Mann.“

 

 

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