Steinbergkirche : Ein Test für die Europawahl

Auf den Zahn gefühlt: Erstwähler belagerten die Tische beim Dialog mit den Politikern.
Auf den Zahn gefühlt: Erstwähler belagerten die Tische beim Dialog mit den Politikern.

Politiker versuchen, jugendliche Erstwähler mit ihren Argumenten zu überzeugen. Eine klare Mehrheit ist für die Grünen.

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27. März 2019, 17:56 Uhr

Genau einhundert Erstwähler aus dem Kreis Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg befragten am Dienstagabend in der Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg die politischen Vertreter von zehn Parteien, die sich zumindest ansatzweise Chancen ausrechnen, beim Urnengang am 26. Mai den Sprung ins Europaparlament zu schaffen. Die wohl besten Aussichten haben Niclas Herbst (CDU-Listenplatz 1 in Schleswig-Holstein), Rasmus Andresen (Bundeslistenplatz 16 von Bündnis 90/ Die Grünen) und Enrico Kreft (Bundeslistenplatz 30 der SPD). An kleinen Tischen standen dieses Trio sowie elf weitere Parteiensprecher den jungen Wahlberechtigten Rede und Antwort.

Dabei konnten sich die Jugendlichen durchaus ein Bild machen, das die Wahlentscheidung in die eine oder andere Richtung beeinflusste. Die 19-jährige Julia Klindt aus Flensburg fragte den Vizelandesvorsitzenden Uwe Christiansen von den Liberal Konservativen Reformern: „Wie wird seitens der Politik dafür gesorgt, dass ich nach meinem Berufsleben eine angemessene Rente bekomme?“ Antwort: „Dafür bist du allein verantwortlich.“ Julia notierte sich solche Antworten und zeigte sich enttäuscht: „An vielen Tischen wurde seitens der Politiker zwar langatmig über die Themen und Probleme geredet, aber Lösungsansätze fehlten.“

Erstwähler bekennen sich zum Europagedanken

Diesen Eindruck bestätigten auch Lara Anabell Wolf (17) aus Hattstedt, Hanka Resch (17) aus Langstedt und Noel Liam von Lancker (18) aus Flensburg. Und sie sagten unisono: „Die Grünen machen es besser als alle anderen Parteien.“ Lara Anabell ergänzte: „Dies ist die einzige Partei, die sich ernsthaft mit dem Klimawandel beschäftigt und damit an unsere Zukunft denkt.“

Die Erstwähler ließen jedoch keinen Zweifel daran, dass sie sich vorbehaltlos zum Europagedanken bekennen. Noel Liam: „Es muss doch zwischen Deutschland und der Welt eine Plattform geben, auf der wir sicher stehen können.“

Die Veranstaltung, die von einem japanischen TV-Team dokumentiert wurde, stand unter der Leitung von Malte Morische (Scheersberg) und Aaron Jessen, Direktor der Nordsee-Akademie Leck. Kooperationspartner war der Landesbeauftragte für politische Bildung Schleswig-Holstein, Christian Meyer-Heidemann.

Schlappe für die AfD

Gewählt wurde im Sinne eines Stimmungsbilds von den Anwesenden auch, und das sogar zweimal – vor dem Dialog mit den Politikern und danach. Das Ergebnis war eindeutig: Bündnis 90/Die Grünen sprangen von 23 Prozent in der Vor-Abstimmung auf 47 Prozent. Die SPD fiel hingegen von 19,8 auf 11,6 Prozent zurück. Noch deutlicher sackte die CDU ab: von 16,6 auf 8,4 Prozent. Die FDP landete bei 9,4 Prozent, was einem Verlust von 5 Punkten gegenüber dem ersten Votum entsprach. Einen Sprung von 4 auf 12 Prozent konnte Generalsekretärin Miriam Borchert von der Partei „Die Partei“ für sich verbuchen.

Eine Schlappe gab es für die AfD: Sie landete in der Gunst der Jungwähler – wie etliche andere Parteien auch – bei null Prozent.

Nachzutragen bleibt, dass alle jungen Teilnehmer an drei Tagen zuvor in Workshops von neutralen Fachleuten Basisinformationen zur Eurowahl erhalten und sich dabei unter anderem mit den Bereichen Migration, Populismus und den europäischen Werten beschäftigt hatten.

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