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Schleswiger Initiative „Kulturleben“ : Ein Stück Lebensfreude schenken

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Initiative „Kulturleben“ vermittelt Konzert- und Kinokarten an Menschen, die sich solche Veranstaltungen sonst nicht leisten könnten.

Sie sprechen nicht von Kunden, nicht von Teilnehmern oder gar Leistungsempfängern – die Menschen, denen die Mitglieder der Initiative „Kulturleben“ etwas mehr Lebensfreude bescheren wollen, heißen schlicht „Gäste“. In diesem Jahr haben sich fünf Schleswiger Bürger, die allesamt das Berufsleben bereits hinter sich gelassen haben, zusammengetan, um eine Idee umzusetzen, die sich in anderen Städten bereits bewährt hat: Sie wollen Menschen, die nur wenig Geld zum Leben haben, die Chance geben, an Kulturveranstaltungen teilzunehmen, die sie sich sonst nicht leisten könnten.

Beate und Rudolf Schummann, Matthias Bergmann, Christa Jochims und Irma Hansen sind damit bei vielen Anbietern offene Türen eingerannt. 13 unterschiedliche Veranstalter haben in den vergangenen Monaten mehr als 500 Tickets gespendet, die die Initiative kostenlos an bedürftige Mitbürger weiterreichen konnte. Das Spektrum ist weit gefächert, so dass für praktisch jeden Geschmack etwas dabei ist– von der Kirchenmusik bis zum Baltic Open Air. Die Speeldeel macht ebenso mit wie Schloss Gottorf oder die Schleswiger Buchhandlungen Liesegang und Schröder mit ihren Lesungen. Auch kostenlose Kinokarten für das Capitol gibt es. Im nächsten Jahr kommt das „Heimat“-Varieté mit 150 gespendeten Plätzen hinzu, was einem Gegenwert von 5000 Euro entspricht.

„Kulturleben“ arbeitet unter dem Dach der gemeinnützigen Bürgerstiftung Stadt Schleswig, so dass die Unterstützer entsprechende Spendenquittungen erhalten. Die einzige große Kultur-Institution, die die Initiatoren bisher nicht gewinnen konnten, ist das Landestheater. Trotzdem konnte „Kulturleben“ Karten für die Sinfoniekonzerte des Landestheaters vermitteln – dank zweier privater Abo-Spenden.

Insgesamt übersteigt das Angebot die Nachfrage. 70 Prozent aller gespendeten Eintrittskarten sind weitergegeben worden. Das bedeutet umgekehrt, das „Kulturleben“ in diesem Jahr auf 150 Gratistickets sitzen geblieben ist. „Wir haben Schwierigkeiten, bei unserer Zielgruppe so bekannt zu werden, wie wir es uns wünschen würden“, meint Rudolf Schummann. Die Zielgruppe – das sind alle Menschen, die von Sozialleistungen leben. Ein entsprechender Nachweis – zum Beispiel vom Sozialzentrum – ist Voraussetzung, um als Gast bei „Kulturleben“ aufgenommen zu werden.

Schummann und seine Mitstreiter sind überzeugt davon, dass das Interesse, an Kulturveranstaltungen teilzunehmen, bei diesen Menschen grundsätzlich groß ist. Sie wissen aber auch, dass es mit dem Vermitteln von Eintrittskarten allein nicht getan ist. Fahrtkosten und das Geld, das man benötigt, um sich in der Konzertpause ein Getränk zu bestellen, können sie bisher nicht übernehmen. „Zum Domkonzert sind viele unserer Gäste neulich zu Fuß von der Erikstraße bis in die Altstadt gelaufen“, sagt Beate Schummann.

Es gibt einen bestimmten Teil der Zielgruppe, bei dem „Kulturleben“ bereits sehr bekannt und auch beliebt ist: Das sind die Flüchtlinge, die in den vergangenen beiden Jahren nach Schleswig und Umgebung gekommen sind. Das hat auch damit zu tun, dass die Flüchtlingslotsen kräftig die Werbetrommel gerührt haben. Unter den Erwachsenen in der digital verwalteten Gäste-Kartei befinden sich 95 Flüchtlinge und 59 Einheimische. Bei den 84 Kindern ist der Flüchtlings-Anteil noch höher.

Wer sich für die Gratis-Karten von „Kulturleben“ interessiert, füllt ein Anmeldeformular aus und gibt darauf die persönlichen Interessen an. Ein Computerprogramm hilft den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Initiative, die vorhandenen Tickets gerecht unter allen Gästen zu verteilen. Die Karten werden stets erst direkt an der Abendkasse ausgehändigt. So soll verhindert werden, dass sie unter der Hand weiterverkauft werden.

> Wer sich für das Angebot von „Kulturleben“ interessiert, erreicht die Mitglieder während ihrer wöchentlichen Sprechstunde donnerstags von 10 bis 11 Uhr in der Stadtbücherei, Moltkestraße 1, oder telefonisch unter 0176/ 43 60 85 98.

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erstellt am 27.Dez.2016 | 07:45 Uhr

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