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Schleswiger Restaurant „Stadt Flensburg“ : Ein Stück Heimat verschwindet

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ingeborg und Klaus Peter Butzbach schließen in wenigen Wochen ihr traditionsreiches Restaurant „Stadt Flensburg“ im Lollfuß.

von
erstellt am 03.Jan.2016 | 18:10 Uhr

In Feierstimmung sind Ingeborg und Klaus Peter Butzbach nicht, als sie am Sonnabend in ihrem Restaurant die Stammgäste zum Neujahrsempfang begrüßen. Bei einem Glas Sekt und frischer Suppe liegt viel Melancholie in der Luft. In wenigen Wochen werden sie ihr Lokal schließen. Es ist das Ende einer Ära. Seit fast 200 Jahren kennen die Schleswiger das Haus an der Ecke von Lollfuß und Flensburger Straße als Gaststätte „Stadt Flensburg“. Ingeborg Butzbachs Großvater Fritz Harder übernahm es 1928. Seither ist es im Besitz der Familie gewesen

„Der Abschied fällt schwer“, sagt die 75-jährige Wirtin, die das Lokal zusammen mit ihrem Mann seit 1971 betreibt. Bis Ende Februar wollen die Butzbachs das Restaurant noch an zwei Abenden in der Woche geöffnet haben: dienstags und freitags. An den Dienstagen auch deshalb, weil dann die treuesten aller Gäste kommen: Die „Jedermänner“, eine Freizeitsportgruppe des TSV Schleswig. „Das hier ist unser Vereinslokal“, sagt Sportlehrer Hartmut Petersen. Seit 1971 kehrt er hier jede Woche nach dem Sport mit seinen„ Jedermännern“ auf ein Bier ein. In der Gaststube hängen Fotos der Gruppe aus mehreren Jahrzehnten an der Wand. „Vergesst nicht, eure Bilder mitzunehmen“, sagt Ingeborg Butzbach, als sie den Sekt bringt. Aber Petersen wehrt ab: Erst Ende Februar. Bis dahin soll hier alles bleiben, wie es ist. „Danach sind wir heimatlos“, seufzt das TSV-Urgestein. Sicher werde man eine andere Gaststätte finden, meint er. „Aber es wird nicht dasselbe sein.“

Das „Stadt Flensburg“ ist eine der letzten Lokale in der Stadt, in dem die Nachbarn sich mit einem Bier an den Tresen setzen und nebenan Platz für Familienfeiern mit deftiger Hausmannskost ist. Es ist ein Stück Heimat, nicht nur für die „Jedermänner“. Früher hielten hier der Pferdefuhrwerke auf der Durchreise nach Flensburg. Noch länger ist es her, dass hier der Globusmeister Christoffer Dehio residierte, der das Haus 1699 erbauen ließ. Als der russische Zar Peter der Große den berühmten Gottorfer Globus nach St.Petersburg entführte, kam Dehio mit, denn nur er konnte das technische Wunderwerk bedienen. Zwischenzeitlich gehörte das Haus dem Advokaten und schleswig-holsteinischen Freiheits-Aktivisten Carl Heiberg. Jetzt haben die Butzbachs es verkauft. Ihre Wohnung im Obergeschoss haben sie geräumt und sind ins Nachbarhaus auf dem Hesterberg gezogen. Die neuen Eigentümer wollen das historische Gebäude sanieren und später dann ebenfalls gastronomisch nutzen. Aber es wird ein Restaurant mit exotischer Küche werden – ganz anders als das „Stadt Flensburg“.

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