Schützenfest in Schleswig : Ein Stück Heimat

Im Festzelt auf der Schützenkoppel, „Schleswigs schönsten Höhen“: 1. Ältermann Horst-Jürgen Waldmann, Majestät Jörg Rohde und der 2. Ältermann Manfred Habicher (von links).
Im Festzelt auf der Schützenkoppel, „Schleswigs schönsten Höhen“: 1. Ältermann Horst-Jürgen Waldmann, Majestät Jörg Rohde und der 2. Ältermann Manfred Habicher (von links).

Traditionspflege beim Gildefrühstück der Lollfußer Schützengilde: Am Dienstagabend endet die Amtszeit von „Jörg dem Sportlichen“.

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02. Juli 2018, 07:00 Uhr

Der Begriff „Heimat“ ist seit geraumer Zeit in aller Munde – und das nicht nur etwa, weil ein Horst Seehofer daraus politisch Kapital zu schlagen versucht. Stattdessen gibt die Rückbesinnung auf die eigene Herkunft den Menschen in der globalisierten und technologisierten Welt zunehmend ein Stück Sicherheit. „Die meisten empfinden Heimat nicht mehr als etwas Spießiges“, hat Horst-Jürgen Waldmann festgestellt. Beim gestrigen Gildefrühstück seiner Lollfußer Schützengilde fiel es dem 1. Ältermann nicht schwer, die besondere „Verbundenheit zur eigenen Stadt, zur Heimat“ hervorzuheben. „Wir Schützengilden fühlen uns der Bewahrung von Brauchtum und Tradition verpflichtet“, sagte er vor 250 Schützenbrüdern und geladenen Gästen im Festzelt auf der Schützenkoppel. Im selben Atemzug fügte er hinzu, dass die Gilden allerdings weitaus mehr seien und genauso für Toleranz und Weltoffenheit stünden.

Waldmann betonte in seiner Rede, dass alle drei Schützengilden in Schleswig über Jahrhunderte „das gesellschaftliche, politische und kulturelle Leben entscheidend mitgeprägt“ hätten. Es sei heute noch so, dass viele Schützenbrüder sich in diversen Ehrenämtern zum Wohle der Allgemeinheit engagierten.

Stolz zeigte sich der Ältermann, dass nun eine Chronik der Lollfußer Schützengilde vorliegt (siehe nebenstehenden Artikel). Den beiden Autoren Andreas Kunte und Friedrich Wilhelm Rodefeld sprach Waldmann für ihre „intensive Recherche“ und ihren „enormen Fleiß“ seinen Dank aus.

Die vergangenen drei Jahre hat Jörg Rohde als Majestät die Lollfußer Schützengilde repräsentiert. Zwei Tage vorm Ende seiner Regentschaft betonte „Jörg der Sportliche“, wie viel Freude ihm das Gildeleben bereite. Zugleich hatte er aber auch eine politische Botschaft parat. Als Schleswiger liege ihm die Schlei am Herzen, sagte Rohde. Deshalb sei auch er erschrocken gewesen, als er Anfang des Jahres vom Plastikskandal gehört habe. Für vorschnelle Rücktrittsforderungen habe er aber kein Verständnis. Vielmehr nehme er selbst die Affäre zum Anlass, seine eigene Mülltrennung und -vermeidung zu optimieren.

Am Ende des weit in den Nachmittag hinein ausgedehnten und von den Schleswiger Husaren musikalisch exzellent begleiteten „Frühstücks“ präsentierte dann noch Wettermacher Peter-Heinrich Goos seine launige Interpretation von Heimat: „Heimat ist für mich da, wo ich den Bauch nicht einziehen muss.“

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