Ein Sprachtalent beim Militär

Werner Hans Friedrich Abrahamson (1744-1812).
Werner Hans Friedrich Abrahamson (1744-1812).

Werner Abrahamson veröffentlichte 1812 ein Dänisch-Lehrbuch für Deutsche

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10. April 2013, 03:59 Uhr

SCHLESWIG | Eine bemerkenswerte Sprachbegabung zeichnete ihn aus: Werner Hans Friedrich Abrahamson beherrschte neben der deutschen und der dänischen Sprache auch Lateinisch, Italienisch, Englisch und Französisch. Als Lehrer an der Artillerie-Schule in Kopenhagen unterrichtete er neben Deutsch und Dänisch Stilkunde, Geographie und Geschichte. In dieser Funktion sowie in seiner Eigenschaft als Übersetzer, Kritiker und Herausgeber erweist sich Abrahamson als ein Anhänger der Aufklärung. Er widmete sich intensiv der Entwicklung der Volksbildung und der Förderung der Wissenschaften. Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen sei der 1812 erschienene, umfängliche "Versuch einer vollständigen dänischen Sprachlehre für Deutsche" hervorgehoben.

Die Familie stammte ursprünglich aus Polen. Der Vater diente als Kapitän im schleswig-holsteinischen Infanterieregiment. Sohn Werner Hans Friedrich wurde am 10. April 1744 in Schleswig geboren und wuchs in recht bescheidenen Verhältnissen auf. Er genoss keine regelmäßige Schulbildung, sondern erhielt nur gelegentlichen Privatunterricht in der Wohnung der Eltern. Früh interessierte sich der lern- und wissbegierige Junior für die Büchersammlung seines Vaters.

Nach dem Tode des Vaters 1757 nahmen sich Freunde der Familie des 13-jährigen Sohnes an und trugen dafür Sorge, dass er die Akademie für Landkadetten in Kopenhagen besuchen konnte. Diese Einrichtung, in der deutsch gesprochen wurde, war nicht allein eine Militär-, sondern auch eine allgemeinbildende Realschule.

Seine militärische Laufbahn begann er 1762 mit dem Eintritt in das schleswigsche Infanterieregiment in Rendsburg. Innerhalb kurzer Zeit wurde er zum Sekondleutnant befördert. 1767 wurde er nach Kopenhagen an das königliche Artillerie-Corps zur Bildung junger Offiziere berufen und 1771 als Lehrer an der Artillerie-Schule eingesetzt. 1780 wechselte er - inzwischen im Rang eines Premierleutnants - an die Landkadetten-Akademie, die er einst selbst besucht hatte. Er gab dort Deutsch- und Dänisch-Unterricht und behandelte Themen aus den Bereichen Philosophie und schöne Wissenschaften.

Sein militärisches Engagement hielt sich in Grenzen. Mehr interessierten ihn geistes- und kulturgeschichtliche Fragen. Er war in einer Reihe von wissenschaftlichen Vereinigungen aktiv, so in der Gesellschaft zur Beförderung der Sprache und der schönen Künste in Kopenhagen, in der skandinavischen und der dänischen Literaturgesellschaft und in der königlichen Kommission zur Sammlung und Bewahrung der Altertümer. "In diesen Hinsichten hat er sich um sein Vaterland verdient und merkwürdig gemacht", würdigt die bedeutende "Encyclopädie der Wissenschaft und Künste" 1818 Abrahamsons Einsatz. "Allein er ist auch für die allgemeine Literatur und Geschichte nicht weniger merkwürdig, als Dichter, Vaterlandsfreund, Aesthetiker, Sprach- und Alterthumsforscher." Er war Meister vom Stuhl der deutschen Freimaurerloge "Friedrich zur gekrönten Hoffnung" in Kopenhagen.

Die Liste seiner Veröffentlichungen ist außergewöhnlich lang; darin sind Arbeiten fast aller literarischen Genres zu finden - von Sachbüchern zum Beispiel zur Sprachlehre oder zu historischen Themen über geistliche Lieder und Gesänge bis zu Werken der Dichtkunst. "Zum Schlusse seines Lebens verband er sich noch mit seinen eben so vaterländisch-gesinnten Freunden (Rasmus) Nyerup und (Knud Lyne) Rahbek zur Herausgabe einer vollständigen, kritisch gesichteten und bearbeiteten Sammlung der dänischen Volkslieder in fünf Bänden." Werner Hans Friedrich Abrahamson, der bis 1810 hauptamtlich seiner Lehrtätigkeit an der Artillerieschule nachging, erlebte nur noch den Druck der ersten beiden Bände dieser Dokumentation, die anderen erschienen nach seinem Tode.

Abrahamson starb am 22. September 1812 in Kopenhagen. Familienangehörige und Freunde widmeten seinem Angedenken einen literarischen Strauß herrlicher Denkblumen ("Mindeblomster paa Faderens"). Auszüge aus dem Büchlein veröffentlichte "Idunna und Hermod", eine "Alterthums-Zeitung" aus Stuttgart.

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