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Schleswiger Nachrichten

19. September 2017 | 15:46 Uhr

Ein Schleswiger in den „Panama Papers“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor elf Jahren gründete er eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln (Foto). Das hat einen Unternehmer aus Schleswig jetzt eingeholt: Sein Name taucht auf der Liste der „Panama Papers“ auf.

von
erstellt am 17.Mai.2016 | 09:52 Uhr

Politiker, Sportler und sonstige Prominente – die Liste der „Panama Papers“ enthält eine Vielzahl illustrer Namen. So sollen zum Beispiel Saudi-Arabiens König Salman, Argentiniens Präsident Mauricio Macri und enge Vertraute von Russlands Staatschef Wladimir Putin ebenso ihr Geld in dubiosen Briefkastenfirmen versteckt haben wie Fußballstar Lionel Messi oder die Schauspieler Jackie Chan und Emma Watson. Auch enthält der Datensatz die Namen von Drogenbaronen und Terrorismus-Unterstützern. Und dann sind da die vielen kleinen Fische, die in dem Geflecht aus Offshore-Firmen auftauchen. So wie ein Unternehmer aus Schleswig, dessen Name gemeinsam mit einigen tausend weiteren Deutschen durch das Datenleck an die Öffentlichkeit gespült wurde.

Für den 50-Jährigen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, kommt die Veröffentlichung nach eigenen Angaben überraschend. Eine Erklärung hat er dafür gleichwohl schon. Als er 2005 eine Firma für Onlinedienste gründen wollte, habe er sich statt für eine deutsche GmbH für eine englische „Limited“ mit Sitz in England entschieden. Das sei günstiger und für ihn sicherer gewesen. Und völlig legal. „Ich wollte nicht mit meinem ganzen privaten Vermögen haften“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Hilfestellung geleistet habe ihm damals ein Unternehmer aus Kiel, der sich auf solche Firmengründungen nach ausländischem Recht spezialisiert hatte. Doch weil der Schleswiger seinerzeit auch Geschäfte in Asien tätigte, ließ er sich von dem Kieler noch eine weitere Firma nach US-Recht „aufschwatzen“ – eine „Incorporated“ mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln. „Die hat er mir sozusagen im Paket mit angeboten – für 199 Euro Gründungsgebühr.“ Für alle Fälle. Doch diese Briefkastenfirma in der Karibik habe er nie genutzt, versichert der 50-Jährige. „Das Ding liegt da irgendwo rum.“ Auch habe er nie irgendein Konto im Ausland gehabt. Und von dem Kieler Geschäftsmann habe er schon bald nichts mehr gehört. „Das war eine zwielichtige Gestalt, die irgendwann verschwunden ist.“

Tatsächlich wird die Firma auf den Jungferninseln in den „Panama Papers“ mit dem Status „Dead“ (tot) geführt – so wie die anderen 20 Gesellschaften, die über die Kieler „Bizphone Ltd“ abgewickelt wurden. In diesem Geflecht tauchen übrigens auch Geschäftsleute aus Reinbek (Kreis Stormarn) und Hamburg auf.

Der Schleswiger Unternehmer ist indes überzeugt, nichts Unrechtes getan und dem deutschen Fiskus auch keine Steuern vorenthalten zu haben. „Um Steuern zu sparen, muss ich ja auch erstmal genug Geld verdienen“, sagt der Chef von 25 Angestellten und lacht. Und als Geschäftsführer einer GmbH & Co KG konzentriere er sich heute ohnehin nur noch auf den innerdeutschen Handel.

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