Schleswigs Wahrzeichen : Ein Schilf-Transfer zur Möweninsel ?

Das Schilf vor Schloss Gottorf behindert die Sauerstoffzufuhr in den Burggraben.
Das Schilf vor Schloss Gottorf behindert die Sauerstoffzufuhr in den Burggraben.

Fachleute bringen neue Idee ins Spiel, um den Schrumpfungsprozess von Schleswigs Wahrzeichen in der Schlei zu stoppen

shz.de von
15. November 2012, 07:02 Uhr

Schleswig | Die Möweninsel schrumpft. Unaufhaltsam und kontinuierlich, wie der Holmer Gerd Roß als ständiger Beobachter vor Ort feststellt. "Der Prozess lässt sich wegen der Strömungsverhältnisse und wegen des fehlenden Schilfbewuchses dort nicht mehr aufhalten", hatte er am Dienstag vor dem Bauausschuss erklärt. Doch jetzt ist eine rettende Idee ins Spiel gekommen: Was wäre, wenn das Schilf vom Burggraben weg und zur Möweninsel hin befördert würde? Es könnte dort eingepflanzt werden und dazu beitragen, die Uferkanten auf Dauer zu festigen.

Durch den Schilf-Transfer könnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, erklärt auch Thorsten Roos, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, auf SN-Nachfrage. Nämlich: Zum einen würde der Burggraben befreit werden von der großen Schilfinsel, die sich vor der Schleuse zur offenen Schlei hin entwickelt hat und dadurch die Sauerstoffzufuhr zum Wasser im Burggraben stark behindert (was bereits mehrmals zu Fischsterben führte). Zum anderen könnte die Möweninsel durch die Schilfeinpflanzung wieder "Land gewinnen". Roos: "Es könnte die Möweninsel stabilisieren. Das Schilf mit seinen tiefreichenden Wurzeln ist ein wunderbarer biologischer Küstenschutz."

Voraussetzung bei dieser Pflanzaktion aber wäre, dass das Schilf auf die frischen Sandvorspülungen gesetzt wird, die von den Erweiterungsarbeiten für den Stadthafen stammen. Darauf macht Gerd Roß aufmerksam: "Auf dem alten Morast hätte das gar keinen Sinn, in dem Modder kann nichts anwachsen." Roß, seit 1989 zuständig als "Möwenberg"-Referent beim Verein Jordsand (dieser hat die Möweninsel vom Land gepachtet), probierte bereits selbst eine kleine Umpflanzungsaktion aus: "Ich habe mir Schilf geholt und an einer Stelle bei uns am Ufer eingesetzt. Es wächst wie wild, die beste Uferbefestigung, die es gibt."

Eine Einschätzung, die aus naturschutzbehördlicher Sicht voll geteilt wird. Und das ist das fast Geniale an der Idee: Fachleute in Schleswig bewerten sie als machbar und sinnvoll. Nur eine Frage bleibt bisher unbeantwortet: Wer könnte nun die Aktion in Gang setzen und auch ausführen ? Die Stadtwerke ? Die Naturschutzbehörde ? Der Verein Jordsand als Pächter ? Das Land als Eigentümer? Die Holmer Fischer ? Die Stadt als Beschützerin der Möweninsel ?

Um die Sache überhaupt einzuleiten, müsste zunächst ein Antrag an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises gestellt werden. Nach einer fachlichen Beurteilung (Roos: "Wir finden das gut") würde sie die Genehmigung für die Aktion erteilen. Doch wer würde den Antrag stellen ? Nach Meinung von Gerd Roß könnte das der Verein Jordsand übernehmen. Was die Ausführung des Schilftransportes über die Schlei angeht, winkt Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs ab. Das müssten andere übernehmen, sagt er. Aber die Kommunalbetriebe werden in nächster Zeit noch einmal 2 500 Kubikmeter Sand, der aus der Hafenausbaggerung stammt, vor die Möweninsel spülen. Dieser bliebe dort allerdings nicht lange liegen - es sei denn, er wird "festgehalten" durch neue Schilfpflanzen vom Burggraben.

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