Waldloge des Druiden-Ordens : Ein Ritual für Freiheit und Toleranz

Heinz-Georg Bäcker entdeckte einst die Waldemarsmauer als Ort für die Waldloge.
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Heinz-Georg Bäcker entdeckte einst die Waldemarsmauer als Ort für die Waldloge.

An der Waldemarsmauer feierte der Druidenorden sein Neujahrsfest – mit etwas Verspätung nach dem Wildschweinessen.

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07. Juni 2014, 08:09 Uhr

Die Ernüchterung setzt schon beim ersten Telefonanruf ein. Wer Schleswigs höchsten Druiden sprechen möchte, der hat die „Spektrum Finanzberatung“ am Apparat. Dabei denkt doch, wer von Druiden hört, unwillkürlich an Miraculix, den rauschebärtigen Alten, der für Asterix den Zaubertrank braut. Miraculix und ein Mann der Geldes, passt das zusammen?

Wir wollen es herausfinden und verabreden uns mit Lothar Koch, Vorsitzender der Schleswiger Druiden und im Hauptberuf Finanzberater, zur Waldloge des Druidenordens bei Sonnenuntergang unter hohen Bäumen an der Waldemarsmauer in Dannewerk. Es ist das druidische Neujahrsfest. Man feiert es im Frühsommer, wenn die Natur erwacht. „Der Ort ist gut versteckt, aber Sie werden uns finden, wir sind nicht zu überhören“, verspricht Koch. Doch als wir zur verabredeten Zeit eintreffen, ist nicht zu hören als Vogelgezwitscher. Ein leises Summen von jenseits des Waldes entpuppt sich als Tonspur der nahen Autobahn. Immerhin: Es müssen Druiden hier gewesen sein. Im Wald entdecken wir in einem von Feldsteinen markierten Halbkreis etwas, das aussieht wie ein Altar. Auf ihm liegen frische Kastanienblätter und aus Metall ein Stern mit sieben Zacken. Davor hat jemand sieben Stöcke in die Erde gesteckt.

Nach einer Viertelstunde endlich erscheint im Gebüsch ein alter Mann im langen Mantel. Er sieht wirklich ein wenig aus wie Miraculix, nur ohne Bart. Er tritt vor den altar-artigen Steinblock, hält kurz inne und fotografiert ihn dann. Es ist nicht Lothar Koch. Es ist Heinz-Georg Bäcker, der Altvorsitzende. Während er erzählt, wie er vor 16 Jahren diesen Ort für die Waldlogenfeier entdeckte, versammeln sich vor dem Wald rund 80 Männer, Frauen und Kinder vor der Waldemarsmauer. Sie sind spät dran, denn das Wildschweinessen im nahen Gasthof dauerte länger als vorgesehen. Vor der eigentlichen Waldloge, das ist hier Tradition, hält Logenbruder Klaus Höfer an der Mauer einen Vortrag über die Geschichte des Danewerks. Diesmal geht es um den deutsch-dänischen Krieg von 1864 und um den sinnlosen Tod der vielen tausend Soldaten, die in ihm fielen.

Die schleswig-holsteinische Geschichte hat große Bedeutung für die Schleswiger Druiden. Der vollständige Name ihrer Vereinigung erinnert an die Verfasser des Schleswig-Holstein-Liedes: „Chemnitz-Bellmann-Loge Schleswig im Deutschen Druiden-Orden“. Die Druidenorden entstanden Ende des 18. Jahrhunderts im Geiste der Aufklärung in England. Die Gründer beriefen sich auf die keltische Druiden wegen ihrer Weisheit und ihres positiven Wirkens für das Volk. Die Schleswiger Loge besteht seit 1926. Sie tritt ein für Menschlichkeit, Toleranz und freiheitliches Denken. Mit einem religiösen Kult habe das nichts zu tun, betont Lothar Koch. Er sieht ganz und gar nicht aus wie Miraculix. Glatt rasiert das Gesicht, das kurze Haar sorgsam frisiert. Aus dem zugeknöpften Mantelkragen ragen Krawatte und weißes Hemd hervor.

Wie wird man Druide, Herr Koch? „Ich wurde gefragt, ob ich an einem Gesprächskreis für Herren teilnehmen möchte“, sagt er. Weiter kommt er nicht, denn nun beginnt im Wald die Zeremonie. „Des anderen Meinung sei mit Toleranz geachtet“, sagt er – und viele andere Sätze mit Genitiven. Am Ende brennt eine Flamme im siebenzackigen Metallstern. Auch die sieben Stöcke, die im Boden stecken, brennen nun. Es sind Fackeln. Lothar Koch überreicht den Vertretern der befreundeten Druidenlogen aus ganz Schleswig-Holstein jeweils eine davon. Dann endlich hat er Zeit, zu Ende zu erklären, wie er zum Druiden wurde: „Als ich zum ersten Mal zu einem Treffen kam, begrüßte mich ein alter Logenbruder mit einer solchen Herzlichkeit, als würden wir uns schon seit zehn Jahren kennen. Das hat mich tief beeindruckt.“

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